Dieter geht viral: Ein Osnabrücker, den es gar nicht gibt
"Dieter aus Osnabrück" geht mit seinem "typisch deutschen" Alltag auf Social Media viral. Das Kuriose: Dieter existiert nicht - ein KI-Regisseur aus Berlin hat ihn komplett am Computer erschaffen.
Dackel, Weißbier, Schnitzel, Socken und Sandalen: "Dieter aus Osnabrück" führt ein Leben, wie es nach gängigen Klischees deutscher kaum sein könnte. In einem kurzen Video erleben Millionen Menschen seinen Alltag - vom Frühstück bis zum Feierabend. Dieter ist damit zu einem kleinen Internet-Promi geworden. Über 15 Millionen Mal wurden seine Videos bereits angeschaut. Nur: Der Osnabrücker ist durch Künstlicher Intelligenz entstanden.
Berliner KI-Regisseur erschuf den KI-Dieter
Erschaffen hat ihn Simon Meyer. Der gebürtige Osnabrücker lebt inzwischen in Berlin und arbeitet dort als KI-Regisseur. Für seinen fiktiven Durchschnittsdeutschen suchte er bewusst eine Stadt, die weder zu groß noch zu klein ist - und landete schließlich bei seiner alten Heimat. Auch Dieters Eigenschaften kommen nicht von ungefähr. "Das ist auch ein bisschen ich, das ist auch ein bisschen mein Onkel, das ist ein bisschen mein Vater", sagt Meyer. Viele würden vermutlich jemanden kennen, der Dieter zumindest ein bisschen ähnlich sei.
Ist Dieter ein typischer Osnabrücker?
Ist Dieter wirklich ein waschechter Osnabrücker? "Echte" Osnabrückerinnen und Osnabrückern sind da eher skeptisch. Sandalen und Socken? Durchaus passend, findet ein Passant. Ein anderer sagt, Dieter müsse vor allem das Leben lockerer nehmen. Doch es gibt auch deutlichen Widerspruch: "Nein, das ist Quatsch", sagt ein Mann auf die Frage, ob Dieter typisch für die Stadt sei. Sein augenzwinkerndes Argument: Echte Osnabrücker würden doch niemandem verraten, wie schön es bei ihnen ist - sonst kämen schließlich noch mehr Menschen.
KI-Arbeit: "Regie führen mit einem dreijährigen Kind"
Hinter den kleinen Clips steckt viel Arbeit. Rund zwei bis drei Wochen hat Meyer an Dieter gearbeitet - mit Skript, Drehbuch und Storyboard wie bei einer klassischen Filmproduktion, so sagt er. Anschließend muss er der KI mit sogenannten Prompts möglichst genau beschreiben, wie Dieter, Kleidung, Gesicht, Kamera oder Licht aussehen sollen. Für Meyer fühlt sich das manchmal an wie "Regie führen mit einem dreijährigen Kind". So wurde aus vielen künstlich erzeugten Einzelteilen schließlich ein Osnabrücker, den es gar nicht gibt - dessen Alltag inzwischen allerdings Millionen von Menschen kennen. Der schnauzbärtige KI-Rentner hilft nun, die Projekte des KI-Regisseurs bekannter zu machen.