DFB-Pokal

Mit Rekord und Herz gegen Dortmund: HEBC vor dem Spiel des Lebens

Stand: 01.09.2026 08:27 Uhr

Der Hamburg Eimsbütteler Ballspiel Club (HEBC) trifft bei seinem Debüt im DFB-Pokal heute Abend im Volksparkstadion des HSV vor über 40.000 Zuschauern auf Borussia Dortmund. Gelingt die Sensation, würde es für die Feierabend-Fußballer als Prämie kein Geld, sondern Speiseeis geben. Und auch sonst ist beim Fünftligisten vieles anders als anderswo.

von Hanno Bode

Am Freitagnachmittag hat der HEBC schon einmal probeweise einen Bus vor dem Tor geparkt. Drei Stunden vor der Oberliga-Partie gegen den SC Vorwärts-Wacker Billstedt postierte sich das Team bei einem Medientermin auf einem Grandplatz vor dem Fahrzeug, das die Hamburger Hochbahn dem Verein für die Anreise zum Duell mit dem BVB heute (20.45 Uhr, im Livecenter bei NDR.de) zur Verfügung stellt. Das Motto des Landespokalsiegers für die Partie gegen den Vizemeister stand dabei auf dem digitalen Zielanzeiger des Busses: "HEBC-Sonderfahrt. Spiel des Lebens."

"Eigentlich wollten wir ja mit Fahrrädern hinfahren", witzelte Liga-Manager Stilianos Vamvakidis im NDR Gespräch. Nun also geht es motorisiert die paar Kilometer vom heimischen Professor-Reinmüller-Platz in Eimsbüttel zum Volksparkstadion nach Bahrenfeld - um den Bus dort dann im übertragenen Sinne erneut vor dem Tor zu parken.

"Mal schauen, was vom Laster fällt"

Denn natürlich werden sich die Feierabend-Fußballer gegen den Champions-League-Teilnehmer am und im eigenen Strafraum verbarrikadieren und darauf hoffen, so lange wie möglich die Null zu halten. "Wir wollen möglichst viel von dem, was wir können, auf den Platz bringen und das Stadion vielleicht ein-, zweimal zum Raunen bringen. Und dann schauen wir mal, was vom Laster fällt", sagte Trainer Philipp Obloch. Auch Vamvakidis betonte: "Für uns geht es in erster Linie darum, das Spiel zu genießen und alles aufzusaugen. Wir wissen nicht, was uns erwartet, deswegen lösen wir uns erstmal komplett vom Ergebnis."

Ein gebrandeten Hochbahn-Bus und die Mannschaft des HEBC.

Der Hamburg Eimsbütteler Ballspiel Club spielt am 1. September im Volksparkstadion gegen Borussia Dortmund. Die farbliche Unterstützung gibt es bereits jetzt.

Liga-Manager Vamvakidis fast 40 Jahre im Verein

Vamvakidis, der das Amt des Liga-Managers gemeinsam mit dem langjährigen Spieler Eduardo Avarello ausführt, verkörpert den HEBC wie kaum ein anderer. In wenigen Monaten feiert der zweifache Familienvater seine 40-jährige Vereinszugehörigkeit. Ein Leben ohne den Club, bei dem der Grieche einst als Spieler begann und später schon so ziemlich jede Position ausfüllte? Für den 53-Jährigen undenkbar.

Stilianos Vamvakidis, Liga-Manager des Hamburger Fußball-Oberligisten HEBC
Liga-Manager Stilianos Vamvakidis hat beim HEBC schon fast alle Positionen ausgefüllt.

"Für mich ist der Verein schon Familie geworden. Ich habe hier meine besten Freunde gefunden, habe hier mein Hobby ausüben dürfen, bin hier immer weiter reingewachsen. Es ist halt ein Verein mit sehr viel Herz, sehr viel Leidenschaft - das passt zu mir", sagte Vamvakidis.

Ein Clubheim als Sinnbild für die Vereins-DNA

In den nun fast vier Jahrzehnten seiner HEBC-Mitgliedschaft hat sich die Welt verändert. Beim 1911 gegründeten Club scheint die Zeit dagegen ein bisschen stehengeblieben zu sein. Der einst gefürchtete Grandplatz ist zwar vor 13 Jahren einem Kunstrasenplatz gewichen. Doch das direkt am "Reinmüller", wie die HEBCler ihre Anlage liebevoll nennen, gelegene Clubheim ist noch ein Überbleibsel aus den Anfangsjahren des Vereins - und seit langer Zeit sanierungsbedürftig.

