Handball-Bundesliga
Hitchcock lässt grüßen: Hannover-Burgdorf jubelt in letzter Sekunde
Jonathan Edvardsson hat die Handballer der TSV Hannover-Burgdorf in einer denkwürdigen Bundesliga-Partie bei Balingen-Weilstetten mit einem Treffer kurz vor Schluss vor einer Pleite bewahrt. Die Begegnung des neunten Spieltags endete am Montagabend 29:29 (16:13).
Edvardsson erzielte acht Sekunden vor Ultimo den Ausgleich für das Team von Trainer Juan Carlos Pastor, dem damit die Revanche für die Pleite im DHB-Pokal aber nur halb gelang. Die Zweitrunden-Partie beim Erstliga-Aufsteiger hatten die "Recken" am 23. September mit 28:35 überraschend verloren und sich dabei von den kampfstarken Baden-Württembergern den Schneid abkaufen lassen.
Beim erneuten Aufeinandertreffen mit den Balingern zeigten die "Recken" lange ein ganz anderes Gesicht und führten zwischenzeitlich bereits mit sechs Treffern. Eine Schwächephase im zweiten Durchgang kostete die TSV am Ende aber den schon sicher geglaubten Sieg.
"Recken" bestechen durch hohe Effizienz
Die Gäste begannen hochkonzentriert und bestachen bis in die Schlussphase des ersten Durchgangs hinein durch eine hohe Effizienz im Angriff. Gegen Hannovers Wucht aus dem Rückraum - hier taten sich inbesondere Renars Uscins und Lukas Stutzke hervor - fanden die Hausherren zunächst keine geeigneten Mittel.
Aber die "Recken" kamen nicht nur mit Kraft, sondern auch durch Raffinesse zum Erfolg. So ging der schönste Treffer des ersten Abschnitts auf das Konto von Linksaußen August Pedersen. Hannovers Top-Torschütze, der jüngst seinen Vertrag bis 2030 verlängert hatte, traf mit einem tollen Dreher zum 8:5 (14.).
Neun Minuten später hatten die Niedersachsen ihre Führung sogar auf fünf Tore ausgebaut (14:9.). Balingens Coach Matthias Flohr nahm daraufhin eine Auszeit und versuchte, seine Mannschaft aufzubauen. "Wir müssen das über Leidenschaft regeln, Jungs", forderte der 44-Jährige.
Balingen nach Auszeit mit Aufholjagd
Und Flohrs Worte zeigten Wirkung. Seine Schützlinge agierten anschließend entschlossener und konnten auf zwei Treffer verkürzen (13:15/30). Die zwischenzeitlich schon ziemlich leisen Anhänger der "Gallier von der Alb" sorgten nun wieder für die bei der Konkurrenz gefürchtete hitzige Atmosphäre in der Balinger Arena.
Hannover hatte durch das 16:13 mit der Halbzeitsirene zwar das letzte Wort in Hälfte ein, war aber ob des Spielverlaufs gewarnt. Zumal bei den Gastgebern insbesondere bei der Wurfquote sowie der Torhüter-Leistung noch viel Luft nach oben war.
Plötzlicher Spannungsabfall bei Hannover
Daran änderte sich vorerst auch nach dem Seitenwechsel nichts. Die TSV konnte mit einem 3:0-Lauf auf 19:13 davonziehen (34.) und schien schon auf der Siegerstraße. Dann erfolgte jedoch ein kleiner Spannungsabfall bei den Norddeutschen. Die Angriffe wurden nicht mehr so konzentriert wie zuvor ausgespielt - und in der Deckung wurde nicht mehr mit derselben Intensität wie in den Anfangsminuten der zweiten Hälfte gearbeitet.
Balingen nutzte die Schwächephase der "Recken", verkürzte auf 17:19 (38.) und hatte durch Lion Zacharias sogar die Chance auf das 18:19, nutzten diese aber nicht (41.).
Hitchcock-Schlussphase in Balingen
Was dann folgte, war fast schon verrückt - in jedem Fall aber ein Handball-Krimi, bei dem Alfred Hitchcock nicht besser hätte Regie führen können. Denn nachdem die TSV zwischenzeitlich wieder auf drei Tore davongezogen war (25:22/49.), glichen die Gastgeber zunächst zum 25:25 aus (51.) und gingen dann durch einen Siebenmeter von Sascha Pfattheicher sogar mit 26:25 in Führung (54.). Kurz darauf scheiterte der Rechtsaußen an Hannovers Keeper Joel Birlehm und vergab so die große Chance auf die Zwei-Tore-Führung für den Aufsteiger.
Der TSV-Schlussmann entschärfte nach dem Ausgleich der "Recken" einen weiteren Siebenmeter von Pfattheicher, sodass die Gäste in Unterzahl (Pedersen musste für zwei Minuten auf die Bank) die Möglichkeit zum 28:27 hatten - diese jedoch ausließen. Im Gegenzug überwand Zacharias Birlehm, bevor Pedersen egalisierte.
TSV egalisiert mit dem letzten Angriff
Flohr nahm eine Auszeit. 67 Sekunden waren da noch auf der Uhr. Und Die Hausherren hatten den Ball. Mex Raguse nahm sich ein Herz, ging mit Tempo und Wucht durch den Innenblock der TSV und brachte die Baden-Württemberger erneut in Front. Nun blieb den "Recken" noch ein letzter Angriff, um die Pleite zu verhindern.
Das Pastor-Team ließ sich Zeit. Erst acht Sekunden vor der Schlusssirene übernahm Edvardsson Verantwortung und sorgte mit einem überlegten Abschluss noch für einen letztlich auch verdienten Teilerfolg der Niedersachsen.