Ruderboote liegen auf einer Wiese am Edersee bei starkem Niedrigwasser

Edersee fast leer: Streit um Wasserabgabe wieder entbrannt

Stand: 07.08.2026 11:27 Uhr

Der Edersee war Mitte Juli nur noch zu 18 Prozent gefüllt. Die Tourismusgemeinden wollen deshalb weniger Wasser aus der Edertalsperre abgeben. Doch die Oberweser ist für Schifffahrt und Tourismus auf einen ausreichenden Pegel angewiesen.

von Wilhelm Purk

Im vergangenen Jahrhundert gab es nicht nur viel seltener Niedrigwasser in der Oberweser. Wenn überhaupt, dann fielen die Pegelstände erst im September ab. Das hat sich in den vergangenen zehn Jahren deutlich geändert. "Es gibt nicht nur eine Häufung von Niedrigwasserereignissen", sagt Maurice Jurke vom Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt. "Es muss auch immer früher im Jahr der Wasserstand der Oberweser mit Talsperrenwasser gestützt werden. Darüber hinaus musste auch viel mehr Wasser als in anderen Jahren aus der Talsperre abgegeben werden, weil es einfach zu trocken war." Die Folge: Die Edetalsperre war in diesem Jahr bereits Mitte Juli nur noch zu 18 Prozent gefüllt. Die Abgabe wurde gedrosselt.

Niedrigwasser verschärft den Streit ums Edersee-Wasser

Im Juli ist aber touristisch gesehen noch Hochsaison. "Für uns sind die Folgen katastrophal", sagt Thomas Hennig, vom Regionalverband Eder-Diemel. Denn der Juli sei touristisch gesehen noch Hauptsaison. Für die Urlauber sei aber ein See, der zu zwei Drittel leer sei, nicht attraktiv. "Aktuell sind die Steganlagen trockengefallen. Die Strände sind trockengefallen", sagt Hennig. "80 Prozent der Segelboote wurden ausgekrant. Diese Nutzer fehlen uns natürlich. Die Kaufkraft fehlt uns. Das ist hier langfristig nicht mehr darstellbar."

Trockene Stege und Strände belasten den Tourismus

Die Talsperre sei zwar vor 110 Jahren gebaut worden, um den Wasserstand in der Oberweser zu regulieren. Aber es habe einen geschichtlichen Wandel gegeben, so Hennig. Am Edersee habe sich eine vielfältige Tourismuswirtschaft entwickelt. Das seien mehrere Hundert Betriebe mit einem Umsatz von 500 Millionen Euro. "Inzwischen ist jeder dritte Betrieb zu veräußern. Doch wer möchte denn Betriebe übernehmen, die keine Perspektive haben? Also wir sind hier in der Zwickmühle. Wir können unsere Leute nicht mehr langfristig beschäftigen. Es funktioniert einfach nicht mehr", sagt Hennig.

Oberweser braucht Talsperrenwasser für die Schifffahrt

Die Weser in Hameln führt Niedrigwasser.
Die Weser in Hameln hat einen Pegelstand von 57 Zentimetern.

Der Referenzpegel für den Wasserstand in der Oberweser ist für alle Beteiligten der in Hann. Münden. Dort garantiert das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt - so lang es eben geht im Jahr - einen Mindest-Pegelstand von 1,20 Meter. Thomas Hennig fordert, die Mindestabgabe aus der Talsperre schon im Frühsommer zu senken, um das Wasser bis in den Herbst hinein zu strecken. Bei einem Pegelstand von einem Meter in Hann. Münden könnten sowohl die flachgehenden Ausflugsdampfer noch fahren als auch die Kiesschiffe im Raum Rinteln.

Streit um Mindestpegel von 1,20 Metern in Hann. Münden

Der Mindestpegelstand von 1,20 Meter in Hann. Münden sollte so lange wie möglich gehalten werden. Das sagen nicht nur die Reeder der Ausflugsdampfer. Das sagen auch die Kies-Abbau-Unternehmer im Wesertal. Einer von Ihnen ist Peter Könemann aus Porta Westfalica: "Die Kieswirtschaft hat viele Millionen Euro in flachgehende Spezialschubverbände investiert. Bei einer Herabsetzung des Pegels in Hann. Münden kann die Kieswirtschaft nicht mehr wirtschaftlich betrieben werden. Ein sicherer Fahrbetrieb ist unterhalb von 1,20 Meter nicht mehr gegeben."

Niedrigwasser an der Oberweser.

Hitze und Trockenheit lassen Grundwasser- und Pegelstände sinken, während der Wasserbedarf steigt. Das sorgt mancherorts für Streit.

Studie soll Wasserabgabe aus der Edertalsperre prüfen

Die Niedersachsen argumentieren immer wieder mit der Zweckbestimmung der Talsperre. Die sei gebaut worden, um Schifffahrt auf der Oberweser möglich zu machen, sagt Könemann. Wer dem Tourismus am Edersee Vorrang einräumen wolle - so Könemann - müsse die Zweckbestimmung der Talsperre ändern. Das könne nur der Bund tun. Für ihn sei es keine Frage, die bestehende Zweckbestimmung müsse bestehen bleiben. Aktuell hat das Wasser- und Schifffahrtsamt eine neue Studie in Auftrag gegeben, um herauszufinden, ob und wie das Abgabe-Management der Talsperre verbessert werden kann.

Die Weser am Weserstein in Hann. Münden mit niedrigem Wasserstand

Niedrige Wasserstände schränken den gewerblichen Schiffsverkehr laut Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt teilweise ein.

Boote liegen bei Niedrigwasser in einem Hafen der Oberweser.

Ziel ist es, möglichst viel Wasser zu speichern und trotzdem Hochwasserschutz zu gewährleisten. Ergebnisse soll es 2027 geben.

Bei wolkenverhangenem Himmel ist die Weser bei Nienburg zu sehen.

450 Kilometer fließt die Weser durch Niedersachsen. An ihren Ufern locken idyllische Städte und eine vielfältige Landschaft.

In der Oberweser bei Hameln herrscht Niedrigwasser.

Auch die Dauer der niedrigen Wasserstände hat sich verlängert. Das geht aus einer aktuellen Statistik hervor.

Nebel über der Weser im Bereich Bevern im Landkreis Holzminden.

Der Wasserstand in der Weser ist zu niedrig. Daher können zwischen Höxter und Holzminden keine Schiffe fahren.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Hannover | 03.08.2026 | 15:00 Uhr

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