Trainer Fabian Hürzeler jubelt.
AUDIO: Hürzeler startet mit Brighton erfolgreich in die neue Saison (1 Min)

Dritter in der Premier League

Big in Brighton: Wie Fabian Hürzeler die Premier League aufmischt

Stand: 25.09.2026 08:13 Uhr

Fabian Hürzeler steht gerade mit seinem Club Brighton and Hove Albion in der Spitzengruppe der Premier League. Überraschend ist das nicht, denn der ehemalige Trainer des FC St. Pauli macht seine Mannschaften und sich selbst seit Jahren schon konstant besser.

von Tobias Knaack

Es läuft bei Hürzeler. Und also läuft er. Bei wichtigen Toren seiner Mannschaft sieht man den 33-Jährigen gerne mal entlang der Seitenlinie flitzen, springen, mit breit aufgestellten Beinen und zu Fäusten geballten Händen wild in Richtung Tribüne jubeln. In Energie und Pose erinnert Hürzeler in diesen Momenten ein wenig an Jürgen Klopp in Dortmund oder Liverpool.

In der zurückliegenden Woche hatte Hürzeler jedenfalls reichlich Gelegenheit für energiegeladene Ausbrüche: Das 5:0 bei Coventry City und das 3:0 gegen Arsenal London in der Premier League rahmten einen fulminanten 3:2-Comeback-Sieg im Liga-Pokal bei Manchester United perfekt ein. Elf Tore in drei Spielen, aktuell Rang drei in der Liga - keine Frage: Hürzeler rüttelt mit seinem Team zu Saisonbeginn gerade den englischen Fußball auf.

Lob für Hürzeler von England-Legende Shearer

Viele überschlugen sich speziell nach dem überzeugenden Erfolg über Arsenal in ihrem Lob, als das Hürzeler-Team den Meister fast über die komplette Spieldauer hinweg nicht zur Entfaltung hatte kommen lassen. Der Dominator der Vorsaison war dominiert worden. England-Legende Alan Shearer hob im Gespräch mit der BBC insbesondere die "Organisation" Brightons und das geschlossene Pressing hervor: "Jedes Mal, wenn sie es getan haben, haben sie den Ball bekommen. Sie machen es als Team, nicht allein oder zu zweit."

Trainer Fabian Hürzeler spricht mit seinen Spielern.
Coachen, coachen, coachen: Fabian Hürzeler (Mitte) im Gespräch mit Georginio Rutter.

Das kollektive Agieren und das gemeinsame Verständnis seien Ausdruck und Auszeichnung für die "harte Arbeit, das passiert nicht einfach so". Hürzeler verdiene Anerkennung dafür, wie er seine Mannschaft eingestellt habe. "Es hätten sechs oder sieben Tore sein können."

Pressing und präzises Positionsspiel

Die Klarheit und der Grad an Dominanz mögen überrascht haben, der Sieg an sich nicht. Hürzeler ist nach zwei Jahren bei Brighton längst auf der Insel etabliert. Und wer den Weg, die Aussagen und Ansichten des gebürtigen Texaners, der weite Teile seiner Kindheit in Freiburg und München verbrachte, schon etwas länger verfolgt, weiß um den Anspruch, den er an seine Arbeit und an die seines Teams stellt. Er will sich mit den Besten messen, sucht nach Lösungen für diese Herausforderungen, will besser werden - und natürlich Siege einfahren.

In der Vergangenheit ist ihm, der St. Pauli 2024 in die Bundesliga führte, das schon gegen das damals von Pep Guardiola trainierte Manchester City gelungen. Nun bekamen Arteta und Arsenal die volle Wucht des "Hürzeler-Balls" zu spüren: die Intensität, die Aktivität, das Pressing, das ausgefeilte Positionsspiel. Arteta sprach danach von einer "Lektion".

Besser, besser, besser

Auffällig ist: Hürzeler macht sich selbst und seine Mannschaften seit Jahren besser. Das war in Hamburg so, das war bislang in jeder abgeschlossenen Saison in England so. Die Platzierungen mit seinen Teams in den vergangenen drei Spielzeiten lagen jeweils höher, als es die von den Datenanalysten des Global Soccer Networks (GSN) ermittelten Kaderstärken hergegeben hätten.

In der Aufstiegssaison mit dem FC St. Pauli hatte die Mannschaft den viertstärksten Kader - und wurde souverän Erster. In der zurückliegenden Spielzeit hatte Brighton den GSN-Daten zufolge den elftstärksten Kader, wurde Achter und qualifizierte sich zum zweiten Mal in der Vereinsgeschichte für einen europäischen Wettbewerb.

Und persönlich hat sich Hürzeler von einem Trainer, den die Datenanalysten an der "Schwelle 2. Liga / Bundesliga" (2023/2024) sahen, binnen zwei Jahren in die Kategorie "Internationale Klasse" gecoacht (2025/2026).

Für Simon Jordan - Analyst und ehemaliger Vorsitzender von Crystal Palace - sind Hürzelers Wissensdrang und sein stetes Streben nach Verbesserung herausragend. "Everyday is a school day", sagte er in der Sportsendung "White and Jordan" bei "Talksport" über den 33-Jährigen. Frei übersetzt: Man lernt nie aus. Oder übertragen auf Hürzeler: Er kann jeden Tag etwas Neues lernen. Er darf das, er möchte das, er ist in der Hinsicht Überzeugungstäter. War es schon einst beim FC St. Pauli.

