Champions League
Nach großem Kampf: Wolfsburger Champions-League-Träume platzen in Lyon
Die Fußballerinnen des VfL Wolfsburg haben den Einzug in das Halbfinale der Champions League verpasst. Nach dem knappen 1:0-Erfolg im Hinspiel gegen OL Lyonnes verloren die Niedersächsinnen am Donnerstagabend in Frankreich mit 0:4 nach Verlängerung.
Nach regulärer Spielzeit hatten die Französinnen die Pleite aus dem ersten Vergleich durch einen Treffer von Lily Yohannes (16.) wettmachen können. In der Verlängerung sorgten dann Melchie Dumornay (102.), Damaris Egurrola (105.+2) und Tabitha Chawinga (119.) mit ihren Toren für den verdienten Erfolg der Gastgeberinnen, die über weite Strecken der Partie drückend überlegen waren.
"Wir haben einen absoluten Fight abgeliefert", sagte Svenja Huth: "Dann ist es bitter, in der Verlängerung den entscheidenden Schlag zu bekommen." Sein Team habe "das Herz auf dem Platz gelassen", betonte Trainer Stephan Lerch: "Wir wussten, dass es schwierig wird, dass dieser Sturm auf uns zukommt und wir auch ein bisschen Glück brauchen an der ein oder anderen Stelle."
Sein Team gehe "erhobenen Hauptes vom Platz". Die Mannschaft habe sich "gut auf internationaler Bühne präsentiert und für die eine oder andere Überraschung gesorgt", lobte Huth. Deshalb werde der Frust bald dem "Stolz" weichen.
Lyon im Semifinale nun gegen Arsenal
In der Vorschlussrunde (25./26. April und 2./3.Mai) spielt Lyon nun gegen den Arsenal WFC. Das Team um die frühere Wolfsburgerin Anneke Borbe kam trotz einer 0:1-Niederlage im Rückspiel gegen den Londoner Konkurrenten Chelsea FC weiter. Vor heimischer Kulisse hatte der Titelverteidiger mit 3:1 gewonnen.
Im zweiten Semifinale trifft der deutsche Meister FC Bayern München, der Manchester United auschaltete, auf den FC Barcelona, der Real Madrid zweimal deutlich bezwang (6:2/6:0).
Wolfsburg von Beginn an unter Druck
Die VfL-Frauen sahen sich im Groupama Stadium zu Lyon von Beginn an wütend angreifenden Gastgeberinnen entgegen. Das Team von Coach Jonatan Giráldez um die vormalige Wolfsburgerin Jule Brand lief die Niedersächsinnen sehr hoch an, generierte so früh viele Ballgewinne und zog ein eindrucksvolles Power Play auf. Die "Wölfinnen" standen permanent unter Druck und fanden kaum einmal Lösungen, sich aus der Umklammerung des Serienmeisters zu befreien.
Bereits nach wenigen Sekunden hatte Korbin Shrader das 1:0 für die Französinnen auf dem Fuß. Der Schuss der US-Amerikanerin verfehlte das Ziel jedoch deutlich. Im Anschluss blieben klare Einschussmöglichkeiten der Favortitinnen zunächst aus, was für die konzentrierte Wolfsburger Abwehrarbeit sprach.
Dann aber verlor Camilla Küver im eigenen Strafraum den Ball an die umtriebige Kadidiatou Diani. Über Ada Hegerberg gelangte das Spielgerät zu Yohannes, die zu Lyons Führung traf. Allerdings profitierte die 18-Jährige davon, dass Janina Minge ihren Abschluss noch entscheidend abfälschte. So war Keeperin Stina Johannes machtlos.
Vfl-Frauen ohne Torabschluss im ersten Abschnitt
Der souveräne Tabellenführer der Première Ligue stürmte auch nach dem 1:0 unbeirrt weiter, als müsste er einen 0:5-Rückstand aufholen. Das Giráldez-Team spielte konsequent über die Flügel und schaffte es so immer wieder, die Fünfer-Abwehrkette des VfL auseinanderzureißen. Irgendwie schafften es die "Wölfinnen" aber immer wieder, die Angriffe entweder im letzten Moment zu unterbinden oder ein Bein zwischen die Abschlüsse der Französinnen zu bekommen.
Die Niedersächsinnen mussten leiden. Und sie taten es mit bemerkenswerter Tapferkeit. Eigene Offensivaktionen blieb der VfL seinen mitgereisten Fans vor der Pause schuldig.
Lineth Beerensteyn lief sich als einzige Spitze die Lunge aus dem Hals, konnte allein aber auch für keine Entlastung sorgen. Mit dem 0:1-Rückstand zur Pause war der Bundesligist in Anbetracht von 17:0-Torschüssen für Lyon noch sehr gut bedient.
Levels hat Ausgleich auf dem Fuß
Auch nach dem Seitenwechsel hatten Ausflüge der VfL-Frauen in die Hälfte Lyons absoluten Seltenheitswert. Die Gastgeberinnen waren es, die weiter Angriff um Angriff initiierten. Im Wolfsburger Strafraum trafen die Französinnen aber unverändert die falschen Entscheidungen.
Das eigene Unvermögen, die aufmerksame Schlussfrau Johannes und auch ein bisschen Abschlusspech ließen die Giráldez-Equipe mit fortwährender Spieldauer fast schon ein wenig verzweifeln. Und beinahe wäre der eigene Chancenwucher sogar noch zusätzlich mit dem Ausgleich bestraft worden: Denn nach einem der ganz wenigen Wolfsburger Konter tauchte Janou Levels plötzlich frei vor Keeperin Christiane Endler auf, scheiterte jedoch an der herausstürzenden Deutsch-Chilenin (78.).
Es blieb der einzige nennenswerte Torschuss der Niedersächsinnen vor Beginn der Verlängerung. Sich in diese gerettet zu haben, es war in Anbetracht des Spielverlaufs für den VfL schon ein Erfolg.
Doppelschlag lässt VfL-Träume platzen
In der Verlängerung hatten die Niedersächsinnen dann jedoch nichts mehr zuzusetzen. Zunächst hatte die Lerch-Elf zwar noch Fortune, dass Schiedsrichterin Marta Huerta De Aza einem Treffer von Marie-Antoinette Katoto wegen einer Abseitsstellung von Vorlagengeberin Vicki Becho die Anerkennung verwehrte (100.).
Bald darauf aber sorgten Dumornay und Egurrola mit einem Doppelschlag für die Entscheidung zugunsten Lyons. Beiden Treffern gingen Eckstöße voraus, die der VfL schlecht verteidigte.
Die Niedersächsinnen wehrten sich im zweiten Durchgang der Verlängerung noch einmal nach Kräften gegen das "Königsklassen"-Aus, waren aber nicht mehr imstande, die Französinnen vor Probleme zu stellen. Chawinga schickte den VfL kurz vor Ultimo nach einem Solo mit dem Tor zum 4:0 endgültig ins Tal der Tränen.