Gegen die Trockenheit: Bäume auf dem Acker als Klimaanlage
Gegen die Trockenheit auf den Feldern scheint es eine Lösung zu geben: Bäume. Denn sie verändern das Klima auf dem Feld. Auch Landwirt Henning Rehren aus Gehrden hat seine Felder umgestellt.
Agroforstwirtschaft nennt sich die jahrtausendealte Methode, die plötzlich wieder von Interesse ist. Rehren hat 3.300 Pappeln und 300 Walnussbäume gepflanzt. Als Schutz vor dem Wind. Der Wind holt am meisten Feuchtigkeit aus dem Boden, weil er so über den Acker fegt, sagt der 50-Jährige, der dann immer um seine Ernte bangt. Weil Dürrephasen immer häufiger auftreten, hat er sich über Alternativen Gedanken gemacht.
Jeder Baum arbeitet wie eine Klimaanlage
Sein Bruder hatte ihm von einer Reise Fotos geschickt. Baumstreifen auf dem Feld, sowas hatte Familie Rehren noch nicht gesehen und begann mit der Recherche. Es stellte sich heraus: jeder Baum arbeitet wie eine kleine Klimaanlage und beeinflusst die Temperatur um sich herum. Zur selben Zeit suchte der Deutsche Fachverband für Agroforstwirtschaft (DeFAF) nach interessierten Landwirten. Deutschlandweit entstanden drei Modellregionen. Niedersachsen ist eine davon.
Schon in der Antike war Agroforstwirtschaft bekannt
Baum- oder Heckenstreifen gehörten seit Jahrtausenden zum Landschaftsbild. Experten sagen, Agroforst ist die älteste Nutzung der Ackerflächen. Schon in der Antike wurde so gewirtschaftet. In Mitteleuropa waren Streuobstwiesen weit verbreitet, auch Hutewälder und Heckenlandschaften. Sie dienten nicht nur der Produktion von Holz, Obst, Gemüse und Getreide, sie schützten auch vor Wind.
Die Industrialisierung verdrängte die Baumäcker
Mit der Intensivierung der Landwirtschaft und der Einführung der Fruchtfolge verlor die traditionelle Agroforstwirtschaft im 19. Jahrhundert an Bedeutung. Plötzlich gab es Kunstdünger und Maschinen, mit denen man die Felder bestellen konnte. Monokulturen auf riesigen Feldern prägten das Landschaftsbild. In den 1960er und 1970er Jahren gab es Förderprogramme und Prämien für das Roden von Obstbäumen. Agroforstsysteme verschwanden.
Versuchsanlage Feld
Mit Messgeräten und Wetterstationen ist nun ein Feld von Henning Rehren bei Gehrden ausgestattet. Wind, Regen, Temperatur - alles wird aufgezeichnet und ausgewertet. Mehr Erträge, sagt der Landwirt, hat er noch nicht. Aber er ist auch erst im zweiten Jahr der Umstellung. Doch die Aussichten seien gut, haben ihm Experten der Landwirtschaftskammer Niedersachsen vorgerechnet. Sechs Meter von den Pappeln entfernt könne er mit bis zu 20 Prozent mehr Ertrag rechnen. Direkt neben den Baumstreifen wird er durch den Baumschatten allerdings weniger ernten. Klingt nicht nach einem Gewinn, ist es aber. Denn seine Ernten werden so sicherer und die Einnahmen für den Agroforstwirt auch.
Baumstreifen eröffnen neue Einnahmequellen
Welche Bäume auf seinen Böden gut wachsen, hat der Landwirt analysieren lassen. Walnüsse wurden ihm empfohlen. 300 davon hat er nun in langen Streifen angepflanzt. Allerdings muss er sich noch etwas gedulden. Erst in zehn Jahren sind die ersten Früchte an den Bäumen, in 15 bis 20 Jahren ist mit dem vollen Ertrag zu rechnen. Da aber bisher kaum Walnüsse aus Deutschland auf dem Markt sind, erhofft er sich großen Absatz.
In Vierer-Reihen sind die Pappeln angepflanzt
Auf einem anderen Feld hat er sich für Pappeln entschieden. In Vierer-Reihen strukturieren sie sein Feld. 3.300 Stück hat er bis jetzt. Pappeln zählen zu den am schnellsten wachsenden Bäumen in Europa. Teilweise bis zu zwei Meter pro Jahr. Mit diesem Holz will er künftig seinen Bauernhof beheizen. Die Hackschnitzelheizung wird demnächst eingebaut. Seit der Landwirt auf Agroforstwirtschaft umgestellt hat, produziert er noch nachhaltiger als zuvor.