NDR Story

Das Mädchen mit den Goldhaaren: Eine Spurensuche im Holocaust

Montag, 26. Januar 2026, 22:00 bis 22:45 Uhr

Montage: Historisches Foto von 1939. Wartende Menschen mit Gepäck; Kinder auf Bündeln sitzend. Ein Mädchen blickt in die Kamera. KI-restaurierte Version des Mädchens ins Farbe ist zentrales Motiv. Im HG ein Haus und ein Turm.

Los Angeles 1932. Der Deutsche Walter Meyer gewinnt als Ruderer Gold bei den Olympischen Spielen. Er ist Erbe einer Industriellenfamilie, wohlhabend und weltgewandt. Doch nur sieben Jahre später nimmt er als einfacher Soldat am deutschen Überfall auf Polen und der Vertreibung der dortigen jüdischen Bevölkerung teil. In seinem Gepäck: ein Foto, das Jahrzehnte später zum verstörenden Beweisstück wird.

Der Abgrund des Holocaust im Familienalbum

Autor Malte Herwig (r.) auf dem Schulhof in Golub, auf dem sein Großvater im November 1939 fotografiert wurde.
Autor Malte Herwig (r.) auf dem Schulhof in Golub, auf dem sein Großvater im November 1939 fotografiert wurde.

Die NDR Story begleitet den Journalisten und Bestsellerautor Malte Herwig bei der Entschlüsselung eines dunklen Familiengeheimnisses. Der Olympiasieger und Soldat ist sein Großvater. Auslöser ist ein unscheinbares Fotoalbum, gebunden in bunten Stoff, gefüllt mit privaten Schnappschüssen aus dem Krieg im Jahr 1939. Jahrzehntelang lag es auf dem Dachboden. Es zeigt den Alltag eines Wehrmachtssoldaten in Polen. Doch der zweite Blick offenbart einen Abgrund.

Das Album des Großvaters enthält nie zuvor veröffentlichte, einzigartige Fotografien vom Beginn des Holocausts in Osteuropa. Im Zentrum steht das Foto, das den Titel der Dokumentation prägt: Darauf sind ein Mädchen mit blonden Locken und ein Junge während der Vertreibung 1939 in Polen zu sehen. Sie sitzen auf Gepäckstücken mitten auf einem Marktplatz - und blicken direkt in die Kamera. Wer sind diese Kinder? Was war ihr Schicksal?

KI trifft auf Zeitgeschichte und gibt den Opfern einen Namen

KI-Recherche an einem Foto aus dem Wehrmachtsalbum von Malte Herwigs Großvater
Für die Suche nach dem Kind auf dem historischen Foto aus dem Wehrmachtsalbum, hat der Autor auch ein KI-Recherche-Tool verwendet.

Malte Herwig nutzt für seine Recherche modernste Technologie. Mittels KI-gestützter Gesichtserkennung versucht er, den Namenlosen ihre Identität zurückzugeben. Seine Spurensuche führt ihn auf einen Marktplatz im polnischen Dobrzyn, wo das beklemmende Foto der Deportation aufgenommen wurde. Herwig findet Zeitzeugen und macht einen Enkel des damaligen NSDAP-Ortsgruppenleiters ausfindig, der die Vertreibung organisierte.

In seiner ersten Fernsehdokumentation konfrontiert Herwig auf persönlich-radikale Weise das deutsche Klischee "Opa war kein Nazi". Der Film stellt die bohrende Frage, welche Rolle die eigenen Vorfahren tatsächlich im Dritten Reich spielten. Und was erzählen ihre privaten Bilder, wenn man bereit ist, wirklich hinzusehen? Ein Film über den blinden Fleck der Erinnerung und die Macht der Bilder.

Eine Gruppe überlebender Kinder im KZ Auschwitz nach der Befreiung im Januar 1945

Am 27. Januar 1945 rückte die Rote Armee zum KZ vor, wo über eine Million Menschen ermordet wurde. Seit 1996 wird am Tag der Befreiung der Opfer gedacht.

Porträtbild einer Frau mit braunen langen Haaren; sie steht vor einer Steinwand

Die alljährlichen Gedenkfeiern am 27. Januar bezeichnet die junge TikTokerin Susanne Siegert als "Gedenktheater".

Informationsportal der internationalen Gedenkstätte.

Die Bildungsplattform vom Anne Frank Zentrum vermittelt Jugendlichen die Geschichte des Holocaust mithilfe von Kurzvideos.

Artikel des Historikers Martin Sabrow über einen Wandel im Holocaust-Gedenken. Ein Angebot der Bundeszentrale für politische Bildung.

Bilder der NS-Deportation. Ein Angebot des Selma Stern Zentrums für Jüdische Studien.

Autor/in
Malte Herwig
Produktionsleiter/in
Anja Reingold
Redaktion
Dietmar Schiffermüller