Wacken Open Air: Wie groß das Festival wirklich ist
Das Wacken Open Air (WOA): 1990 als kleines Konzert in der Kieskuhle gestartet, zählt es heute zu den größten Metal-Festivals weltweit. Eine Auswertung von Satellitenbildern zeigt die Größe des Festivals.
Schwarze T-Shirts, Kutten und Gummistiefel bestimmen jeden Sommer das Bild in Wacken bei Itzehoe. Statt auf einem entlegenen Gelände wächst das Wacken Open Air seit Jahrzehnten direkt am Rand einer kleinen Gemeinde und verwandelt sie für eine Woche in ein Festivaldorf.
Für die rund 2.000 Einwohnerinnen und Einwohner von Wacken ist das inzwischen Routine: Seit 1990 kehrt das Festival - abgesehen von zwei coronabedingten Absagen - jedes Jahr zurück. Und jedes Mal wächst Wacken für ein paar Tage auf die Größe einer mittelgroßen Stadt heran.
Seit dem Neustart nach der Corona-Pandemie werden jedes Jahr rund 85.000 Gäste erwartet. Etwa 200 Bands treten an sechs Tagen auf insgesamt zehn Bühnen auf. Das WOA ist - neben dem Hurricane-Festival in Scheeßel - das größte Open Air in Norddeutschland.
Wacken: Anfänge in der Kieskuhle
Angefangen hat das Festival woanders und ganz klein: Beim ersten Wacken Open Air 1990 spielten sechs Bands vor rund 800 Besucherinnen und Besuchern in der Kieskuhle von Wacken. Bereits zwei Jahre später kamen 3.500 Menschen, 1996 waren es 8.000.
Mit dem Umzug auf ein größeres Gelände am nördlichen Ortsrand setzte sich das Wachstum fort: 1998 besuchten rund 20.000 Fans das Festival, neun Jahre später waren es bereits dreimal so viele.
Die Veranstaltungsfläche hat sich seit den Anfängen in der Kieskuhle auf das 15‑Fache vergrößert. Dem Publikum steht damit heute ein Festivalgelände mit circa 300.000 m² zur Verfügung, etwa 42 Fußballfelder.
Camping, Backstage, Logistik: Immer mehr Fläche für Wacken Open Air
Deutlich größer als die Bereiche der Bühnen ist jedoch die gesamte Infrastruktur des Festivals: Einschließlich Campingplätzen, Backstage-Bereichen sowie Flächen für Sicherheit und Logistik erstreckte sich das WOA zuletzt über rund 4,2 Millionen Quadratmeter. Das entspricht etwa 600 Fußballfeldern.
Auffällig ist bei der Entwicklung der Gesamtfläche: Seit 2010 hat sich diese etwa verdoppelt, während die Zahl der Tickets im gleichen Zeitraum nur um gut 13 Prozent gestiegen ist.
Vergrößert der Veranstalter das Festivalgelände, betrifft das auch die Flächen drumherum. Der Campingplatz rückt weiter weg. Ein größeres Gelände bedeutet in der Regel auch mehr Angebot und mehr Personal - und damit zusätzlichen Platzbedarf für Unterkünfte.
Auch der Anstieg des Kontingents an Wacken-Tickets der vergangenen Jahre erhöht den Bedarf an Campingflächen. Seit 2010 ist die Zahl der Tickets um etwas mehr als 13 Prozent gestiegen.
Neue Festival-Angebote erfordern mehr Platz
Hinzu kommen zahlreiche Glamping-Angebote, die in den letzten Jahren ausgebaut wurden. Bei diesen Upgrades zahlen Besucherinnen und Besucher für mehr Platz und Komfort beim Camping, oft mit kürzeren Wegen zu den Bühnen. Diese Angebote benötigen zusätzliche Fläche.
Dass sich die Gesamtfläche des Wacken Open Air allein dadurch verdoppelt hat, erscheint jedoch fraglich. Eine NDR-Anfrage nach den Gründen des Wachstums ließ der Veranstalter unbeantwortet.
Ist Wacken immer noch Wacken?
Wie verändert sich ein Festival, durch so ein Wachstum? Kann Wacken nach Jahrzehnten noch die gleichen Fans erreichen? Ja, sagt ein Künstler aus Lübeck, der sich Howie Metyourmother nennt. Seine Illustrationen prägten vor einigen Jahren auf Wacken-Merchandise. Sein erstes Wacken ist 33 Jahre her. Heute ist er aber wieder wie 1993 als Gast auf dem WOA.
Auf das Wachstum angesprochen sagt er: "Wacken ist nicht nur ein Festival, sondern ein Lebensgefühl. Es ist immer noch Wacken, zwar ein bisschen teurer und ein bisschen größer, aber dafür internationaler", sagt der 55-Jährige. Wie lange sich dieses Wachstum noch fortsetzen lässt, ist offen. Für die Fans zählt vorerst: Wacken ist immer noch Wacken, nur der Maßstab ist ein anderer.