Mit Umzügen den Start in ein drogenfreies Leben schaffen
Der Selbsthilfeverein "Elrond" in Osnabrück ermöglicht Menschen mit Suchtproblemen die Rückkehr in einen geregelten Alltag. In diesem Jahr wird er von der "Hand in Hand"-Aktion des NDR unterstützt.
Mit 17 ging es bei Julian los mit den Drogen. Amphetamine, Alkohol, Cannabis. Er ahnte damals nicht, wie sehr die Sucht sein Leben bestimmen würde - seit mittlerweile 12 Jahren. Lange konnte er noch in seinem Beruf als Gas-Wasser-Installateur arbeiten, aber irgendwann sei auch das nicht mehr gegangen. Er sei oft drei Tage am Stück wach gewesen. "Ich habe immer nur noch gemacht, was ich für richtig hielt. Mir ist die Struktur komplett flöten gegangen", erzählt er. Dass das auf Dauer nicht funktioniert, hat er auf die harte Tour gelernt - als plötzlich Job und Wohnung weg waren.
Sucht: Genesung durch eigene Arbeit finanzieren
Seit zwei Jahren ist Julian clean und im Projekt "Elrond". Ein Selbsthilfe-Verein, in dem er zusammen mit derzeit vier anderen Männern lebt und arbeitet, die eine ähnliche Suchtbiografie haben. Ihre Therapie in dem Projekt finanzieren die Betroffenen selbst durch die Arbeit als Umzugshelfer. Ein Faktor, der wichtig ist für Julians Selbstwertgefühl. Denn anders als bei anderen Maßnahmen sind sie nicht auf externe Kostenträger angewiesen. Sie verdienen sich ihre Genesung durch harte, meist körperliche Arbeit.
Job ohne Ausbildung
Die Umzüge haben weitere Vorteile: Der Einstieg ist sehr niedrigschwellig. Neue Mitarbeiter brauchen keine Ausbildung, sie müssen nur anpacken können. Das wiederum ist nach jahrelanger Sucht und nach einem Entzug oft nicht so einfach. "Bei uns ist das so, dass wir durch die Arbeit erst fit werden", schmunzelt Julians Kollege Sascha. Außerdem geben die Aufträge Struktur, also genau das, was alle hier so dringend brauchen.
Selbsthilfeverein gegen Drogenabhängigkeit
"Elrond" wurde Anfang der 1990er als Selbsthilfeverein gegründet. Und das Prinzip der Selbsthilfe ist bis heute wichtig. Bei "Elrond" gibt es keine Theoretiker. Alle, die hier arbeiten, egal ob im Büro oder als Leitung der wöchentlichen Gesprächsgruppen, waren früher selbst suchtkrank. Julian und seine Kollegen empfinden das als hilfreich. Denn so haben sie immer mit Menschen zu tun, die aus eigener Erfahrung wissen, was es bedeutet, süchtig zu sein. Ohnehin sei der Kontakt untereinander sehr intensiv. Man verbringe eben den kompletten Alltag zusammen. "Dann kriegt man auch den Spiegel vorgehalten: 'Ey, das läuft gerade nicht bei dir. Was ist da los?'", sagt Sascha.
"Wer rückfällig wird, hat 30 Minuten Zeit, seine Sachen zu packen"
Deshalb gibt es auch klare Regeln: Keine Gewalt, keine Straftaten, keine Rückfälle. "Wer rückfällig wird, hat 30 Minuten Zeit, seine Sachen zu packen", erklärt Gruppenleiter Marcus Kroll. Denn Süchtige agierten oft strategisch. Wüssten sie, dass Rückfälle akzeptiert würden, meinten sie schnell, sie hätten "einen frei". Und das würden sie dann auch ausnutzen.
"Elrond" - Eine Figur aus "Herr der Ringe"
Der Name "Elrond" ist ein Verweis auf eine Figur aus "Der Herr der Ringe". "Elrond" ist in der Geschichte einer der größten Elben Mittelerdes und bietet Wanderern in Zeiten von Sturm und Bedrohung in seinem Haus Frieden, Schutz und Sicherheit. Mit diesem Selbstverständnis ist "Elrond" in Osnabrück seit den 90er Jahren eine anerkannte Therapieeinrichtung.
"Elrond" als Heimathafen
Über die Jahre haben es schon viele mit der Hilfe von "Elrond" geschafft, clean zu bleiben. Und die Identifikation mit dem Projekt ist auch bei Ehemaligen hoch. Das mag auch daran liegen, dass es für viele das erste Zuhause nach einem Entzug oder sogar einer Haftstrafe ist. Und dieses Zuhause gestalten sie selbst mit. Auch Renovierungsarbeiten am WG-Haus stemmen sie aus eigenen Mitteln. Dafür möchten sie auch die Spenden aus der Hand-in-Hand-Aktion des NDR verwenden. Außerdem suchen sie gerade nach einer Wohnung für eine Außen-WG. Für alle, die sich schon mehr Eigenständigkeit zutrauen. Auch Julian gehört dazu: "Nach der Therapie hier fängt das Leben für mich nochmal richtig an. Ich weiß, dass ich dann gut auf mich aufpassen muss. Das ist mein Weg".