Mit seinem morbiden Charme weckt das bunt angestrichene Bauwerk zwar die Neugierde von Außenstehenden. Doch die ersten Schritte in das Clubheim, in dem der Putz an einigen Stellen buchstäblich von der Decke fällt, können für neue Besucher irritierend sein.

Aber um die DNA des HEBC zu ergründen, kann ein Gang durch die Räumlichkeiten helfen. Denn nur so ist zu verstehen, warum der Club für so viele Menschen viel mehr als ein Sportverein ist. Ein Lebensgefühl.

Die Oberliga-Fußballer des HEBC bejubeln den Sieg im Hamburger Landespokal

Der Hamburger Landespokalsieger zieht für das Erstrundenspiel gegen den Vizemeister ins HSV-Stadion um - und darf auf eine große Kulisse hoffen.

Für die Liga-Mannschaft geht es dabei sofort nach dem Betreten des Clubheims in den Keller. Dort hat sie ihre Umkleidekabine. In dieser zeugen unzählige Fotos über den Kleiderhaken von großem Teamgeist. "Die Mannschaft ist eine Gemeinschaft. Jedes Bild hier zeugt von irgendeiner Geschichte", erklärte Kapitän Janek Wrede. Für den 33-Jährigen macht das herzliche Miteinander den Charme des HEBC aus. "Und der Schimmel", witzelte der Innenverteidiger mit Blick auf den Duschraum, der wahrlich nichts für Zartbesaitete ist.

Werner Wartenberger, Betreuer des Hamburger Fußball-Oberligisten HEBC
Betreuer Werner Wartenberger ist die gute Seele des Liga-Teams.

Auch Coach Obloch hat im Keller einen winzig kleinen Trainer-Raum. Dazu gibt es noch zwei Materialräume. Sie sind auch das Reich von Werner Wartenberger. Der 63-Jährige ist offiziell Betreuer, kümmert sich aber eigentlich um alles. "Er ist einfach unbezahlbar", sagt Vamvakidis über den gebürtigen Bolivianer, der in seiner Heimat als Steppke einst bei einem Gastspiel des FC Santos Einlaufkind von Brasiliens Fußball-Legende Pelé war.

Laufen, das macht Wartenberger noch immer. Und zwar bei jeder Trainingseinheit des Liga-Teams um den Platz. Und immer mit einem Lächeln im Gesicht. Der HEBC, so die gute Seele des Landespokalsiegers, sei für ihn eine "riesengroße Familie."

Hamburgs einzige BVB-Kneipe liegt fast am HEBC-Platz

Und nun stehen Wartenberger und Co. vor dem größten "Familienausflug" der Vereinsgeschichte. Der erstmalige Sieg im Landespokal hat dem Underdog gleich das Traumlos Borussia Dortmund beschert. Die Auslosung zu den Erstrundenspielen hatten Team und Fans am 6. Juni gemeinsam im Clubheim verfolgt - und ihre Freude über den BVB als Gegner laut kundgetan.

"Wir haben die bis hierher grölen gehört", berichtete Wirt Micha aus dem "1&Dreißig" in der Fruchtallee dem NDR. Es ist die einzige BVB-Fankneipe in Hamburg. Und sie liegt nur ein paar Minuten vom HEBC-Clubheim entfernt. "Die Dortmund-Anhänger, die am Dienstag nicht ins Stadion gehen, kommen hierher", so der Wirt.

Rekord: Schon über 40.000 Eintrittskarten verkauft

Doch die meisten Hamburger BVB-Fans werden sich wohl auf den Weg ins Volksparkstadion machen. Stand Montagmittag waren mehr als 41.600 Eintrittskarten verkauft - Rekord für eine Erstrundenpartie mit Beteiligung eines Fünftligisten. Schon bei 17.000 verkauften Tickets hatte der HEBC die Kosten für die Anmietung der Arena gedeckt.

Nun bleibt neben den 228.189 Euro für die Erstunden-Teilnahme auch noch aus den Eintrittsgeldern ordentlich was übrig für den Amateurverein, der die Organisation der Partie in die Hände des HSV gegeben hat. "Die Zusammenarbeit verläuft überragend", so Vamvakidis.

