Was motiviert zur Fahrgemeinschaft? Hochschulen testen Plattform
Spritkosten teilen und Klima schonen: Die Plattform MitfahrCampus schlägt Studierenden und Mitarbeitenden der Hochschulen in Hannover seit einem Jahr Fahrgemeinschaften vor. Zeit für eine Zwischenbilanz.
Start, Ziel und Pendelroutine will die App von der Nutzerin oder dem Nutzer wissen: zum Beispiel 9 Uhr morgens und 17 Uhr nachmittags. Der Fahrer hinterlegt zur Erkennung noch sein Kennzeichen und los geht's. Das System prüft geografische und zeitliche Überlappungen mit anderen Nutzenden und präsentiert Vorschläge für mögliche Mitfahrerinnen bzw. -fahrer. Rund 50.000 Studierende, wissenschaftliche Mitarbeitende und Beschäftigte von Leibniz Universität, Hochschule Hannover, Medizinischer Hochschule Hannover und Technischer Informationsbibliothek können sich anmelden.
Hunderte sind angemeldet - aber gibt es viele Fahrgemeinschaften?
Der Kreis der Nutzenden ist deutlich kleiner. Das beobachten die Forschenden des Projekts DiNaMo, das Mobilität an den Hochschulen und in der Region nachhaltiger machen will. 500 Probanden im ersten Jahr seien das Ziel gewesen, mehr als 600 hätten sich inzwischen auf der von Kooperationspartner RideBee bereitgestellten Plattform angemeldet. Eine große Mobilitätsumfrage vorab hatte gezeigt, dass die Studierenden eher Bus, Bahn oder Fahrrad fahren, Mitarbeitende teils Auto. Mark Meiertöns arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter der Uni am Campus Garbsen. Er hat bereits einen gelegentlichen Mitfahrer gefunden - seinen Kollegen. Bisher bekommt Meiertöns aber kaum weitere Anfragen auf sein tägliches Fahrtangebot bei MitfahrCampus.
Gutes ÖPNV-Angebot hält viele Studis von der Nutzung ab
"Das Straßenbahnsystem von Hannover ist schon sehr gut", sagt Meiertöns. "Gerade weil mit dem Semesterticket der komplette ÖPNV kostenlos ist, kann ich mir vorstellen, dass gerade bei Studierenden die Hemmschwelle noch sehr groß ist." Trotzdem will er weiter seine Fahrten anbieten, kostenlos. Die Zahl der Nutzer wächst ja schließlich.
Plattform soll die vernetzen, die sowieso Auto fahren
Man wolle niemanden von anderen Verkehrsmitteln abwerben, sagt Oskar Wage. Er ist der zuständige wissenschaftliche Mitarbeiter am Institut für Kartografie und Geoinformatik. Es gehe vielmehr darum, eine Alternative zu bieten, wenn etwa jemand mal einen weiter entfernten Uni-Standort erreichen will. Außerdem beobachten die MitfahrCampus-Macher eine zusätzliche Dynamik auf der Plattform, wenn es wie Anfang des Jahres Glätte und Schnee gibt oder Warnstreiks im Nahverkehr. Vor allem aber versuchen sie die zu überzeugen, die sowieso Auto fahren: "Die Mobilitätsumfrage hat gezeigt, dass es viel Interesse und auch genug Schnittmengen aus den Städten und Umlandgemeinden gibt, aus denen die Leute pendeln."
Parkplatzdruck ist im Moment geringer Anreiz in Hannover
Mit Wettbewerben und Gutscheinen versuchen die Macher der Plattform, Anreize zu schaffen. Außerdem ist die Plattform selbst kostenlos. Die, die eine Fahrgemeinschaft anbieten, können eine Ausgleichszahlung für Sprit, Verschleiß und Umwege bekommen, wenn sie das wollen. Außerdem sollen reservierte beliebte Parkplätze zu Fahrgemeinschaften motivieren. Aber: In Hannover gebe es an der Uni viele kostenlose Parkflächen, beschreibt Wage. Man wisse von anderen Standorten mit gebührenpflichtigen Parkplätzen, dass kostenlose Parkplätze für Fahrgemeinschaften ein Anreiz seien.
Das eigene Verhalten zu ändern, dauert länger
Das Forschungsprojekt läuft aktuell noch bis Ende März. Es wird mit Bundesmitteln gefördert. Das Wissen über Anreize und Hemmnisse für Fahrgemeinschaften wollen die Forschenden teilen. Und sie suchen nach Möglichkeiten, den MitfahrCampus darüber hinaus finanzieren und anbieten zu können. Denn die Rückmeldungen zeigten: Das Interesse, Klima und Gewissen zu schonen, sei da - aber es müsse erst mal genug angebotene Fahrten geben, damit Suchende verlässlich fündig werden. Das brauche Zeit. Wage vermutet zudem, dass die Änderung des Mobilitätsverhaltens eher eine langfristige Entwicklung ist.