DFB-Pokal
"Extrem geil" - VfL Osnabrück trotz Pokal-Aus gegen Bayern stolz
Zumindest kurz durfte Fußball-Zweitligist VfL Osnabrück im DFB-Pokal gegen den großen FC Bayern vom Coup träumen. Trotz der 1:4-Niederlage überwiegt der Stolz. Nach dem "großen Zirkus" müssen sich Torschütze Robin Meißner und Co. aber schnell auf die Liga konzentrieren.
Wenn der große Harry Kane seinem Gegner zu einem "Wonder-Goal" gratuliert, dann kann der Abend so schlecht nicht gelaufen sein. "Es war schon sehr schön", sagte Robin Meißner mit einem müden Lächeln, nachdem er mit seinem Treffer in den Winkel den kleinen VfL auf die Sensation hatte hoffen lassen. Doch diese Hoffnung währte im Prinzip nur 13 Minuten. Bis Torjäger Kane selbst ausglich. Und so ergänzte Meißner: "Wenn man 1:4 verliert, ist man auch ein bisschen enttäuscht."
Das sah auch sein Trainer so: "Im Pokal geht es ums Weiterkommen, das haben wir heute leider nicht erreicht", sagte Timo Schultz. "Es war dennoch ein guter Abend für den Verein, die Mannschaft, die Stadt und die Region."
Auch, weil die Fans unter dem Motto "VfL Osnabrück geht ab wie Achterbahn" vermummte Puppen eine Achterbahnfahrt auf den Rängen machen ließen. Eine Anspielung auf das Auf und Ab des Clubs, der derzeit in der Zweiten Liga spielt.
Die Bremer Brücke hat schon viele Coups gesehen, ...
Dieser Pokal-Fight vor mehr als 15.000 Zuschauern reiht sich ein in eine lange Liste der Spiele, die dem Stadion an der Bremer Brücke einen ganz besonderen Ruf beschert hat. Die Rolle als Außenseiter gefällt den Osnabrückern. Das musste in den vergangenen Jahren besonders der HSV schmerzhaft erfahren. Ein Coup gelang 2017, als man trotz 70 Minuten Unterzahl den Bundesligisten rauswarf (3:1). 2009 zog der VfL durch ein 4:2 im Elfmeterschießen gegen den damaligen "Bundesliga-Dino" sogar in die dritte Runde ein.
2021 schied Zweitligist Werder Bremen in Osnabrück aus (0:2); Bundesligist Köln verhinderte 2023 das frühe Aus bei den Niedersachsen erst in der Verlängerung (3:1). Um nur ein paar Beispiele zu nennen.
"Das erste Tor war Wahnsinn. Man weiß natürlich, dass es in Osnabrück schwierig sein kann", sagte Bayern-Coach Vincent Kompany, dem auch eine Portion Erleichterung anzumerken war. "Es ist ganz früh in der Saison, wir müssen nur die Punkte holen und im Pokal weiterkommen. Das war heute wie ein Finale und das haben wir gewonnen."
... gegen die Bayern hätte aber "alles passen müssen"
Mund abputzen und weiter - das gilt im Prinzip auch für die Osnabrücker. Es war unterm Strich zwar die dritte Niederlage im vierten Pflichtspiel der noch jungen Saison. Aber eine, mit der zu rechnen war. Für eine Sensation "hätte alles passen müssen", sagte auch Schultz. Dazu gehört ein Favorit, der weit von seinem Leistungsmaximum entfernt bleibt. Diesen Gefallen taten die Münchner ihrem Gegner aber nicht.
Trotzdem brachte es Torhüter Jonas Krumrey auf den Punkt, als er sagte: "Das war eine super Kulisse. Das war ein extrem geiles Spiel, aus dem wir viel mitnehmen können für die Liga."
Dort hat der VfL nach den beiden Auftakt-Niederlagen zuletzt durch den 1:0-Erfolg in Bochum die Kurve gekriegt. Außerdem gelang es den Verantwortlichen zum Ende der Transferperiode, den Kader noch einmal sinnvoll zu verstärken. Der Blick ist die Zukunft ist also positiv.
Schultz: "Jetzt fährt der Zirkus wieder raus"
Weiter geht es am Sonntag (13.30 Uhr, im NDR Livecenter) mit dem Heimspiel gegen Eintracht Braunschweig. Schultz hofft, dass sich sein Team schnell wieder auf den wichtigeren Liga-Alltag fokussieren kann. "Es war ein guter Abend, ein besonderes Spiel für viele, der ganz große Zirkus war in der Stadt", sagte der 49-Jährige. "Aber ich denke, es ist ganz gut so, dass dieser Zirkus jetzt wieder rausfährt und wir uns auf unsere Saisonziele in der 2. Bundesliga konzentrieren können."
Da wird es nicht zuletzt auf den "Wonder-Goal"-Schützen Robin Meißner ankommen. Sorgen braucht sich Schultz, dem in der Saison 2006/2007 auch einmal ein Pokal-Tor gegen die Bayern gelang (1. Runde, 1:2 n.V.), um seinen Top-Scorer wohl keine zu machen. "Es ist klar, dass du gegen die Bayern über 90 Minuten nicht alles wegverteidigen kannst. Aber wir haben mutig gespielt", sagte Meißner. "Nach dem Sieg gegen Bochum war es der nächste Step in die richtige Richtung." Darauf könne der VfL aufbauen, wenn am Sonntag die Eintracht an die Bremer Brücke kommt.