2. Bundesliga
Absteiger FC St. Pauli nun auch in 2. Liga im Tabellenkeller
Der Fehlstart von Fußball-Zweitligist FC St. Pauli ist perfekt. Der Bundesliga-Absteiger verlor am Sonntag sein Heimspiel gegen den 1. FC Kaiserslautern mit 1:2 (0:1). Die Hamburger befinden sich damit ligaübergreifend weiter im freien Fall.
Der bis dato letzte Sieg der Braun-Weißen in einem Pflichtspiel datiert, die Älteren werden sich erinnern, auf den 28. Februar dieses Jahres, damals ein 1:0 in der Bundesliga bei der TSG Hoffenheim. Seit mittlerweile über sechs Monaten warten die Fans der Kiezkicker auf einen Erfolg und beweisen anhand der Auftritte ihres Teams eine bemerkenswerte Geduld.
Nach den Remis gegen Fürth und Kiel in der Liga und dem blamablen Ausscheiden im Pokal bei Drittligist Essen wurden die Schwächen in der bisherigen Kaderplanung gegen die "Roten Teufel" einmal mehr offengelegt.
Wir müssen so weiterspielen und dürfen uns nicht beirren lassen von irgendwelchen Leuten, die alles schlechtreden. St. Paulis Trainer Marcel Rapp
Rapp: "Müssen Ergebnis und Leistung trennen"
"Heute muss man Ergebnis und Leistung trennen, denn die Leistung war total in Ordnung", sagte St. Paulis Coach Marcel Rapp. "Wir waren dominant und über 85 Minuten die klar bessere Mannschaft. Aber leider haben wir uns nicht belohnt." Seine Devise ist klar: "Wir müssen so weiterspielen und dürfen uns nicht beirren lassen von irgendwelchen Leuten, die alles schlechtreden."
Sieben Mal probiert, sieben Mal ist nichts passiert
In der ersten Hälfte mühten sich die Gastgeber gegen gut strukturierte Gäste nach Kräften, den Abwehrriegel der Pfälzer zu entzerren. Das einzige, was sich aus den Bemühungen jedoch als qualitative Torchance beziffern ließ, war ein Abschluss von Louis Oppie in der 17. Minute, den Kaiserslauterns Torhüter Julian Krahl parieren konnte. Die restlichen sechs "Möglichkeiten" der Hamburger, die seitens der Deutschen Fußball Liga (DFL) in ihren Statistiken als solche erhoben werden, hatten ihren Namen nicht verdient.
Die seit Sommer von Rapp trainierte Mannschaft präsentierte sich im ersten Durchgang in der Offensive größtenteils ideenlos. Stürmer Martijn Kaars wich immer wieder auf die Flügel aus, um mehr einbezogen zu werden. Branimir Hrgota versuchte vieles, scheiterte aber oft am fehlenden Spielverständnis seiner Mitspieler.
Kaiserslautern eiskalt
Und da die Gäste defensiv nicht viel auszustehen hatte, wurden sie mit zunehmender Spieldauer gefährlicher. In der 29. Minute erzielte Erencan Yardimci das 1:0 für den 1. FCK, ein Treffer, den er sich quasi selbst vorbereitete. Einem Flachschuss von Semih Sahin, der weit am Tor vorbei gegangen wäre, hechtete St. Paulis Torhüter Ben Voll hinterher. Der Ball landete aber statt im Toraus in den Beinen von Yardimci, der ihn gut mitnahm und am bereits am Boden liegenden Keeper vorbeischob. Die Führung der Gäste zur Pause war überraschend, aber aus Sicht der Norddeutschen auch symptomatisch.
Nackenschlag nach der Pause
Wer sich nach der Pause einen Sturmlauf der Braun-Weißen gewünscht hatte, wurde nach nicht mal 60 Sekunden enttäuscht. Der eingewechselte Thierry Tazemeta bestrafte eine Fehlerkette in der Defensive der Gastgeber mit dem 0:2. (46.). Nach eigenem Einwurf verloren die Hamburger den Ball, Marcus Mathisen und Mathias Rasmussen ließen sich düpieren und Torwart Voll beim Abschluss die Torwartecke offen. Er agierte erneut unglücklich.
Die Probleme in der neu strukturierten Defensive ziehen sich wie ein roter Faden durch die Saison der Hamburger. Weder der neu ernannte Kapitän David Nemeth noch Neuzugang Mathisen verliehen der Defensive bisher Struktur und Ordnung. Warum altgediente Spieler wie Adam Dzwigala oder Lars Ritzka unter Rapp überhaupt keine Chance erhalten, bleibt angesichts der bisherigen Abwehrleistungen das Geheimnis des Trainers.
Rapp reagierte auf den Rückstand personell und brachte für den überforderten Mathisen den wiedergenesenen Stürmer Abdoulie Ceesay, der das Vertrauen in ihn prompt zurückzahlte.
Joker Ceesay verkürzt
Der Gambier profitierte davon, dass Lauterns Fabian Kunze einen Pass von Hrgota ins Toraus trudeln lassen wollte, Taichi Hara jedoch dazwischen funkte und den Ball von der Linie kratzte und in den Fünfmeterraum schob. Dort lauerte Ceesay, der in der 56. Minute den 1:2-Anschluss herstellte.
St. Pauli drückte nun und wollte den Ausgleich, der ebenfalls eingewechselte australische WM-Teilnehmer Connor Metcalfe prüfte Krahl in der 67. Minute im Torwarteck. Zehn Minuten später zirkelte Hrgota einen Freistoß aufs Tor, erneut war Krahl im Gehäuse der Gäste mit einer Fußabwehr zur Stelle. Die letzte echte sich bietenden Chance auf den Ausgleich vergab Oppie in der 84. Minute mit einem Flachschuss, der knapp am Tor vorbei ging. So blieb es bei der verdienten Niederlage und dem Sieglos-Saisonstart, St. Pauli steht nach drei Partien auf Rang 16.
Am kommenden Freitag gastieren die Hamburger bei Arminia Bielefeld (18:30 Uhr, NDR Livecenter). In den bisherigen 16 Duellen auf der Bielefelder Alm gingen die Braun-Weißen lediglich dreimal als Sieger hervor. Ein gutes Omen für eine Trendwende ist etwas anderes.