Befüllung eines Heizöltanks
AUDIO: Neue Heizperiode beginnt: Wie teuer wird der Winter? (7 Min)

Heizöl im Norden: So teuer ist Heizen mit Öl, Gas und Strom

Stand: 05.10.2026 06:40 Uhr

Heizöl ist fast doppelt so teuer wie vor Beginn des Iran-Kriegs. Auch neue Gas- und Stromverträge klettern im Preis, aber nicht so extrem. Eine Übersicht mit Grafiken zur Preisentwicklung.

von Peer-Axel Kroeske

Seit den Angriffen auf den Iran im Frühjahr bekommen ganz besonders diejenigen hohe Rechnungen, die noch mit Öl heizen. Die Preise haben sich auf hohem Niveau eingependelt. Mitte September überschritten sie sogar 180 Euro - ein Niveau, das bisher nur einmal im März 2022 kurz nach dem russischen Angriff auf die Ukraine für eine Woche überschritten wurde. Die Konsequenzen der Krise im Nahen Osten wirken sich langfristiger aus.

1.400 Euro Zusatzkosten für mittleres Haus

Wer jetzt zum Beginn der Heizperiode Heizöl tankt, muss somit tief in die Tasche greifen. Für ein mäßig gedämmtes Einfamilienhaus mit einem Heizbedarf von 20.000 Kilowattstunden und einem effizienten Brennwertkessel bedeutet das einen Anstieg der jährlichen Rechnung von etwa 1.900 Euro auf mehr als 3.300 Euro im Vergleich zur vergangenen Heizperiode. Händler berichten, dass einige Kunden deshalb kleinere Mengen als sonst bestellen.

Konflikt in Nahost

Aktuell gelten der Engpass an der Straße von Hormus am Persischen Golf und das Fehlen einer politischen Perspektive als Haupttreiber für hohe Öl- und Gaspreise. Produktionsanlagen sind zum Teil beschädigt. Auch Saudi-Arabien musste nach den Angriffen auf eine Pipeline seinen Export drosseln.

Generell wird der Ölpreis durch politische Ereignisse, aber auch die Fördermengen beeinflusst. Schon im Juni 2025 war er durch den Angriff Israels auf Öl- und Gasfelder sowie Atomanlagen im Iran kurz angestiegen, hatte sich dann aber wieder stabilisiert. Noch im Mai 2025 lag der Preis im Durchschnitt bei 87 Euro pro 100 Liter. Das war nach einer Analyse des Vergleichsportals Verivox so wenig wie seit zwei Jahren nicht.

Alte Ölheizungen fast so teuer wie Heizlüfter

Der Heizölpreis Anfang Oktober entspricht je nach Effizienz der Anlage und Lieferort etwa 16,2 bis 25,1 Cent pro Kilowattstunde an Wärmeenergie. Kunden spüren die Auswirkungen sofort. Ältere Ölheizungen sind damit im Betrieb inzwischen fast genauso teuer wie Heizlüfter bei einem günstigen Stromtarif.

Heizölpreise: Regionale Unterschiede von etwa 10 Prozent

Die Heizölpreise unterliegen Experten zufolge oft starken Schwankungen. Von Ort zu Ort seien die Unterschiede bei entspannter Marktlage nur gering. Momentan lohnt dagegen ein Vergleich von Anbietern. Hier lassen sich mehrere Hundert Euro bei einer kompletten Tankfüllung sparen.

Wirkungsgrad auch beim Gas wichtig

Günstigste Gasverträge werden unter anderem im Weser-Ems-Gebiet mit 9,25 Cent pro Kilowattstunde angeboten. Hier wirken sich niedrige Netzentgelte im Gebiet des Betreibers EWE aus. Im Gebiet von SH-Netz geht es erst bei 10,58 Cent los. Beim Erdgas hat sich der Preis in den vergangenen fünf Jahren etwa verdoppelt. Auch hier kann ein schlechter Wirkungsgrad das Heizen zusätzlich verteuern. Ein weiterer Anstieg ist möglich, da der Großhandelspreis für Erdgas ebenfalls gestiegen ist.

Fernwärme mit großer Preisspanne

Fernwärmepreise in Norddeutschland bewegen nach einer Stichprobenabfrage zwischen 6,5 und 23,0 Cent und weisen damit starke regionale Unterschiede auf. Eine Übersicht, die allerdings nicht vollständig ist, bietet die bundesweite Transparenzplattform. Dort sind Mischpreise angegeben, bei denen die Grundgebühr eingerechnet ist.

