DFB-Bundestag
Ausgliederung Frauen-Bundesliga: "Noch nichts erreicht" mahnt Wolfsburg
Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hat am Freitag bei seinem Außerordentlichen Bundestag die Ausgliederung der Frauen-Bundesliga beschlossen. Die FBL soll damit ab Juli 2027 selbst für die Liga zuständig sein. Frauenfußball-Direktorin Vanessa Bernauer vom VfL Wolfsburg warnt aber vor verfrühter Freude.
Die neue starke Frau bei den "Wölfinnen", die nach der vergangenen Saison den nach Dortmund gewechselten Ralf Kellermann ersetzt hat, bezeichnete den DFB-Beschluss als "historischen Schritt für den deutschen Frauenfußball". Die Vereine verwalten und vermarkten die Liga künftig selbst - durch Investitionen in dreistelliger Millionenhöhe soll der deutsche Frauenfußball in den kommenden Jahren wieder konkurrenzfähig gemacht werden. Der VfL hat an diesem Weg tatkräftig mitgearbeitet.
Bernauer sagt aber auch: "Es ist noch nichts erreicht. Ganz im Gegenteil: Die eigentliche Arbeit beginnt erst jetzt. Wir stehen vor einer sehr großen Herausforderung, welcher wir uns stellen müssen."
Filbry: "Ein schöner Tag für den Frauenfußball"
HSV-Vorständin Kathleen Krüger begrüßte die Entscheidung und den damit verbundenen Startschuss für den FBL e.V.: "Der heutige Beschluss ist ein weiterer Meilenstein auf dem Weg zu einer eigenständigen und zukunftsfähigen Entwicklung des Frauenfußballs."
Klaus Filbry vom SV Werder Bremen, der gleichzeitig Vorsitzender der DFB-Geschäftsführung und 2. Vizepräsident der Frauen-Bundesliga FBL e.V. ist, erklärte: "Es ist ein schöner Tag für den Frauenfußball. Trotzdem ist es auch Verpflichtung und Ansporn für den DFB und die 14 Gesellschafter zugleich, die Frauen-Bundesliga erfolgreich weiterzuentwickeln."
Für Krüger braucht es dafür "innovative Ideen, eine fanfreundliche Ausgestaltung der Spieltage und eine kontinuierliche Weiterentwicklung der Infrastruktur". Ihr Ziel ist es, "die Professionalisierung der Liga konsequent voranzutreiben, ihre Strukturen nachhaltig zu stärken und gemeinsam die Voraussetzungen für eine langfristig positive Entwicklung des Frauenfußballs zu schaffen" in Deutschland.
Kann die Bundesliga international noch mithalten?
Dass es eine Veränderung braucht, ist seit langer Zeit vorherrschende Meinung. Zu weit ist besonders die Women's Super League in England der Bundesliga finanziell enteilt - und lockt verstärkt deutsche Nationalspielerinnen aus der deutschen Eliteliga weg. Einzig Bayern München scheint im Konzert der Großen noch mitspielen zu können. Eintracht Frankfurt und auch Wolfsburg sind jüngst bereits in der Qualifikation zur Champions League gescheitert.
Besonders stark ist die Veränderung am internationalen Standing der VfL-Frauen abzulesen: 2013 und 2014 gewannen sie noch die "Königinnenklasse". In den Jahren 2016, 2018, 2020 und 2023 standen sie zudem im Finale. Doch schon 2023/2024 scheiterten sie in den Play-offs. In den beiden vergangenen Spielzeiten war dann - gegen Lyon und Barcelona - jeweils bereits im Viertelfinale Endstation.
Joint Venture zwischen DFB und FBL geplatzt
Eigentlich sah der Plan vor, dass der DFB und die FBL gemeinsame Sache machen, um den deutschen Frauenfußball wieder auf Vordermann zu bringen. Doch im Gerangel um Zuständigkeiten und Entscheidungsbefugnisse entzweiten sich die beiden Partner. Das angedachte Joint Venture kam nie zustande - und die Vereine, die aufgrund ihrer deutlich höheren geplanten Investitionen auch bei den wichtigen Entscheidungen das letzte Wort haben wollen, trieben die Sache allein voran.
