Gefährlicher Trend: Warum Grundwasser bald knapp werden könnte
Ausgedörrte Böden, Staub, die Natur im Trockenstress - das Szenario aus dem Frühjahr 2025 in MV ist längst nichts Neues. In den vergangenen Jahren waren Landwirte immer wieder gezwungen, die Felder zu bewässern, um ihre Ernte zu retten. Doch auch das Grundwasser, das sie dafür nutzen, muss sich durch Niederschläge bilden. Das jedoch wird zunehmend zum Problem.
Die bisherige Jahresbilanz zeigt, von Februar bis April ist nur gut ein Viertel der durchschnittlichen Niederschlagsmenge gefallen. Auch der August brachte in Mecklenburg-Vorpommern nur die Hälfte des erhofften Regens. Einziger Ausreißer ist der Juli. Er brachte fast doppelt so viel Niederschlag wie gewöhnlich. Das Jahr ist dadurch zwar insgesamt zu trocken, doch das sei nicht der ausschlaggebende Punkt, sagt Philip Müller, Hydrologe vom Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie (LUNG). "Wir haben längere Trockenperioden und dann keinen Landregen, sondern stärkere Starkregenereignisse, wo dann wirklich viel Niederschlag in kurzer Zeit fällt." Es sei vor allem diese Kombination aus langen Dürreperioden und heftigen Niederschlägen, die den Böden zu schaffen macht.
Verteilung des Niederschlags problematisch
Der Boden müsse schon feucht sein, um viel Wasser aufnehmen zu können, erklärt der Hydrologe. "Wenn er aber ausgetrocknet ist und dann ganz viel Wasser in kurzer Zeit fällt, dann hat er gar nicht viel Zeit, um feucht zu werden und das Wasser aufzunehmen." Das bedeutet, dass viel Wasser auf dem trockenen Boden abfließt und gar nicht "speicherwirksam" werden kann. Das Problem beginne schon früh im Jahr, nämlich im Winter. Hier fehle vor allem der Schnee, der tagsüber taut und damit ein langsames Versickern ermöglicht. Bei der Schneeschmelze habe der Boden normalerweise viel Zeit Wasser aufzunehmen. Doch Schneefall sei in Mecklenburg-Vorpommern selten geworden.
Lysimeter: Wasserhaushalt des Bodens überwachen
Erkenntnisse über den Bodenwasserhaushalt erlangen die Hydrologen des Landesamtes für Umwelt, Naturschutz und Geologie durch sogenannte Lysimeter. Sie ermöglichen es, genau zu erfassen, wieviel Niederschlag fällt, wieviel davon verdunstet, oberflächlich abfließt oder versickert und somit zu Grundwasser wird. Drei dieser Anlagen gibt es in Mecklenburg-Vorpommern. Das derzeit modernste Lysimeter steht in Kittendorf (Landkreis Mecklenburgische Seenplatte).
Erderwärmung: Versuchen, die Folgen abzumildern
Die bisherige Niederschlagsbilanz des Jahres 2025 ist symptomatisch für einen Trend, der sich wohl weiter verschärfen könnte. Wetterdaten zeigen, dass mit steigenden Temperaturen in den letzten Jahrzehnten Dürren und Starkregenereignisse zugenommen haben.
Die Erderwärmung ist erstmal nicht rückgängig zu machen. Aber ihre Folgen könne man zumindest abmildern - so Müller - indem man den sogenannten Landschaftswasserhaushalt stärkt, das Wasser in Überschusszeiten länger in der Landschaft speichert und in Mangelzeiten verfügbar macht. Beispiele seien die Wiedervernässung von Mooren. "Weil Moore die Fähigkeit haben, wirklich Wasser zu speichern und Wasser auch lange in der Landschaft zu halten." Ein Vorschlag mit Potenzial: Rund 330.000 Hektar Moor gib es im Nordosten. Der mit Abstand größte Teil davon ist derzeit trockengelegt.