Niedersachsens Wattenmeer: Weltnaturerbe an der Nordsee
Von Borkum bis zur Elbmündung bei Cuxhaven erstreckt sich der Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer. Das einzigartige Ökosystem zählt zum UNESCO-Weltnaturerbe. Doch der Schutzstatus ist in Gefahr.
Der Nationalpark umfasst neben den Wattflächen der Nordsee auch angrenzende Gebiete, etwa die Salzwiesen oder die Dünenzonen auf den Ostfriesischen Inseln. In dem weltweit einzigartigen Naturraum leben zahlreiche seltene Tiere und Pflanzen - vom winzigen Krebs bis hin zum Seehund oder Schweinswal.
Auf der Spur der "Small Five" im Wattenmeer
Der stete Wechsel von Ebbe und Flut prägt den einzigartigen Lebensraum, der als UNESCO-Weltnaturerbe unter Schutz steht. Bei Wattwanderungen kann man ihn näher kennenlernen. Dabei begegnet man auch den "Small Five", fünf typischen kleinen Tierarten des Wattenmeers: dem Wattwurm, der Herzmuschel, der Wattschnecke, der Strandkrabbe und der Nordseegarnele.
Mit dem Schiff zu den Seehunden
Um die "Big Five" des Wattenmeers zu erleben - Seehund, Kegelrobbe, Schweinswal, Seeadler und Stör - benötigt man hingegen etwas Glück. Zumindest die Seehunde lassen sich meist bei Schiffsausflügen zu ihren Ruheplätzen auf Sandbänken bei Borkum, Langeoog oder Baltrum beobachten.
Noch näher kommt man den Tieren in der Seehundstation Norddeich. Dort werden verwaiste Seehundbabys aufgepäppelt und später ausgewildert. Besucher können sie durch große Glasscheiben beobachten.
Whale Watching im Jadebusen
Gute Chancen, Schweinswale zu Gesicht zu bekommen, haben Urlauber bei speziellen Whale-Watching-Touren an den Wilhemshavener Schweinswaltagen im April/Mai. Zu dieser Jahreszeit sind die Meeressäuger auf ihrer Nahrungssuche an den Küsten nahe der Marinestadt und im Jadebusen unterwegs.
Vogelkundliche Exkursionen
Die artenreiche Vogelwelt kann man auf Exkursionen entlang der niedersächsischen Küste und auf den Ostfriesischen Inseln kennenlernen. Mehr als 400 Vogelarten sind im Wattenmeer anzutreffen. Dazu zählen etwa Austernfischer, Alpenstrandläufer, Säbelschnäbel und weitere Seevögel, die das ganze Jahr über zu beobachten sind.
Rastplatz für Millionen von Zugvögeln
Andere sind nur im Frühjahr und Herbst zu Gast: Millionen von Zugvögeln rasten regelmäßig in den nahrungsreichen Wattenmeergebieten, um sich dort Energie für den Weiterflug anzufressen. Dem eindrucksvollen Schauspiel der ziehenden Vögel widmen sich die alljährlichen Zugvogeltage. Auf geführten Spaziergängen, Bus- und Radtouren sowie Schiffstörns kommt man den Tieren näher.
Den Nationalpark mit dem Rad entdecken
Die Landseite des Nationalparks mit seinen Salzwiesen, Dünen und Deichen lässt sich sehr gut mit dem Fahrrad erkunden - ideal dafür ist der Nordseeküstenradweg. Er führt über weite Strecken direkt an der Küste entlang und bietet immer wieder eindrucksvolle Ausblicke auf das Wattenmeer.
Nationalpark-Zentren an der Küste und auf den Inseln
Organisiert werden die Veranstaltungen, Führungen und Ausflüge von den 14 Nationalpark-Häusern unter anderem in Fedderwardersiel, Dangast, Greetsiel, auf Wangerooge und Juist sowie den drei Besucherzentren in Cuxhaven, Wilhelmshaven und auf Norderney. In ihren Ausstellungen informieren die Häuser über die einzigartige Tier- und Pflanzenwelt des Schutzgebiets, aber auch über aktuelle Konflikte rund um den Park.
Wattenmeer im Fokus gegensätzlicher Interessen
Denn bereits seit seiner Gründung 1986 steht der Nationalpark im Fokus der teils gegensätzlichen Interessen von Umweltschutz, Tourismus, Energieunternehmen und maritimer Wirtschaft. Umweltschutzverbände beklagen unter anderem die Krabben- und Muschelfischerei im Schutzgebiet, den starken Schiffsverkehr, aber auch die Auswirkungen des Kitesurfens.
Problematisch ist zudem der Ausbau der Offshore-Windparks, insbesondere durch das Verlegen der Kabel im Wattboden. Die Befürchtung, dass die Anlagen Meeressäuger wie den Schweinswal gefährden könnten, scheint sich dagegen einer neueren Studie zufolge nicht zu bestätigen - im Gegenteil: Die Tiere nutzen die Parks als Rückzugsorte.
Gasbohrungen und LNG-Terminals: UNESCO-Welterbe in Gefahr
Als besonders riskant für die sensiblen Naturräume gelten neben den LNG-Terminals, mit denen Flüssiggas angelandet wird, die Gasbohrungen vor Borkum. Auch die Überlegungen, im Meeresboden CO2 zu verpressen, sehen Umweltschutzverbände kritisch. Wegen der zahlreichen Wirtschafts-Projekte, die zu Lasten der Umwelt vorangetrieben werden, prüft die UNESCO derzeit, ob das Wattenmeer seinen Welterbe-Status verliert.
Nationalpark und UNESCO-Weltnaturerbe
Der Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer erstreckt sich auf 3.450 Quadratkilometern und ist damit nach dem schleswig-holsteinischen Wattenmeer der zweitgrößte Nationalpark Deutschlands. Rund 95 Prozent der Schutzflächen bestehen aus Wasser- oder Wattflächen, 69 Prozent zählen zum Bereich der streng geschützten Kernzone. Gemeinsam mit den Wattenmeergebieten in Hamburg, Schleswig-Holstein sowie den Niederlanden und Dänemark bildet es das größte zusammenhängende Wattsystem der Welt und steht unter dem besonderen Schutz der UNESCO.
Regeln im Wattenmeer
Das Nationalparkgesetz begrenzt auch die Nutzung des Schutzgebietes. Besucher sollten diese Grundregeln einhalten:
- Alles, was in den Park mitgenommen wird, auch wieder mit herausnehmen.
- Hunde immer an der Leine halten.
- Drohnenflüge sind im Nationalpark verboten
- Keine Lenkdrachen steigen lassen.
- Hinweise auf besonders geschützte Flächen ernst nehmen.
- Markierte Wege in den Ruhezonen nicht verlassen.