Ein Polizist steht vor Schauspielern, die Demonstranten im Sitzstreik simulieren.

Szenario Sitzblockade: Polizei und Bundeswehr üben für Ernstfall

Stand: 25.09.2026 07:15 Uhr

In Lohheide (Landkreis Heidekreis) haben Bundeswehr und Polizei am Donnerstag für den Ernstfall geübt. Grundlage ist der "Operationsplan Deutschland". Ziel war es, die richtige Kommunikation zwischen beiden Institutionen zu üben.

von Luka Simon

Sitzblockade vor dem Eingang der Bundeswehr Kaserne. Drum herum Polizeibeamte. Dieses Szenario ist zwar eine reine Übung - sie trainiert die Beteiligten aber in der richtigen Kommunikation. Denn in dem Training geht es weniger um Manöver, sondern um den richtigen Austausch zwischen Bundeswehr und Polizei. "Wir üben hier im Echtbetrieb, ob die Konzepte, die man sich überlegt hat, funktionieren. Das heißt, wenn Informationen zwischen Bundeswehr und Polizei ausgetauscht werden müssen", sagt Jan Krüger von der Polizeidirektion Lüneburg.

Erstmalig für die Polizeidirektion Lüneburg

Für die Polizeidirektion ist es die erste Übung in diesem Umfang. Erstmals wird realitätsnah draußen in der Praxis geübt. Wie viele Kräfte im Einsatz sind, kann die Polizei nach eigenen Angaben nicht herausgeben. Das Training findet im Rahmen des sogenannten Operationsplan Deutschland (OPLAN) statt. Dieser legt militärische Maßnahmen im Krisen- oder Verteidigungsfall fest. Alle Polizeiinspektionen der Polizeidirektion Lüneburg sind laut Polizeisprecher daran beteiligt gewesen. In mehreren Landkreisen wurden Szenarien durchgespielt, in denen Bundeswehr-Truppen an der Weiterfahrt gehindert wurden. Neben der Sitzblockade gab es spontane Streckensperrungen oder eine besetzte Brücke. Dann kommt die Polizei ins Spiel. "Für uns ist heute die Herausforderung, mit den Störungen so umzugehen, dass sie den Truppentransport nur verzögern", so Krüger.

Herausforderung ist die richtige Kommunikation

Lohheide sei einer von vielen Orten, an dem möglichst realitätsnah geprobt wird, ob die Meldewege zwischen Bundeswehr und Polizei funktionieren. Dieser Fokus sei wichtig, so Sicherheitsexperte Dominic Kudlacek von der Hochschule Bremerhaven. "Der Zivilschutz und die Katastrophenhilfe in Deutschland sind streng getrennt, das hat historische Gründe. Die Bundeswehr muss jetzt mit kommunalen Einheiten zusammenarbeiten. Beide Institutionen haben natürlich andere Arten zu kommunizieren und ganz andere Kanäle."

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Niedersachsen könnte wichtiger Umschlagplatz werden

Aus militärischer Perspektive spielt Niedersachsen wegen seiner geografischen Lage und Infrastruktur eine entscheidende Rolle im Kriegsfall. "Wir haben die Nähe zum Hafen, Schienennetze, die Hauptautobahn, sodass erwartungsgemäß hier viele Bewegungen sein könnten. Deswegen wollen wir gut vorbereitet sein", sagt Polizeisprecher Krüger. Durch die Übungen wolle man erkennen, wo es noch Verbesserungspotenzial in den Konzepten gibt. Der Bremerhavener Professor Kudlacek befürwortet das. Man habe die Vorbereitungen auf solche Szenarien jahrzehntelang schleifen lassen: "Dass es den OPLAN gibt, dass man den übt, dass man da Geld und Ressourcen in die Hand nimmt, zeigt, dass man wirklich die Zeitenwende begriffen hat und mit was für Risiken wir es leider heute zu tun haben", sagt er. Das Szenario in Lohheide bleibt unspektakulär. Nach einer kleinen Ansprache durch einen Polizeibeamten stehen die Demonstrierenden - alle selbst von der Polizei und als Schauspieler hier - wieder auf. Die Ergebnisse der Übung werden nun ausgewertet.


25.09.2026 07:15 Uhr

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Textes hieß es, dass alle Polizeidirektionen in Niedersachsen beteiligt gewesen sind. Tatsächlich handelt es sich um die Polizeiinspektionen der Polizeidirektion Lüneburg. Wir haben die Angaben entsprechend korrigiert und bitten diesen Fehler zu entschuldigen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 24.09.2026 | 19:00 Uhr

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