Aus seiner Zeit am Millerntor stammt die Selbstzuschreibung: "Ich bin jemand, der sehr gerne dazulernt. Jemand, der sich gerne freischwimmt und sich nicht lange in der Wohlfühloase aufhält." Und jemand, der von 24 Stunden des Tages "23 Stunden mit Fußball" verbringe, wie er einst - halb im Scherz, aber wahrscheinlich doch mit einer großen Annäherung an die Wahrheit - über sich gesagt hat.

Irvine lobt Hürzelers "Liebe zum Detail"

Hürzeler, dessen Vorname Fabian im Lateinischen so etwas wie "Bohnenpflanzer" bedeutet, ist auf Wachstum aus. Für sich selbst - und für sein Umfeld. Er kultiviert, bis es emporwächst, dem Licht entgegen. Er ist ein versessener und in Teilen auch besessener Arbeiter. Ein Tüftler. Ein Stratege. Einer, der versucht, dem situativen Sport Fußball Teile seiner Zufälligkeit zu nehmen. Mit Ambitionen, Anpassungsfähigkeit, Akribie.

Jackson Irvine, einst Hürzelers Zweitliga-Meister-Kapitän beim FC St. Pauli und mittlerweile in Osaka, sagte unlängst in einem Interview: "Seine Liebe zum Detail war wie nichts, was ich je zuvor erlebt habe. Es gab jeden Tag die Erwartung, unserem Spiel etwas Neues hinzuzufügen."

St. Paulis Trainer Fabian Hürzeler (l.) mit Jackson Irvine.
Einst erfolgreich beim FC St. Pauli: Jackson Irvine (r.) hält große Stücke auf Fabian Hürzeler.

Alles, was die Mannschaft gemacht habe, "hatte einen Sinn", so der Australier. "Du bist im Spiel nie in einer Situation, auf die du im Training nicht vorbereitet wurdest." Natürlich habe beileibe nicht alles geklappt: "Wir waren ja nicht Barcelona! Aber wir hatten das klarste Bild davon, was wir erreichen wollten, und alle haben an einem Strang gezogen." Das habe, so Irvine, den großen Erfolg begründet.

Vuskovic und Chema wechselten nach Brighton

Diese Kultur und Fehlerkultur scheinen auch im Süden Englands zu wirken. Sie reicht, zumindest in der Momentaufnahme, um die Granden der Premier League noch stärker zu ärgern als in der Vergangenheit. Und sie wirkt attraktiv: So entschied sich Luka Vuskovic, der in der vergangenen Saison auf Leihbasis für den HSV in der Bundesliga überzeugte, für einen Wechsel von Tottenham nach Brighton. Ebenso zog es Chema, der gegen Arsenal seinen Premierentreffer feierte, vom VfB Stuttgart zu den "Seagulls".

Schon während seiner Zeit in Hamburg hatte Hürzeler gesagt, dass er in seinem Team "Leader" wolle: "Ich will, dass sie neben mir wachsen." Das scheint beim 19-jährigen Vuskovic ebenso zu verfangen wie beim 35-jährigen Routinier Pascal Groß, der im Frühherbst des Jahres und dem Spätherbst seiner Karriere gerade seinen gefühlt vierten Frühling erlebt.

Wenn wir als Verein erfolgreich sind, wirst du als Einzelner glänzen. Brighton-Coach Fabian Hürzeler

In der Sportsendung "White and Jordan" erklärte Hürzeler nach dem Sieg über Arsenal, wie wichtig es ihm ist, eine Verbindung zu seinen Spielern aufzubauen: "Wenn wir als Verein erfolgreich sind, wirst du als Einzelner glänzen, und das müssen sie verstehen, sie müssen sich diesem Verein voll und ganz verschreiben."

Genauso versucht er auch in Richtung der Club-Verantwortlichen und der Fans zu wirken. Diese allumfassende Perspektive ist ein weiterer Punkt, den er neben seinen Posen beim Jubeln und seiner Liebe zum Pressing mit Neu-Bundestrainer Klopp gemein hat.

Im Oktober gegen Liverpool und Manchester City

Der Weg zu dessen Erfolgen und dessen Ruhm ist sicher weit, sein Talent aber beweist Hürzeler immer mehr. Und sein ehemaliger Kapitän Irvine ist sich sicher: "Es wäre wahrscheinlich keine Überraschung, wenn er irgendwann ein Auge auf den Job beim FC Bayern München wirft. Er ist ein bayerischer Junge, das ist sein Heimatverein."

Für den Moment aber konzentriert Hürzeler sich sicher schon wieder darauf, wie er mit Brighton noch stärker aus der Länderspielpause kommen kann. Ende Oktober stehen Spiele gegen Liverpool und Manchester City an - und damit neue Chancen, die Großen zu ärgern. Dem "Bohnenpflanzer" fällt bestimmt etwas ein.

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Dieses Thema im Programm:

NDR.de | Hürzeler startet mit Brighton erfolgreich in die Saison | 24.09.2026 | 12:51 Uhr

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