SuedLink: "Eines der wichtigsten Netze für die Energiewende"
Unter der Elbe ist der SuedLink-Tunnel am Montag zwischen Wewelsfleth in Schleswig-Holstein und Wischhafen in Niedersachsen vollendet worden. Im Interview mit NDR Niedersachsen ordnet Judith Kösters diesen Schritt ein.
Die Elbquerung gilt als Meilenstein für das Projekt SuedLink, bei dem Windenergie von Schleswig-Holstein in den Süden Deutschlands transportiert werden soll. Vor eineinhalb Jahren war die Tunnelbohrmaschine "Elsa" in Wewelsfleth am nördlichen Elbufer gestartet. Seitdem hat sie sich mehr als fünf Kilometer unter der Elbe durchgegraben und den 25 Meter tiefen Zielschacht in Wischhafen erreicht. Durch diesen Tunnel sollen Gleichstromkabel für die SuedLink-Trasse geführt werden.
Judith Kösters aus der ARD-Klimaredaktion, was bedeutet diese Trasse für die künftige Stromversorgung und den Klimaschutz in Deutschland?
Judith Kösters: Für beides ist es extrem wichtig, für die Stromversorgung und für den Klimaschutz. Das kann man sich, glaube ich, gar nicht oft genug klarmachen, wie sehr Strom und Klimaschutz zusammenhängen: Denn Strom erzeugen können wir ja, ohne das Klima zu erhitzen, eben mit Wind und mit Sonnenstrom. Und wenn wir auch beim Heizen und im Verkehr klimaneutral werden wollen - also in den anderen großen Bereichen - dann müssen wir das auch alles mit Strom machen. Stichwort Wärmepumpen statt Öl- und Gasheizung, E-Autos, E-Busse, E-Loks. Und dafür müssen wir natürlich den Strom gut und zuverlässig von A nach B kriegen. Und konkret eben sehr oft auch den norddeutschen Windstrom in die Industriezentren, in die Ballungsräume im Süden. Und das geht nicht ohne diese großen neuen Strom-Autobahnen, die da jetzt entstehen. Und von denen ist eben SuedLink eine der wichtigsten.
Also, ich war neulich im Calenberger Land, auch am Deister hier in Niedersachsen - da wird ja auch eine Menge gebuddelt. Wie weit sind wir denn beim Bau von SuedLink?
Köster: Also immerhin sind jetzt laut Bundeswirtschaftsministerium die vier neuen größten Übertragungsnetze - neben SuedLink sind das A-Nord, Ultranet und SuedOstlink - alle komplett genehmigt und im Bau. Insgesamt sind wir aber bei den Übertragungsnetzen, da sollen knapp 17.000 Kilometer dazukommen, noch nicht so weit - da ist gut ein Drittel jetzt im Bau.
Was bleibt denn jetzt noch zu tun und wann ist das denn eigentlich alles fertig? Wann können wir es wirklich optimal nutzen?
Kösters: Die vier großen Stromautobahnen, die ich gerade genannt habe, die sollen laut Bundeswirtschaftsministerium bis Ende 2028 fertig sein. Das sind aber noch längst nicht alle der etwa 17.000 Kilometer, die neu geplant sind. Hinzu kommen ja noch die Stromverteilnetze. Das sind noch einmal 1,8 Millionen Kilometer Leitungen, die sind teils ungenügend ausgebaut, teils nicht in Top-Zustand. Da sagen Expertinnen und Experten, da ist mindestens noch mal so viel zu tun. Es ist aktuell so, dass einige Projekte einfach nicht angeschlossen werden können: einige Windparks oder Großbatteriespeicher, die auch ganz wichtig sind für das neue Stromnetz.
Und wo auch noch viel Luft nach oben ist, ist beim Thema flexibler Verbrauch, flexible Nachfrage, flexible Stromtarife. Also, dass ich zum Beispiel mein E-Auto dann lade, wenn viel Strom da ist, wenn die Windräder in meiner Region gerade rund laufen. Dafür brauche ich aber auch Stromzähler, die das alles erfassen und signalisieren und schlau berechnen können. Und da sind wir in Deutschland leider noch ziemlich hinterher.
Das Interview führte Andreas Kuhnt.