Sicher auch, weil in Wrede (Scouting) und Robert Schick (Teammanger) zwei HEBC-Spieler beim HSV angestellt sind. Da waren die Kommunikationswege naturgemäß kürzer. Bezahlen lässt sich der Bundesligist die Organisation des Spiels aber natürlich trotzdem. Wie viel Geld am Ende für den Amateurclub übrig bleibt, lässt sich noch nicht exakt beziffern.

HEBC will Pokal-Geld in Infrastruktur stecken

"Die Einnahmen sind natürlich ein positiver Nebeneffekt. Allerdings werden wir dieses Geld nicht in Beine investieren, sondern versuchen, unsere Infrastruktur zu verbessern", berichtete Vamvakidis. Der im kommenden Jahr angedachte Bau eines neuen Clubheims sowie die Umwandlung vom zweiten Platz des Vereins von einem Grand- in einen Kunstrasenplatz sollen durch die Einnahmen finanziert werden.

Duschraum des Hamburger Fußball-Oberligisten HEBC im baufälligen Clubheim
Die Kabinen und der Duschraum im Clubheim des HEBC sind stark sanierungsbedürftig. Im kommenden Jahr soll neu gebaut werden.

Und die Spieler? Sie schauen in die Röhre. Beziehungsweise in die Kühltruhe. Denn ihnen winkt selbst im Falle einer Sensation als Prämie nur eine kühle Kostbarkeit. Schon für den Sieg im Landespokal hatte Präsident Konstantin Zimmermann ein Speiseeis springen lassen. "Und jetzt würde es für einen Sieg zwei Eis geben", scherzte Vamvakidis.

Ganz so knausrig sind die HEBC-Offiziellen allerdings doch nicht. "Wir machen nach dem Spiel eine kleine Feier mit Freunden und Familien im Stadion", verriet der Liga-Manager.

Statt Geld gibt es beim HEBC "viel, viel Herz"

Des schnöden Mammons wegen ist ohnehin kein Spieler beim HEBC. Geld gibt es nämlich - anders als bei den meisten Hamburger Oberligisten - beim Eimsbütteler Verein nicht. Der Club zahlt in einer anderen Währung. "Leidenschaft, Familie und viel, viel Herz", sind für Vamvakidis die Attribute, die den HEBC ausmachen.

Das daraus entstandene Zusammengehörigkeitsgefühl hat den Landespokal-Sieg erst möglich gemacht. Dem größten Erfolg in der Vereinsgeschichte folgt nun das größte Spiel in der Clubhistorie.

"Viele von uns können nach dem Spiel einen Haken hinter ihre Karriere setzen und sagen, das reicht, weil das schon was Unglaubliches ist. Das Ergebnis ist da unwichtig. Wir werden es einfach genießen und hoffen natürlich, dass wir uns gut verkaufen werden", sagte Semir Demirovic.

Coach Obloch und die Kader-Frage: "Schon heftig"

Der 26-Jährige ist der Bruder des bosnischen Nationalspielers Ermedin Demirovic (VfB Stuttgart) und dürfte seinen Kaderplatz für das "größte Spiel für uns" wohl sicher haben. Doch einigen Akteuren wird Coach Obloch mitteilen müssen, dass sie nicht zum Aufgebot gehören. Denn nur 20 Kicker dürfen auf dem Spielberichtsbogen stehen.

"Fünf, sechs Jungs enttäuschen zu müssen, das ist schon heftig", gab Obloch zu. Das "Spiel des Lebens", für einige Landespokal-Helden des HEBC wird es einen faden Beigeschmack haben.

Zu ihnen zählt - allerdings verletzungsbedingt - Bastian Stech. So sehr dies den Innenverteidiger auch schmerzt, er ist auch in dieser schweren Stunde ganz Teamplayer. "Ich versuche natürlich trotzdem, meine Jungs anzufeuern", kündigte der 29-Jährige an. Typisch HEBC halt.

Fans des HEBC feuern ihre Mannschaft auf einer Tribüne an.

Die Lila-Weißen aus Eimsbüttel setzten sich mit 5:1 gegen SC Vorwärts Wacker 04 durch und sind das erste Mal im DFB-Pokal dabei.

Spielstene Vorwärts Wacker - HEBC

Premiere im Hamburger Pokal: Zum ersten Mal sichert sich der HEBC den Titel. Das Finale gegen Vorwärts Wacker und die Siegerehrung.

Dieses Thema im Programm:

NDR Fernsehen | Hamburg Journal | 30.08.2026 | 19:30 Uhr

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