Holstein Kiel
Der Neue stellt sich vor: Andreas Breitner will Holstein-Präsident werden
Zum ersten Mal wird bei Holstein Kiel der Präsident von allen Vereinsmitgliedern direkt gewählt. Andreas Breitner ist der Vorschlag des Aufsichtsrats, dessen Vorsitzender er bisher ist. Erhält der 59-Jährige bei der Mitgliederversammlung am 9. Dezember die Mehrheit, tritt er die Nachfolge von Steffen Schneekloth an.
Andreas Breitner steht am Mittwoch im Nieselregen auf dem Balkon des VIP-Bereichs des Holstein-Stadions und blickt auf die noch vorhandenen Tribünen. Eine Szene, die etwas sinnbildlich für die aktuelle Situation der KSV steht, deren Präsident er ab dem 1. Juli kommenden Jahres werden möchte.
Die sportliche Situation ist bescheiden, nach acht Saisonspielen warten die Kieler als Tabellenletzter noch immer auf den ersten Sieg. "Diese Phase ist schwierig, aber es geht im Fußball sehr schnell. Schon am Montag (nach dem Spiel gegen Dynamo Dresden, d.Red.) reden wir vielleicht über ganz andere Dinge."
Andere, positivere Dinge wie die zweite große Baustelle des Vereins, die von Breitners Platz aus ebenfalls nicht zu übersehen ist: der schrittweise Neubau des Stadions. An der Stelle der alten Nordtribüne klafft momentan ein großes Loch, in dem Baufahrzeuge fahren. "Das ist ein Jahrhundertprojekt für Kiel, aber auch für den Verein", sagt Breitner. "Das muss gelingen und wird ein wesentlicher Teil meines beruflichen Wirkens."
Bisher nicht hauptberuflich im Fußball tätig
Was eine Umstellung für ihn bedeutet. Der 59-Jährige ist aktuell Direktor und Vorstand des Verbandes norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW). Er ist Mitglied der SPD und war von 2012 bis 2014 Innenminister von Schleswig-Holstein. Seit Juli 2025 ist er Vorsitzender des Aufsichtsrats der KSV. Er ist also gut vernetzt und mit vielen Themen des Vereins vertraut, bisher aber nicht hauptberuflich im Fußball tätig. "Ein bisschen mulmig ist mir auch. Es ist eine neue Branche. Aber ich weiß, dass man mir auch die Zeit einräumt, das in Ruhe anzugehen", sagt er.
Es ist kein leichtes Erbe, das Breitner Antritt. In die insgesamt zehnjährige Amtszeit seines Vorgängers Steffen Schneekloth fällt neben dem Anstoß des Stadionneubaus auch der größte sportliche Erfolg der jüngeren Vereinsgeschichte: der Aufstieg in die Bundesliga 2024. Schneekloth hatte bereits im Mai angekündigt, aus persönlichen Gründen nicht erneut als Präsident kandidieren zu wollen. Die Verbandspositionen bei der Bundesliga und beim DFB, die Schneekloth aktuell noch bekleidet, strebt Breitner zunächst nicht an.
Dialog mit den Fans
Als höchster Repräsentant des Vereins wird er sich auch mit unangenehmen Themen auseinandersetzen müssen. Mit Fanausschreitungen etwa, wie zuletzt im September vor dem Heimspiel gegen den VfL Osnabrück. Kiel-Anhänger griffen einen Osnabrücker Fan-Marsch an. Die Polizei verhängte daraufhin Aufenthaltsverbote gegen neun Personen für die folgenden Heimspiele.
Eine Antwort auf derartige Probleme ist für den ehemaligen Polizist Breiter ein Ausbau der Kommunikation zwischen Verein und den verschiedenen Teilen der Fanszene. "Das Thema Gewalt in und um das Stadion spielt bei Holstein Kiel wie allen Profifußballvereinen leider immer mal wieder eine Rolle, auch wenn diese nur von einer sehr kleinen Gruppe ausgeht. Ich werde als Präsident sicherlich auch auf die organisierten Fans zugehen, darüber den Dialog führen und dann müssen wir sehen, dass wir zu guten Lösungen kommen."
Sportlicher Erfolg die Voraussetzung
Sollte ihm das gelingen, wäre der Verein auch näher an Breitners Vision als "positiver Botschafter für Schleswig-Holstein." Eine Grundbedingung dafür sei der Ausbau der Infrastruktur in Form des Stadions. Eine weitere ist der sportliche Erfolg.
Natürlich geht er fest davon aus, dass die KSV auch zu Beginn seiner Amtszeit im Juli nächsten Jahres noch in der Zweiten Liga spielt. Nur dann wären die "Top 25 der Mannschaften in Deutschland", unter denen Breitner Holstein mittel- bis langfristig sieht, überhaupt in Reichweite. Und dann wäre auch Nieselregen kein Sinnbild, sondern einfach nur typisch norddeutsches Wetter.