Welche Bäume trotzen dem Klimawandel? Baumschule testet neue Sorten
Für viele Städte sind Klima-Bäume eine Möglichkeit, in Zukunft kühl und grün zu bleiben. Aber nicht für jeden Standort gibt es genügend Auswahl. Deshalb wird im Kreis Pinneberg an der nächsten Generation geforscht.
Mit einem kleinen Messer durchtrennt Jens Sander auf dem Hof seiner Baumschule in Tornesch (Kreis Pinneberg) eine Kordel. Diese hat er gerade mehrere Male um die noch blattlose Krone eines jungen Klima-Baumes, einer Blumenesche, geschnürt. Sie soll nach Neumünster transportiert werden. "Die Krone ist viel zu locker, da würden die Triebe abbrechen. Deshalb binden wir den auf", erklärt der Baumschulchef.
Frühjahr ist Hochsaison für Baumschulen
Hinter Jens Sander und seinem Team liegt die wohl stressigste Zeit des Jahres: Frühjahr ist Pflanzzeit bei den Kunden. Das bedeutet Hochsaison für Baumschulen. Zahlreiche Lkw wurden in den vergangenen Wochen auf dem Hof beladen, damit Bäume und Grün rechtzeitig ausgeliefert werden konnten. Darunter - wie die Blumenesche - auch mehrere tausend sogenannte Klima-Bäume.
Nachfrage nach Klima-Bäumen steigt
Klima-Bäume können besonders gut mit langen Trockenperioden, Hitze und anderen Extremwetterlagen umgehen. Bedingungen, auf die sich Städte auch bei uns vermehrt einstellen. Hier verstärken Asphalt, Beton und Glasfassaden die Erwärmung. Seit etwa fünfzehn Jahren nimmt Jens Sander wahr, dass Kommunen zunehmend auf Bäume setzen, die den Folgen des Klimawandels besser gewachsen sind. "Unsere Aufgabe ist es, herauszufinden, welche Baumarten damit klarkommen", erklärt er.
Unterschiedliche Anforderungen je nach Region
Die Anforderungen an die Bäume sind hoch und unterschiedlich. Sie hängen beispielsweise auch vom pH-Wert des Bodens ab oder davon, wie kalt es im Winter wird und ob Salz gestreut wird. Und sie sehen für Städte in Schleswig-Holstein anders aus als für die in Bayern oder anderswo im Süden.
"Hier im Norden brauchen wir Bäume, die auch sehr unanfällig für Wind sind. Das ist in Würzburg überhaupt kein Problem", erklärt Sander, während er neben der Blumenesche steht, die nach Neumünster geht. "Der kann Wind", sagt er, kurz bevor der Baum von einem Gabelstapler auf den Lkw gehoben wird und abfahrbereit ist.
Geschäft mit Klima-Bäumen immer wichtiger
Der Umsatz mit Klima-Gehölzen hat in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen, berichtet der Baumschulchef. Nicht nur für ihn, sondern für die gesamte Branche wird das Geschäft mit den Klima-Bäumen immer wichtiger. Der Produktionswert der Baumschulen in Schleswig-Holstein liegt nach Angaben des Baumschulverbandes bei 200 Millionen Euro. Der Anteil von Klima-Gehölzen liegt demnach inzwischen bei mehr als 30 Prozent. Vor zehn Jahren waren es nur 10 Prozent.
Auswahl zu klein
Das Problem: Je mehr Anforderungen eine Stadt an einen Klima-Baum hat, desto kleiner wird die Auswahl an Bäumen, die diese Anforderungen alle erfüllen können. Und auf wenige Arten zu setzen, ist riskant. Monokulturen gelten als anfällig, beschreibt Sander.
Monokulturen ziehen immer Schädlinge an. Wenn dann eine ganze Straße betroffen wäre, wäre das furchtbar. Jens Sander, Baumschule in Tornesch
Auch aus Kostengründen. Außerdem: "Wenn Äste absterben und runterfallen auf Autos, ist es auch gefährlich", so der Baum-Experte weiter.
Feldversuch mit Landwirtschaftskammer
Inzwischen steht er inmitten von gelben Löwenzahnblüten auf einem Feld, nur wenige Minuten von der Baumschule entfernt. Hier forscht er zusammen mit der Landwirtschaftskammer in einem Feldversuch an einer neuen Generation Klima-Bäume. Etwa 100 junge Bäume wachsen hier seit mehreren Jahren. Fünfzig verschiedene Sorten "aus allen möglichen Ecken der Welt", beschreibt Sander.
Zum Vergleich wurden die gleichen Sorten vor einigen Jahren in Heide (Kreis Dithmarschen) und Hamburg eingepflanzt. Während das Feld in Tornesch also eher der Wohlfühlstandort ist, geht es in den Städten um den Stresstest.
Regelmäßige Datenerhebung
In regelmäßigen Abständen wird sowohl in den Städten als auch auf dem Forschungsfeld erfasst, wann die Bäume austreiben und blühen, ob sie frostempfindlich sind oder andere Probleme haben. "Wir gucken uns die Unterschiede an. Und dann kann man wirklich sagen, was geht und was nicht geht", erläutert er.
Vielversprechend: die mongolische Linde
Bei einigen Bäumen wird auf dem Feld schon klar, dass sie für den Straßenrand einer Stadt bei uns in Zukunft kaum infrage kommen. Sie werden nicht groß genug, sind zu pflegeintensiv oder weisen Frostschäden auf. Andere haben gute Chancen. Jens Sander bleibt neben einem schon blätterbehangenen Baum stehen, einer mongolischen Linde. Wie bei der heimischen Linde sind ihre Blätter herzförmig, allerdings deutlich gröber gezackt. Aus ihrer Heimat kennt sie viel Hitze, kann gleichzeitig aber auch mit kalten Wintern umgehen. "Ein vielversprechender Baum für unsere Städte", freut sich Jens Sander.