Preise beim Wacken Open Air: So haben sich die Kosten entwickelt
Vom Nischen-Event zum Riesen-Festival: Was in den 1990ern mit günstigen Eintrittskarten begann, kostet heute dreistellige Summen. Die Preise für das Wacken Open Air Festival 2026 im Überblick.
85.000 Tickets gab es für das W:O:A 2025 zu kaufen - alle waren bereits Ende September 2024 verkauft. In diesem Jahr meldeten die Veranstalter vom Wacken Open Air erst wenige Tage vor Beginn des Festivals, dass alle Tickets verkauft seien.
Fast 30 Millionen Euro für 85.000 Wacken-Tickets
Die Fans haben insgesamt für die 85.000 die Tickets fast 30 Millionen Euro bezahlt - und die Festivalbetreiber verdienen zusätzlich an Merch, Getränken, VIP-Upgrades und mehr. Wie genau das Geld ausgegeben wird und wie groß der Gewinn ist, ist nicht bekannt. Ein großer Teil fließt vermutlich auch an die Bands. Dazu kommen Ausgaben für die Infrastruktur, Technik und Personal. So oder so: Für Fans wird Wacken alle paar Jahre teurer.
Bier- und Ticketpreise waren schon immer ein Anlass zum Meckern
Deshalb sind die Preise ein Thema - fast so lange, wie es das Wacken Open Air gibt. Besonders beliebt ist der Streit über das Bier auf dem Festival: Bereits 2002 mussten die Veranstalter ihre "exorbitanten" Bierpreise von drei Euro pro Becher verteidigen. Dass der Preis inzwischen auf über sechs Euro gestiegen ist, hat vermutlich einige Fans verprellt. Deutlich mehr Fans dürften allerdings bei den Ticketpreisen ächzen: Denn die sind inzwischen nicht doppelt, sondern sechsmal so teuer wie damals.
Kosten für Wacken-Tickets: Von 12 DM zu 349 Euro
1990 startete das Wacken Open Air mit Tickets für 12 DM - umgerechnet sechs Euro. Anfang der 2000er kosteten die Tickets dann bereits rund 50 Euro. Inzwischen zahlt man für vier Tage Festival 349 Euro. Die Entwicklung der Ticketpreise findet man noch im Archiv der Festivalseite. Und diese Kosten brennen ein ordentliches Loch in die Portemonnaies einiger Fans.
Wacken ist kein Einzelfall
Damit ist Wacken nicht allein: Das Rockharz Festival im Harz hat seine Preise in den letzten zehn Jahren ebenfalls verdoppelt. Und bei Rock am Ring in Nürburg in der Eifel kostet das Ticket inzwischen ebenfalls um die 300 Euro. Festivals verteidigen diese höheren Preise oft mit steigenden Kosten und Löhnen für ihre Mitarbeitenden - allerdings schlagen die Preise beim Wacken die allgemeine Inflation deutlich.
Ticketpreis verdoppelt - aber warum?
Die Tickets kosten inzwischen mehr als doppelt so viel wie 2015. Zwar dauert das Festival mittlerweile einen Tag länger, aber: Selbst auf den Festivaltag gerechnet ist der Preis um fast 50 Prozent gestiegen. Wenn Festival-Veranstalter höhere Preise also mit steigenden Kosten rechtfertigen, wirft dies Fragen auf: Denn laut Daten des statistischen Bundesamts sind die durchschnittlichen Preise in Deutschland im gleichen Zeitraum um 27 Prozent gestiegen.
Die Inflation ist im gleichen Zeitraum also "nur" halb so stark gestiegen wie die Ticketpreise. Und auch die durchschnittlichen Löhne sind in Deutschland weniger stark gestiegen - um etwa ein Drittel.
Weniger Schlamm kostet: Holy Ground wurde 2017 erneuert
Beim Wacken Open Air sind die Preise allerdings 2016 und 2017 besonders stark gestiegen. Damals wurde das laut MetalHammer auch damit begründet, dass das Festivalgelände umgegraben wurde. Denn nach dem Schlammjahr 2015 sollte der sogenannte Holy Ground, die Wiesen vor den Hauptbühnen, besser mit Starkregen klarkommen.
Laut Business Insider gibt es einen weiteren, weniger offensichtlichen Grund: Früher waren Festivals Werbung für Bands, die dann viel Geld durch CD- und Plattenverkäufe verdient haben. Im aktuellen Streamingzeitalter sind diese Einnahmen aber geringer, die Bands müssen mehr Geld mit ihren Auftritten verdienen - und deutlich höhere Gagen nehmen. Auch Wacken-Gründer Thomas Jensen betont, dass die Gagen ein entscheidender Kostentreiber sind.
Zusatzkosten: Was Fans neben dem Ticket noch zahlen
Das Ticket ist nicht der einzige Kostenpunkt - auch abseits der Bühne wird es teuer. Für Anreise, Verpflegung und Ausrüstung können schnell mehrere hundert Euro zusätzlich fällig werden. Und da ist noch nicht ein Bier oder eine Portion Pommes an den Ständen auf dem Festivalgelände eingerechnet. Eine Beispielrechnung zeigt: Wer günstig bei Discountern einkauft und mit Auto oder Bahn anreist, kommt schnell auf über 250 Euro weitere Festivalkosten. Natürlich unterscheidet sich das je nach dem, von wo man anreist und wie viel Campingausstattung man bereits besitzt.
Was bekommen Fans dafür - und ist es das wert?
Ob die Tickets den Fans das Geld wert sind, hängt immer auch vom Line-Up ab. Das ist meist noch gar nicht vollständig bekannt, wenn die Tickets verkauft werden. Festivals machen also auch ein Geschäft mit den Erwartungen der Fans - und die scheint Wacken 2025 nicht vollständig erfüllen zu können und auch dieses Jahr verkauften sich die Tickets nicht so schnell wie die Jahre zuvor. Die Metalheads, die ein Ticket haben, finden oft die Preise jedoch angemessen - sie freuen sich, wie viele Bands sie für ihr Geld erleben können.