Umfrage zur Wahl in MV: Uneinigkeit beim Thema Windkraft
Kostenlose Kita, konsequentere Abschiebungen: Die Community von #NDRfragt ist sich bei vielen Themen zur Landtagswahl in MV einig. Doch wie nah sind die Meinungen der Kandidierenden an der Community?
Vor allem Klimaschutz und die Erhaltung unserer natürlichen Lebensgrundlagen müssen stärker gefördert werden. Mecklenburg-Vorpommern hat hier enorme Chancen, insbesondere bei Wind- und Solarenergie. Björn, 55, aus Rostock
Björn ist einer von mehr als 3.000 #NDRfragt-Mitgliedern aus Mecklenburg-Vorpommern, die am "Wahl-Navi" teilgenommen haben. Beim Wahl-Navi wurden acht Statements zu aktuellen Wahlkampfthemen der Community vorgelegt und zusätzlich von 201 Politikerinnen und Politikern beantwortet, die bei der Landtagswahl am 20. September kandidieren: zur Zukunft der Kita, zu konsequenteren Abschiebungen, zum Handyverbot an Schulen, zum Erhalt der Förderschulen, zu Tariflohn bei öffentlichen Aufträgen, zu mehr Videoüberwachung, zur Mietpreisbremse und zum Ausbau der Windkraft. So lässt sich vergleichen, wo Community und Kandidierende ähnlich denken, und wo ihre Positionen auseinandergehen.
Alle Ergebnisse der nicht repräsentativen, aber gewichteten #NDRfragt-Befragung gibt es hier. Die Antworten der Kandidierenden können hier eingesehen werden.
Geteilte Meinungen beim Ausbau der Windkraft
So wie Björn sehen es längst nicht alle aus der Community: 54 Prozent befürworten einen weiteren Ausbau von Windkraftanlagen in Mecklenburg-Vorpommern, 46 Prozent lehnen ihn ab (Mittelwert: 3,6).
Was bedeutet der Mittelwert?
Die Befragten konnten jedes Statement auf einer Skala von 1 ("Stimme überhaupt nicht zu") bis 6 ("Stimme voll und ganz zu") bewerten. Der Mittelwert fasst alle Antworten zusammen: Je höher er ist, desto größer ist die durchschnittliche Zustimmung. Die Mitte der Skala liegt bei 3,5. Bei den Mittelwerten der Kandidierenden werden nur Parteien berücksichtigt, von denen mindestens zehn ausgefüllte Fragebögen vorliegen. In den folgenden Grafiken zeigt ein grauer Balken zusätzlich die Streuung der Antworten innerhalb einer Partei, die sogenannte Standardabweichung: Ist er kürzer, haben die Kandidierenden einer Partei ähnlich geantwortet, ist er länger, gehen ihre Meinungen zu diesem Thema weiter auseinander.
Eric, 60, aus Nordwestmecklenburg gehört zu den Kritikern und verweist insbesondere auf strukturelle Herausforderungen: "Solange der Netzausbau dem Ausbau der Windkraftwerke hinterherhinkt, würde ich den Ausbau von Windenergie eher verhindern. Außerdem müssten die betroffenen Anwohner vor Ort deutlich stärker von diesen Anlagen profitieren."
Bei den befragten Kandidierenden zeigen sich große Unterschiede zwischen den Parteien. Die Kandidierenden der CDU liegen mit ihren Antworten am nächsten an der Community. Auch die FDP weist nur einen geringen Abstand auf. Am weitesten entfernt liegen die Kandidierenden der AfD, die einen schnelleren Ausbau der Windkraft deutlich ablehnen.
Große Einigkeit bei Bildungsthemen
Bei zwei Bildungsthemen zeigt sich in der #NDRfragt-Community eine besonders klare Haltung: 81 Prozent sprechen sich für ein Handyverbot an Schulen und in Klassenzimmern aus. 86 Prozent wollen, dass Förderschulen in Mecklenburg-Vorpommern erhalten bleiben. Viele sprechen sich dafür aus, mehr Geld für die Ausstattung und Sanierung von Schulen, für Lehrkräfte, Digitalisierung und Freizeitangebote für Kinder und Jugendliche auszugeben.