DFB-Präsident Neuendorf: "Positive Entwicklung fortsetzen"
Nachdem der Liga-Verband FBL ins Leben gerufen worden ist, wurden nun beim DFB-Bundestag auch die vertraglichen Grundlagen abgesegnet, die die Übertragung der Liga möglich machen. Vor knapp drei Monaten hatten die 14 Erstliga-Clubs auf ihrer Mitgliederversammlung bereits einem mit dem DFB ausgehandelten Grundlagenvertrag zugestimmt.
Zuletzt verständigten sich die Parteien auf einen Pachtvertrag, der die Einzelheiten der Übertragung regelt. DFB-Präsident Bernd Neuendorf sprach von einem "entscheidenden Schritt für die Zukunft der Frauen-Bundesliga". Er sei überzeugt, "dass die Liga auf dieser Basis ihre positive Entwicklung fortsetzen und ihre sportliche wie wirtschaftliche Attraktivität weiter steigern kann".
Kommt die Frauen-Bundesliga-TV-Konferenz?
Anders als bei der DFL der Männer, ist die "Frauen-DFL" nur für die höchste deutsche Spielklasse zuständig und soll sich ab Juli 2027 selbst um die Durchführung und besonders die Vermarktung der Liga kümmern. Große Hoffnungen ruhen auf dem nächsten TV-Vertrag. Der Verkauf der TV-Rechte wurde wegen der Verhandlungen mit dem DFB zuletzt mehrfach verschoben.
Nun heißt es, dass die Ausschreibung in der Woche vom 28. September zumindest schon mal angekündigt werden soll. FBL-Präsidentin Katharina Kiel soll einigen Sendern und Medienunternehmen vor Wochen bereits verschiedene Ideen präsentiert haben.
Womit die Attraktivität des Rechteerwerbs an der Liga gesteigert werden soll, ist noch nicht bekannt. Wolfsburg und Bayern sollen sich allerdings bereits gegen mögliche Play-offs um die Meisterschaft ausgesprochen haben.
Realistischer erscheint da schon ein Vorschlag, den HSV-Vorstand Eric Huwer zum Ende der vergangenen Saison gemacht hatte, um sich vom Modell mit einer eigenen Anstoßzeit für jede einzelne Partie von Freitag bis Sonntag wieder zu verabschieden. Seine Idee: Ein Hauptanstoßzeitpunkt am Sonntagnachmittag - mit der Möglichkeit einer attraktiven TV-Konferenz. Dazu am besten ein Topspiel pro Spieltag, das sich extra vermarkten ließe.
Wolfsburgs Bernauer: "Es sind kluge Entscheidungen gefragt"
Seit der Saison 2023/2024 bekommen die Frauen-Bundesliga-Clubs jährlich 5,17 Millionen Euro brutto für die TV-Rechte. In Spanien gibt es knapp zwei Millionen Euro mehr, in England ist es sogar das Dreifache. Ohne weitere Investitionen der Clubs wird es aber trotzdem nicht gehen. Damit diese Gelder auch im Sinne der Vereine investiert werden, gibt es jetzt die FBL.
Aus Sicht von Wolfsburgs Bernauer, die selbst fünf Jahre in der Bundesliga, aber auch in ihrem Heimatland der Schweiz sowie in Spanien und Italien spielte, ist das Ziel des neuen Ligaverbands klar: "Wir wollen den deutschen Frauenfußball im internationalen Vergleich wieder nach vorne zu bringen", betonte die 38-Jährige. "Von daher sind in den nächsten Wochen und Monaten kluge Entscheidungen gefragt, um den Zug Frauen-Bundesliga wieder auf das richtige Gleis zu bringen." Und der DFB-Bundestag ist da - um im Bild zu bleiben - eben nur der Startbahnhof.