Mit Bentley und Einstecktuch zum Millionenbetrug: Der Fall Hendrik Holt
Stand: 25.09.2026 18:03 Uhr
Im Jackett und mit Einstecktuch erst zum Millionenbetrug, dann ins Gefängnis und von dort auf die Flucht: Wer ist der Windkraftbetrüger Hendrik Holt und was hat er getan? Eine Chronologie.
Ein immer extravagant gekleideter Jungunternehmer aus Haselünne im Emsland will Milliardär werden - und setzt dafür auf Betrug. Hendrik Holt macht Geschäfte mit europäischen Großkonzernen, indem er ihnen Windpark-Projekte anbietet, die es gar nicht gibt. Dafür geht er ins Gefängnis - und flieht aus dem offenen Vollzug. Jetzt soll er aus Dubai nach Deutschland zurückgeholt werden.
Hendrik Holt wird 1990 geboren und wächst privilegiert als "kleiner Prinz", wie er selbst sagt, in Haselünne auf. Er stammt aus einer Bauunternehmer-Familie, die einer der Hauptarbeitgeber im Emsland ist, im Jahr 2003 - nach dem Tod von Holts Großvater - aber Insolvenz anmelden muss. 2010 macht Holt am Kreisgymnasium Sankt Ursula sein Abitur. Das "Ziel der Milliarde" habe er für sich schon mit 18 ausgegeben, sagt er in der ARD-Doku "Holt - Der Windkraft-Schwindler". Dafür gründet er die Holt Holding Group - und bietet frei erfundene Windkraft-Projekte an. Investoren und Energiekonzerne aus ganz Europa investieren mehrere Millionen.
Im Jahr 2019 fängt die Staatsanwaltschaft an, gegen Hendrik Holt zu ermitteln: Eine Mitarbeiterin der Gemeinde Barßel (Landkreis Cloppenburg) hat Anzeige wegen Urkundenfälschung erstattet. Es geht um ein Schreiben an die Holt Holding über Flächen, die die Gemeinde für Windkraft nutzen wolle - unterzeichnet von der betreffenden Mitarbeiterin, die ein solches Dokument in Wahrheit nie unterschrieben hat. Am 17. April 2020 wird Holt im Berliner Luxushotel Adlon festgenommen - kurz vor Abschluss des Milliarden-Projekts "Munich", dem größten seiner erfundenen Windpark-Projekte. Zwei Monate zuvor war er noch einer der Hauptsponsoren der Münchener Sicherheitskonferenz. Im Grunde könne er Windräder gar nicht leiden, sagt Holt in der ARD-Doku "Holt - Der Windkraft-Schwindler". Und habe "dementsprechend ja auch dafür gesorgt", dass keine errichtet wurden: "Ich hab die Projekte blockiert und die Dinger nicht gebaut - und dafür noch abkassiert. Ich mein, das musst du erst mal hinkriegen."
Noch vor Prozessbeginn heiratet Holt in der U-Haft seine vormalige Freundin Jana. Die beiden hatten sich im Sommer 2017 kennengelernt, weil er Trikotsponsor ihres Fußballvereins war. Einige Monate später werden die beiden ein Paar, trennen sich dann aber. Nach Holts Festnahme im Jahr 2020 lebt der Kontakt wieder auf. Als er im August 2026 aus dem offenen Vollzug flieht, lässt er seine Tochter und seine hochschwangere Ehefrau in Deutschland zurück.
Das Landgericht Osnabrück verurteilt Hendrik Holt wegen bandenmäßigen Betrugs, Bestechung und Urkundenfälschung zu einer mehrjährigen Haftstrafe. Das Gericht sieht es als erwiesen an, dass er - gemeinsam mit weiteren Familienmitgliedern - internationalen Energiekonzernen teils frei erfundene Windpark-Projekte angeboten und dafür Millionenbeträge verlangt hat. Außerdem hatte Holt versucht, sich einen Diplomatenpass zu besorgen, um von der deutschen Strafverfolgung nicht mehr belangt werden zu können. Auch Holts Mutter und zwei seiner Geschwister werden verurteilt.
Sein Komplize muss sieben Jahre ins Gefängnis. Holts Mutter und die beiden Geschwister wurden wegen Beihilfe verurteilt.
Im März 2023 wird Holt vor dem Landgericht Osnabrück wegen Verleumdung verurteilt. Er hatte behauptet, sich im Rahmen seines Masken-Deals persönlich mit dem damaligen Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) getroffen und ihm Provisionen angeboten zu haben. Spahn sagt in dem Prozess als Zeuge aus - und bestreitet jedweden persönlichen Kontakt zu Holt.
Im Bentley auf unbegleitetem Ausgang: Holt befindet sich seit längerer Zeit im offenen Vollzug, als er nach einem genehmigten Ausgang nicht in die JVA Heidering in Großbeeren bei Berlin zurückkehrt. Stattdessen sendet er auf seinem Instagram-Account "Liebesgrüße aus Moskau" - und fügt hinzu, dass es dort "sehr schön" und der Kaviar "fantastisch" sei. Gegen Holt wird ein europäischer Haftbefehl erlassen - und weltweit nach ihm gesucht.
Der 36-Jährige aus Haselünne ist am Dienstag nicht in die Haftanstalt zurückgekehrt. Dann gab es einen Instagram-Post.
Nicht Moskau, sondern Dubai: Nach knapp vier Wochen in Freiheit endet die Flucht des Windanlagen-Betrügers. Offenbar hatte er bei seiner Verhaftung zwar den Personalausweis abgegeben, nicht aber seinen Reisepass. Nach NDR Informationen war Holt über Polen und die Türkei in die Vereinigten Arabischen Emirate geflohen. Nun soll er auf diplomatischem Weg nach Deutschland zurückgeholt werden. Ob und wann er überstellt wird, ist laut Staatsanwaltschaft Osnabrück derzeit noch unklar. Das Kriminalinsolvenzverfahren gegen Holt mit Forderungen von mehr als 40 Millionen Euro läuft derweil weiter.