Auch beim Erhalt der Förderschulen sind die Unterschiede zwischen den Parteien groß. Den geringsten Abstand zur Community haben hier die befragten Kandidierenden der FDP. Am weitesten entfernt liegen die Kandidierenden der Linken. Beim Handyverbot liegen die befragten Kandidierenden der AfD am nächsten an der Community. Den größten Abstand gibt es bei den Kandidierenden der Linken.
Mehrheit für konsequentere Abschiebungen in Mecklenburg-Vorpommern
Auch beim Thema Migration zeigt sich eine klare Mehrheit. 76 Prozent der Befragten sprechen sich dafür aus, Menschen ohne Bleiberecht konsequenter abzuschieben. 23 Prozent lehnen das ab.
Dabei gibt es unterschiedliche Tendenzen bei jüngeren und älteren Menschen: Von den Befragten über 40 Jahren stimmen 85 Prozent der Aussage zu, bei den unter 40-Jährigen sind es 62 Prozent. Für Menschen, die ein Bleiberecht haben, wünschen sich viele Befragte zugleich eine bessere Integration.
Bei den befragten Kandidierenden gehen die Positionen weit auseinander. Den geringsten Abstand zur Community haben die Kandidierenden der SPD. Die größte Differenz zeigt sich bei den Kandidierenden der Linken, die konsequentere Abschiebungen deutlich ablehnen.
Große Mehrheit für Tariflohn bei öffentlichen Aufträgen
Auch bei der Vergabe öffentlicher Aufträge gibt es eine klare Mehrheitsmeinung in der #NDRfragt-Community: 84 Prozent der Befragten finden, dass Aufträge des Landes nur an Unternehmen gehen sollten, die Tariflöhne oder vergleichbare Löhne zahlen. 16 Prozent lehnen das ab.
Auch bei diesem Thema zeigen sich bei den befragten Kandidierenden deutliche Abweichungen. Den geringsten Abstand zur Community haben die Kandidierenden der Grünen. Am weitesten entfernt liegen die Kandidierenden der AfD.
Klare Mehrheit für mehr Videoüberwachung
Beim Thema Videoüberwachung zeigt sich eine klare Mehrheit: 77 Prozent der befragten #NDRfragt-Community sprechen sich dafür aus, die Videoüberwachung an öffentlichen Plätzen in Mecklenburg-Vorpommern auszubauen.
Ein Beispiel ist der Schweriner Marienplatz, der von der Polizei bereits per Video überwacht wird. Auch in anderen Städten wie Demmin und Stralsund wird über einen Ausbau der Videoüberwachung diskutiert. Befürworter erhoffen sich davon mehr Sicherheit und eine bessere Bekämpfung von Kriminalität.
Bei den befragten Kandidierenden unterscheiden sich die Positionen deutlich. Die Kandidierenden der AfD liegen mit ihren Antworten genau auf dem Mittelwert der Community. Den größten Abstand weisen die Kandidierenden der Linken auf, die einen Ausbau der Videoüberwachung ablehnen.
Klare Mehrheit gegen die Abschaffung der Mietpreisbremse
Seit mehreren Jahren gilt die Mietpreisbremse in Rostock und Greifswald. Im Februar 2026 beschloss die Landesregierung, sie auf weitere Küstenorte wie Binz, Heringsdorf und Kühlungsborn auszuweiten. Bei neuen Mietverträgen darf die Miete dort höchstens zehn Prozent über der ortsüblichen Vergleichsmiete liegen. Über die Wirksamkeit der Mietpreisbremse wird allerdings kontrovers diskutiert. Kritiker befürchten unter anderem, dass sie Investitionen in den Wohnungsbau bremsen könnte.
Die #NDRfragt-Community spricht sich deutlich dafür aus, die Mietpreisbremse beizubehalten: 79 Prozent lehnen ihre Abschaffung ab, 20 Prozent sind dafür. "Wir brauchen mehr bezahlbaren, barrierefreien Wohnraum, außerdem die Einführung der Mietpreisbremse für komplett Mecklenburg-Vorpommern und, wo nötig, eine verpflichtende Vermietung von leer stehenden Wohnungen nach sechs Monaten Leerstand zu bezahlbaren Preisen", findet zum Beispiel Angela, 70, aus Rostock.
Auch zwischen den befragten Kandidierenden gibt es große Unterschiede. Die Kandidierenden der FDP stimmen einer Abschaffung der Mietpreisbremse am stärksten zu und liegen damit am weitesten von der Community entfernt. Den geringsten Abstand zur Community haben die Kandidierenden der Grünen.
