Blamiert: Klöckners werbliches Video mit Nestlé
"Lassen Sie mal" - Julia Klöckner möchte ZAPP heute kein Interview vor der Kamera geben. Dabei ist es ein Termin, der wie gemacht ist für die Bundeslandwirtschaftsministerin. Ein Heimspiel in Mainz: Hier war Klöckner jahrelang das Gesicht der rheinland-pfälzischen CDU. Nicht weit von der Landeshauptstadt entfernt ist sie aufgewachsen, auf einem Weingut. Und nun hat sie die Landjugend des Bauern- und Winzerverbandes eingeladen.
Doch seit Tagen gibt es viel Kritik. Der Grund: Ein Video, das ihr Ministerium für Ernährung auf seinem offiziellen Twitter-Account geteilt hat. Es zeigt Klöckner mit dem Deutschland-Chef des Lebensmittel-Riesen Nestlé und erweckt den Eindruck, als würde die Ministerin geradezu für das Unternehmen werben.
Video laut Kritiker ein PR-GAU für Klöckner - die sieht's anders
Abseits der Kamera rechtfertigt sich Klöckner gegenüber der ZAPP-Reporterin für das Video. Es gehe ihr darum, Druck auf die Unternehmen zu machen. Klöckner will, dass Nestlé und Co. den Zuckergehalt in ihren Lebensmitteln reduzieren - freiwillig. Eine von vielen Experten geforderte Zuckersteuer für Unternehmen lehnt sie ab. Gegenüber ZAPP stellt Klöckner ihr Video als Erfolg dar. Nestlé stehe nun unter Druck. Eine Sichtweise, die sie wohl exklusiv hat. Andere, wie zum Beispiel Stefanie Sippel von der "FAZ", sehen das Video eher als PR-Coup für Nestlé und als PR-Desaster für die Ministerin. Auch Politik - & Digitalberater Martin Fuchs und "Spiegel"-Journalist Matthias Bartsch stimmen der Einschätzung zu.
Rezo "zerstört" weiter
Zu den Kritikern zählt auch der YouTuber Rezo. Der ist seit seinem Video "Die Zerstörung der CDU" kurz vor der Europawahl jedem in der Union ein Begriff - als Reaktion darauf hatte Parteichefin Annegret Kramp-Karrenbauer mehr Regulierung im Internet ins Spiel gebracht. Das Nestlé-Video von Klöckners Landwirtschaftsministerium greift er auf, schreibt dazu:
Schleichwerbung? Medienanstalt prüft Video
Schleichwerbung - ein Verdacht, den auch andere User äußern. Die Medienanstalt Berlin-Brandenburg (MABB) schaltet sich ein, prüft den Fall. Allerdings: Als "Werbung" gilt ein solches Video nach den Regeln der Anstalt nur dann, wenn es eine Gegenleistung gibt. Es ist nicht davon auszugehen, dass Klöckner für das Video von Nestlé etwas bekommen hat. MABB-Direktorin Anja Zimmer möchte in ihrem Interview mit ZAPP ein mögliches Ergebnis ihrer Prüfung nicht vorwegnehmen, sagt aber: "Mein Eindruck wäre im Moment, dass es sich um eine politische Botschaft handelt, wir also im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit sind und nicht im Bereich der Werbung."
Die MABB-Direktorin betont aber auch: Das letzte Urteil des Bundesverfassungsgericht, das zu diesem Thema passt, stammt aus dem Jahr 1977. Die Gesetzeslage ist also überhaupt nicht an das digitale Zeitalter angepasst. Zimmer würde sich eine solche Anpassung wünschen.