Handball-Bundesliga
Dank Pytlick - Flensburg-Handewitt gewinnt Krimi gegen Füchse Berlin
Die SG Flensburg-Handewitt hat auch im dramatischen Topspiel gegen die Füchse Berlin ihre weiße Weste gewahrt. Der ungeschlagene Tabellenführer der Handball-Bundesliga besiegte am Sonntag den deutschen Meister von 2025 spektakulär mit 34:33 (17:19).
Ausgerechnet Simon Pytlick brachte die Halle zum Toben. Der Däne in Diensten der Norddeutschen, der ab der nächsten Saison das Trikot der Füchse tragen wird, beförderte bei abgelaufener Uhr einen Freiwurf mit der letzten Aktion des Spiels an seinen zukünftigen Teamkollegen vorbei ins Tor und sorgte so für den Sieg der Gastgeber. Danach sprangen dem 25-Jährigen seine Flensburger Mitspieler in die Arme und feierten ausgelassen mit den Fans den Sieg in einem Spitzenspiel, das den Namen auch verdient hatte.
Ein Kacktor, aber wirklich schön." Simon Pytlick, SG Flensburg-Handewitt
Der Däne Emil Jacobsen war mit neun Treffer der überragende Mann für Flensburg, Berlins Topstar Mathias Gidsel konnte die Niederlage auch mit elf Treffern nicht verhindern. Auch SG-Keeper Simon Möller glänzte. Mit 17:1 Punkten zogen die Schleswig-Holsteiner, die als einziges Team der Liga ungeschlagen bleiben, wieder am THW Kiel (17:3) vorbei, der ein Spiel mehr bestritten hat.
"Eine unglaubliche Leistung von meinen Jungs", freute sich SG-Trainer Ales Pajovic am NDR Mikrofon nach der Partie. "Wenn die Mannschaft an sich glaubt und Carakter zeigt, musst du manchmal auch ein bisschen Glück haben. Unglaublich!"
Flensburg mit stürmischem Beginn
Die "Hölle Nord" machte von Beginn an ihrem Namen alle Ehre, das Publikum sorgte für eine lautstarke und elektrisierende Atmosphäre im Top-Duell. Flensburg spielte in den ersten Minuten zielstrebig nach vorne und kam durch Marko Grgic sowie Aymeric Minne zu zwei schnellen Treffern. Abschütteln ließ sich Berlin jedoch nicht, es blieb in der Anfangsphase eine ausgeglichene Partie.
In der 16. Spielminute sorgte Grgic mit seinem Treffer für die erste Vier-Tore-Führung der SG (14:10), die auch Torhüter Möller zu verdanken war. Der Schwede zeigte in der ersten Hälfte neun teilweise spektakuläre Paraden, sein Gegenüber Ludwig Lasse dagegen wurde durch Andreas Palicka ersetzt. Ex-SG-Coach Nicolej Krickau, der die Hauptstädter trainiert, nahm bereits in der 17. Minute eine Auszeit.
Auszeit sorgt für Bruch im Spiel der SG
Die brachte die Gastgeber völlig aus dem Konzept - und die Gäste zurück in die Spur. Binnen sechs Minuten drehten die Füchse den Rückstand und glichen in der 24. Minute zum 15:15 aus; bezeichnenderweise erzielte den Ausgleichstreffer der eingewechselte Keeper Palicka nach einer Parade mit einem Wurf auf das leere Flensburger Tor.
SG-Coach Pajovic nahm nun seinerseits eine Auszeit, doch die Gäste bestraften in der Phase vor der Halbzeit die Fehler des Branchenprimus eiskalt und gingen dank eines erneut überragenden Gidsel mit einer 19:17-Führung in die Kabine.
In der Pause fand Pajovic offensichtlich die richtigen Worte, sein Team startete furios in den zweiten Durchgang und konnte sich zudem einmal mehr auf Möller verlassen. In der Offenive sorgte Minne mit vier Treffern in Serie für eine 25:23-Führung der Schleswig-Holsteiner (41.).
Enge Schlussphase mit überragendem Möller
Eine doppelte Unterzahl der SG nach Zeitstrafen gegen Pytlick und Minne elf Minuten vor dem Ende brachte die Füchse wieder auf 30:31 heran, Möller verhinderte mit einer weiteren Parade Sekunden vor dem Ablauf der Strafe aber den Ausgleich.
Die Schlussminuten wurden zu einer Zitterpartie für die Hausherren, die sich unnötige Fehler erlaubten und es versäumten, den Sieg vorzeitig unter Dach und Fach zu bringen. Erst scheiterte Emil Jakobsen mit einem Siebenmeter (57.), dann kassierte Lasse Möller eine Zwei-Minuten-Strafe (59.). Berlin nutzte die fünf torlosen Minuten der SG aus, Nils Lichtlein gelang schließlich 20 Sekunden vor dem Ende der 33:33-Ausgleichstreffer.
Den Hausherren rannen die Sekunden davon, Minne wurde bei seinem Abschluss vier Sekunden vor dem Ende gefoult und die SG bekam noch einmal einen Freiwurf. Und Pytlick schaffte das scheinbar Unmögliche: Er warf den Ball durch die Mauer der Berliner hindurch und erzielte im letzten Moment den umjubelten Siegtreffer für Flensburg.