Mehrheit will kostenlose Kinderbetreuung beibehalten
Seit 2020 sind Krippe, Kindergarten und Hort in Mecklenburg-Vorpommern für Eltern beitragsfrei. Mehr als zwei Drittel der befragten Community-Mitglieder wollen, dass das so bleibt. Auch Nils, 37, aus Rostock, spricht sich für eine kostenlose Kinderbetreuung aus. Seiner Meinung nach sollte künftig sogar mehr Geld in diesen Bereich fließen: "Die finanzielle Ausstattung in den Bereichen Erziehung und Bildung muss gesteigert werden. Da die Gruppe der Kinder und Jugendlichen sukzessive kleiner wird, ist es hoch bedeutsam, diese Gruppe mit qualitativ guten Bildungsangeboten in den Arbeitsmarkt zu überführen."
Bei den befragten Kandidierenden gehen die Positionen zur kostenfreien Kita deutlich auseinander. SPD und Die Linke sprechen sich geschlossen dafür aus, dass Krippe, Kita und Hort kostenlos bleiben. Den geringsten Abstand zur Community haben die befragten Kandidierenden der CDU.
Welche Partei ist der Community insgesamt am nächsten?
Über alle acht Statements hinweg haben die befragten Kandidierenden der CDU im Durchschnitt den geringsten Abstand zur #NDRfragt-Community. Dahinter folgen SPD und FDP, dicht gefolgt von der AfD und den Grünen. Den größten Abstand weisen die Kandidierenden der Linken auf.
Dafür wurde bei jedem der acht Statements berechnet, wie weit der jeweilige Partei-Mittelwert vom Mittelwert der Community entfernt ist. Aus diesen acht Abständen wurde anschließend ein Durchschnitt gebildet.
Das bedeutet allerdings nicht, dass die CDU bei jedem Thema am nächsten an der Community liegt. Welche Partei den geringsten Abstand hat, wechselt von Statement zu Statement: Bei der Windkraft ist es beispielsweise die CDU, bei der Videoüberwachung die AfD und bei der Mietpreisbremse sind es die Grünen. Der Gesamtwert fasst lediglich die acht untersuchten Themen zusammen.
Wer selbst nachsehen möchte, wie die Kandidierenden vor Ort geantwortet haben, findet alle Antworten im Wahl-Navi zu den Kandidierenden-Positionen.
Das Wahl-Navi mit Stimmen von #NDRfragt
Für das Wahl-Navi wurden #NDRfragt-Mitglieder aus Mecklenburg-Vorpommern gebeten, acht politische Statements zu bewerten. Dieselben Statements wurden Politikerinnen und Politikern vorgelegt, die bei der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern kandidieren.
Die Befragung der Kandidierenden lief vom 3. bis zum 12. August 2026. Nach der Bereinigung der Daten gingen die Antworten von 201 Kandidierenden in die Auswertung ein. Die #NDRfragt-Befragung lief vom 13. bis zum 17. August 2026. Daran beteiligten sich 3.186 Menschen aus Mecklenburg-Vorpommern.
Beide Gruppen bewerteten die Aussagen auf einer sechsstufigen Skala von 1 ("Stimme überhaupt nicht zu") bis 6 ("Stimme voll und ganz zu"). Je höher der Mittelwert, desto stärker war damit die durchschnittliche Zustimmung zu einem Statement.
Die Ergebnisse der #NDRfragt-Befragung wurden für den Vergleich nach Alter, Geschlecht, Schulabschluss und Familienstand gewichtet. Die Antworten der Kandidierenden wurden nicht gewichtet. Die Mittelwerte der Parteien ergeben sich aus den Antworten der jeweils teilnehmenden Kandidierenden einer Partei. Nicht beantwortete Statements gingen nicht in die Berechnung des jeweiligen Mittelwerts ein.
Bei den Parteienvergleichen werden nur Parteien berücksichtigt, von denen mindestens zehn Kandidierende an der Befragung teilgenommen haben. Das sind AfD (33), CDU (25), Die Linke (29), FDP (19), Die Grünen (22) und SPD (26). Die Ergebnisse bilden damit nicht die offiziellen Positionen der Parteien ab, sondern ausschließlich die Antworten der Kandidierenden dieser Parteien, die an der Befragung teilgenommen haben.