Wärmepumpen heizen günstig

Wärmepumpen mit eigenem Stromzähler haben in den meisten Fällen die geringsten Verbrauchskosten ab etwa fünf Cent pro thermischer Kilowattstunde. In sanierten oder neuen Häusern, die in den Heizkörpern mit 50 Grad und weniger auskommen, funktionieren sie am effizientesten.

Strompreise auf stabilem Niveau

Die Strompreise für Neuverträge sind im Vergleich zu den Jahren vor der Energiekrise kaum gestiegen, trotz des Preissprungs Mitte September. Der Börsenstrompreis weist im Oktober allerdings in vielen Stunden ein sehr hohes Niveau von 16 bis 30 Cent auf. Hier setzen jeweils die teuersten Produzenten, die gerade gebraucht werden, den Preis - derzeit sind es meist die Gaskraftwerke. Zum Großhandelspreis kommen für alle Verbraucher dabei noch Netzentgelte, Abgaben und Steuern hinzu.

Langfristig entscheidend für die Endkunden sind aber die "Futures". Händler decken sich schon jetzt für die kommenden Jahre ein. Bis 2030 sind erhöhte Strompreise zu beobachten, für die weiteren Jahre bis 2036 jedoch wieder ein Rückgang auf das aktuelle Niveau von nur sieben Cent.

Ölheizungen vor allem auf dem Land

2022 heizten laut dem aktuellsten Zensus in vielen ländlichen Regionen noch 20 bis 40 Prozent der Haushalte mit Öl. Eine Ausnahme bildet die Weser-Ems-Region, die dicht an den niederländischen Gasvorkommen liegt. In vielen Dörfern und Einzellagen, in denen kein Erdgasanschluss zur Verfügung steht, ist Öl aber weiterhin der am meisten genutzte Energieträger.

Dabei ist die Technik ein Auslaufmodell. Öl- sowie auch Gasverbrennung treiben den Klimawandel voran. Rund zwei Cent pro Kilowattstunde bzw. 20 Euro pro 100 Liter zahlen Nutzer von Heizöl deshalb als CO2-Preis. Die weitere Entwicklung hängt vom EU-Emissionshandel ab. Erwartet wird, dass diese Komponente steigt.

Globale Abhängigkeiten

Durch den hohen Ölpreis bleibt auch die Förderung in den USA lukrativ. Denn hier sind die Produktionskosten bei der besonders umweltschädlichen Fracking-Methode höher als andernorts. Die USA sind derzeit der weltweit größte Produzent. Auf Platz zwei folgt Russland, das einen hohen Ölpreis benötigt, um die Kriegskassen zu füllen. Saudi-Arabien auf Platz drei schraubte 2025 die Fördermengen hoch, um Marktanteile zurückzugewinnen.

Nachfrage sinkt durch Trumps Zölle und E-Auto-Boom

Gleichzeitig hat die Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump für Unsicherheiten in der Weltwirtschaft gesorgt. Der Ukraine-Krieg dauert an und dämpft das Wachstum in Europa. Vor allem in China fahren immer mehr E-Autos, sodass der Ölbedarf dort sinkt. Mittelfristig ist das auch global der Fall. Die Folge wäre dann ein übersättigter Markt. Trotzdem bleiben Prognosen schwierig.

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CDU und SPD reduzieren Klimaschutz-Vorgaben für neue Heizungen

Beim Einbau einer neuen Heizung in einem bestehenden Gebäude besteht in Schleswig-Holstein und Hamburg die Pflicht, mindestens 15 Prozent erneuerbare Energieträger zu berücksichtigen. Der Bund verlangt nach dem neuen Gebäudeenergiegesetz (GEG) erst ab 2029 eine Vorgabe von 10 Prozent klimafreundlicher Brennstoffe beim Einbau neuer Heizungen. Der Anteil soll danach steigen. Die bisherige Regelung, dass mindestens 65 Prozent erneuerbare Energie für neue Anlagen genutzt werden muss, haben CDU und SPD gekippt.

Betrieb bis 2045?

Am Ziel der Klimaneutralität im Jahr 2045 wollen CDU und SPD im Bund aber festhalten. In Schleswig-Holstein, Hamburg und Niedersachsen haben sich die Landesregierungen das Ziel der vorgezogenen Klimaneutralität im Jahr 2040 gesetzt. Hieran orientieren sich auch mehrere Gasnetzbetreiber. Was das für eine mögliche Stilllegung von Ölheizungen bedeutet, ist aber noch nicht absehbar.

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Die Koalition muss sparen - und will das auch bei der Förderung von klimafreundlichen Heizungen tun. Weniger Geld gibt es vor allem für Haushalte mit hohem Einkommen. Auch beim sogenannten Heizungsgesetz gibt es Änderungen. Von Jakob Mayr.

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Wirtschaft | 05.10.2026 | 06:40 Uhr

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