Champions League
Bodø/Glimt - Der Masterplan vom Polarkreis
Nach der märchenhaften Champions-League-Reise 2025/26 trifft der FK Bodø/Glimt in der Königsklasse nun auf Bayern München und Borussia Dortmund. Der Fußballverein aus Norwegen steht für eine Erfolgsstory, die vielen Klubs als Vorbild dienen kann. Ein Besuch am Polarkreis.
Norwegische Kälte, ungewohnter Kunstrasen und lautstarke Fans: Stars wie Erling Haaland, Phil Foden oder Lautaro Martínez dürften den Verein Bodø/Glimt nicht in guter Erinnerung behalten. Als Favoriten in die kleine Küstenstadt gereist, ging es ohne Punkte nach Manchester oder Mailand zurück.
Lange bevor Bodø/Glimt seinen Tempofußball international zeigen konnte, musste sich der Verein neu erfinden. "Es waren harte, festgehaltene Regeln, wie wir den Klub führen wollten. Das war wichtig als Teil der Rettungsmission des Klubs", sagt Geschäftsführer Frode Thomassen rückblickend. Eine Mission, an der eine ganze Stadt beteiligt war.
Zunächst von Liga ausgeschlossen
Die Stadt Bodø - "Glimt" ist der ursprüngliche Vereinsname - liegt noch nördlich vom nördlichen Polarkreis. Der besondere Standort sorgte lange Zeit für den Ligaausschluss des Vereins: Der norwegische Verband hielt das Niveau im Norden des Landes für zu niedrig. Erst 1972 wurde dieses Verbot aufgehoben und Bodø/Glimt Teil des gesamtnorwegischen Ligasystems. Drei Jahre später gewann die "Gule Horde" ("gelbe Horde") dann als erster nordnorwegischer Verein den Pokal.
Bodø/Glimts Masterplan
Dass die ganze Kommune mit 53.000 Einwohnern hinter dem Verein steht, zeigte sich im Jahr 2010. Der Klub stand kurz vor der Insolvenz und konnte die eigenen Gehälter nicht mehr zahlen. Daraufhin spendeten Fischer ihren Fang, das Handballteam seine Ticketeinnahmen und Menschen ihre Pfandflaschen. Auch lokale Radiosender starteten Spendenkampagnen für den Verein.
Zeitgleich entwickelten die Verantwortlichen des Klubs Regeln, damit der Verein wieder gesünder wirtschaftet. "Wir sollten keine Kredite aufnehmen, wir sollten kein wirtschaftliches Risiko eingehen, wir sollten auf Spieler aus der Region setzen", sagt Frode Thomassen exemplarisch, damals Teil des Vorstands. Bis 2017 wurde der Verein nach diesen Regeln geführt, ehe Thomassen in einer neuen Position den nächsten Umbruch einleitete.
Kader aus (fast) nur Norwegern
Mit Impulsen aus seiner Zeit an der Universität und im Kulturministerium kehrte Thomassen als Geschäftsführer zurück. Er stellte den heutigen Erfolgscoach Kjetil Knutsen ein, der einen neuen Spielstil voller Tempo und aggressivem Pressing etablierte. Der Verein begann noch gezielter, norwegische Spieler zu entwickeln, zu verkaufen und das Geld zu reinvestieren.
Das Ergebnis ist ein Kader, der heute fast ausschließlich aus Norwegern besteht. "Wir ziehen alle an einem Strang und das ist viel einfacher mit Personen, die den gleichen Hintergrund und eine Kultur teilen", sagt Jens Petter Hauge. Der Offensivspieler wurde selbst im Verein ausgebildet und 2020 als Rekordtransfer für fünf Millionen Euro zum AC Mailand verkauft. Vor zwei Jahren kehrte er mit internationaler Erfahrung zurück und ist nun erneut Leistungsträger. Der norwegische Nationalspieler verkörpert die Strategie des Vereins damit wie kaum ein anderer.
Jetzt warten Bayern und Dortmund
Verbundenheit mit dem Verein, Kontinuität auf entscheidenden Positionen, ein ruhiges Umfeld - durch den langfristig gedachten Plan ist der Kaderwert von Bodø/Glimt in den letzten zehn Jahren auf über 70 Millionen Euro gestiegen. Dazu kommen vier Meistertitel, ein Halbfinale in der Europa League und der Einzug ins Champions-League-Achtelfinale 2026.
Doch die Norweger wollen sich auf diesen Erfolgen nicht ausruhen. In der Vereinsphilosophie "Our Way" ist der Anspruch festgehalten, sich jeden Tag weiterzuentwickeln und mutig neuen Herausforderungen zu stellen.
Zwei der nächsten Herausforderungen in der Königsklasse kommen aus Deutschland. Der FK Bodø/Glimt empfängt in der Ligaphase der Champions League Borussia Dortmund und reist zum FC Bayern München. Die beiden deutschen Top-Klubs sollten gewarnt sein. Mit einer klaren Strategie und einer Stadt, die geschlossen hinter dem Verein steht, kann Bodø/Glimt mittlerweile auch die "Großen" ärgern.