Holstein Kiel

Der Neue stellt sich vor: Andreas Breitner will Holstein-Präsident werden

Stand: 21.10.2026 20:30 Uhr

Zum ersten Mal wird bei Holstein Kiel der Präsident von allen Vereinsmitgliedern direkt gewählt. Andreas Breitner ist der Vorschlag des Aufsichtsrats, dessen Vorsitzender er bisher ist. Erhält der 59-Jährige bei der Mitgliederversammlung am 9. Dezember die Mehrheit, tritt er die Nachfolge von Steffen Schneekloth an.

von Jonas Freudenhammer

Andreas Breitner steht am Mittwoch im Nieselregen auf dem Balkon des VIP-Bereichs des Holstein-Stadions und blickt auf die noch vorhandenen Tribünen. Eine Szene, die etwas sinnbildlich für die aktuelle Situation der KSV steht, deren Präsident er ab dem 1. Juli kommenden Jahres werden möchte.

Die sportliche Situation ist bescheiden, nach acht Saisonspielen warten die Kieler als Tabellenletzter noch immer auf den ersten Sieg. "Diese Phase ist schwierig, aber es geht im Fußball sehr schnell. Schon am Montag (nach dem Spiel gegen Dynamo Dresden, d.Red.) reden wir vielleicht über ganz andere Dinge."

Andere, positivere Dinge wie die zweite große Baustelle des Vereins, die von Breitners Platz aus ebenfalls nicht zu übersehen ist: der schrittweise Neubau des Stadions. An der Stelle der alten Nordtribüne klafft momentan ein großes Loch, in dem Baufahrzeuge fahren. "Das ist ein Jahrhundertprojekt für Kiel, aber auch für den Verein", sagt Breitner. "Das muss gelingen und wird ein wesentlicher Teil meines beruflichen Wirkens."

Bisher nicht hauptberuflich im Fußball tätig

Was eine Umstellung für ihn bedeutet. Der 59-Jährige ist aktuell Direktor und Vorstand des Verbandes norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW). Er ist Mitglied der SPD und war von 2012 bis 2014 Innenminister von Schleswig-Holstein. Seit Juli 2025 ist er Vorsitzender des Aufsichtsrats der KSV. Er ist also gut vernetzt und mit vielen Themen des Vereins vertraut, bisher aber nicht hauptberuflich im Fußball tätig. "Ein bisschen mulmig ist mir auch. Es ist eine neue Branche. Aber ich weiß, dass man mir auch die Zeit einräumt, das in Ruhe anzugehen", sagt er.

KSV-Präsident Steffen Schneekloth.

Seit 2017 ist Steffen Schneekloth Präsident der KSV Holstein Kiel. Im kommenden Jahr soll Schluss sein, teilt er jetzt mit.

Es ist kein leichtes Erbe, das Breitner Antritt. In die insgesamt zehnjährige Amtszeit seines Vorgängers Steffen Schneekloth fällt neben dem Anstoß des Stadionneubaus auch der größte sportliche Erfolg der jüngeren Vereinsgeschichte: der Aufstieg in die Bundesliga 2024. Schneekloth hatte bereits im Mai angekündigt, aus persönlichen Gründen nicht erneut als Präsident kandidieren zu wollen. Die Verbandspositionen bei der Bundesliga und beim DFB, die Schneekloth aktuell noch bekleidet, strebt Breitner zunächst nicht an.

Dialog mit den Fans

Als höchster Repräsentant des Vereins wird er sich auch mit unangenehmen Themen auseinandersetzen müssen. Mit Fanausschreitungen etwa, wie zuletzt im September vor dem Heimspiel gegen den VfL Osnabrück. Kiel-Anhänger griffen einen Osnabrücker Fan-Marsch an. Die Polizei verhängte daraufhin Aufenthaltsverbote gegen neun Personen für die folgenden Heimspiele.

Eine Antwort auf derartige Probleme ist für den ehemaligen Polizist Breiter ein Ausbau der Kommunikation zwischen Verein und den verschiedenen Teilen der Fanszene. "Das Thema Gewalt in und um das Stadion spielt bei Holstein Kiel wie allen Profifußballvereinen leider immer mal wieder eine Rolle, auch wenn diese nur von einer sehr kleinen Gruppe ausgeht. Ich werde als Präsident sicherlich auch auf die organisierten Fans zugehen, darüber den Dialog führen und dann müssen wir sehen, dass wir zu guten Lösungen kommen."

Sportlicher Erfolg die Voraussetzung

Sollte ihm das gelingen, wäre der Verein auch näher an Breitners Vision als "positiver Botschafter für Schleswig-Holstein." Eine Grundbedingung dafür sei der Ausbau der Infrastruktur in Form des Stadions. Eine weitere ist der sportliche Erfolg.

Natürlich geht er fest davon aus, dass die KSV auch zu Beginn seiner Amtszeit im Juli nächsten Jahres noch in der Zweiten Liga spielt. Nur dann wären die "Top 25 der Mannschaften in Deutschland", unter denen Breitner Holstein mittel- bis langfristig sieht, überhaupt in Reichweite. Und dann wäre auch Nieselregen kein Sinnbild, sondern einfach nur typisch norddeutsches Wetter.

Andreas Breitner.

Der KSV-Aufsichtsrat hat Andreas Breitner als neuen Präsidenten vorgeschlagen. Entschieden wird darüber Anfang Dezember.

Dieses Thema im Programm:

NDR Fernsehen | Schleswig-Holstein Magazin | 21.10.2026 | 19:30 Uhr

Schlagwörter zu diesem Artikel

2. Bundesliga

Holstein Kiel

Kiel

Benedikt Pichler (l.) von Hannover 96 im Duell mit Florian Flick von Eintracht Braunschweig
Niedersachsenderby

Beide Teams zählen statistisch gesehen zu den stürmischsten Zweitliga-Teams, stehen aber im Tabellenkeller. Am Sonntag kommt es zum direkten Duell.

Abdoulie Ceesay vom St. Pauli bejubelt einen Treffer gegen Hannover 96.
2. Bundesliga

Vier Partien auf des Gegners Platz, viermal Unentschieden: Gegen den Tabellen-17. soll es für den "Kiezclub" jetzt endlich klappen mit dem ersten Auswärtserfolg - aber der Trainer warnt.

Verteidiger Kevin Ehlers von Eintracht Braunschweig

Der Abwehrspieler und Co-Kapitän spricht im NDR Interview über seinen Umgang mit Druck und will nichts von einem "Krisen-Derby" wissen.

Kolja Oudenne (Hannover), Mehmet Aydin (Braunschweig)

Beim Niedersachsenderby empfängt am Sonntag der Tabellen-15. den 14. - beide Teams brauchen einen Befreiungsschlag. Wer hat die Nase vorn? Der Data-Talk gibt Aufschluss.