Medientraining soll Grundschulkinder fit machen gegen Handy-Sucht
Medienbildung fängt für die Freien Sozialen Dienste Friesland schon in der Grundschule an. Regelmäßig bieten sie dort Workshops an. Ein Projekt, das von "Hand in Hand für Norddeutschland" unterstützt wird.
"Meine Eltern haben mir tagsüber Whatsapp verboten", erzählt die 10-jährige Eva frei heraus. "Weil ich den ganzen Tag mit Freunden geschrieben und telefoniert habe." Sie ist eine der Schülerinnen der vierten Klasse der Grundschule Grabstede, die diesen Nachrichtendienst nutzen. "Ja, manchmal ist das so, dass wir das Gefühl haben, wir kommen nicht davon weg", nimmt Medientrainer Lucas Ferro das Beispiel auf. "Da müssen wir aufpassen und auf Warnzeichen achten. Denn sonst kann es passieren, dass wir in eine Sucht hineinfallen."
Schon Grundschulkinder nutzen soziale Medien
Genau dagegen setzt sich Lucas Ferro ein. Er ist gelernter Erzieher und Medientrainer. Und geht seit zwei Jahren als Mitarbeiter der Freien Sozialen Dienste Friesland regelmäßig in Schulen, um Schülerinnen und Schüler im Umgang mit Medien fit zu machen. "Das ist tatsächlich schon Thema in der Grundschule. Auch die Neun- und Zehnjährigen sind heutzutage in den sozialen Medien unterwegs", sagt er. Laut einer Studie der Deutschen Angestellten Krankenkasse verbringen Kinder zwischen zehn und 17 Jahren durchschnittlich fast vier Stunden mit Gaming und Social Media.
Smartphone und Gaming: Anzeichen für Sucht erkennen
"Was kennt ihr für Anzeichen für eine Mediensucht?", fragt Ferro in die Runde. Die neunjährige Merle meldet sich: "Dass man immer denkt, ich mach noch weiter, ach, das kann ich noch machen, dass man immer die ganze Zeit am Handy hängt." Und der zehnjährige Momme fügt hinzu: "Dass man Augenringe hat, dass man im Nacken Schmerzen hat, wenn man die ganze Zeit aufs Handy guckt. Oder dass man Schlafstörungen hat, weil so viel im Kopf los ist." Die neunjährige Lenia kennt die negativen Auswirkungen von zu viel Medienkonsum aus eigener Erfahrung: "Manchmal krieg ich dann Kopfschmerzen, wenn ich zu viel gucke, ich werde ganz schläfrig und kann nicht gut zuhören." Dann - so der Appell des Medientrainers - sollen sich die Kinder an eine erwachsene Person wenden und um Hilfe bitten.
Kinder werden über Online-Mobbing aufgeklärt
Dass die Kinder so genau über ihr eigenes Verhalten mit Tablets, Handys, Fernsehen und Spielkonsole nachdenken, hat mit dem Medientraining zu tun. In der ersten Doppelstunde haben sie schon darüber gesprochen, wie sie unterschiedliche Medien nutzen. Heute geht es um Mobbing bei Whatsapp. Darum, wie ein fieses Foto geteilt wird. Wie man sich unter Druck gesetzt fühlt und traurig wird. Dafür arbeiten sie in Gruppen mit Tablets. Merles Gruppe soll die Gedanken des Mobbing-Opfers aufschreiben. "Ich schäme mich so", schreiben die Kinder auf einen Zettel. Und "Wieso hilft mir keiner?".
Medien sollen Spaß machen
Lehrerin Ana-Maria Stoffers schaut zu, wie die Kinder beratschlagen und gibt ihnen Tipps. Sie hört Medientrainer Ferro genauso interessiert zu wie die Kinder. "Es ist schön, dass das jemand Externes macht. Da geben die Kinder viel mehr von sich preis, als wenn ich als Lehrerin mit ihnen spreche", sagt sie. Zu den drei Doppelstunden gehört noch ein begleitender Elternabend. Auch der ist wichtig, sagt Lucas Ferro: "Es ist unsere Aufgabe als Erwachsene, unsere Kinder zu schützen. Und den richtigen Umgang bestenfalls vorzuleben." Eines will er zum Ende der Stunde noch klarstellen: Er möchte nichts verbieten. Medien können und sollen Spaß machen. Die Kinder sollen nur wissen, wie sie sie richtig einsetzen und wann es genug ist.