#NDRfragt-Umfrage: Vereine sind für Zusammenhalt unverzichtbar
Vereine bleiben für die Mehrheit der Befragten ein Muss: Sie stiften Gemeinschaft, bieten Spaß und Zusammenhalt. Dennoch sehen viele ein Nachwuchsproblem und fordern eine stärkere Förderung des Ehrenamts.
Sind Vereine ein Auslaufmodell? Die große Mehrheit der #NDRfragt-Community sieht das nicht so - im Gegenteil: 93 Prozent der Teilnehmenden erachten Vereine als wichtig für den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Sandra (54) aus dem Kreis Herzogtum Lauenburg sagt zum Beispiel: "Vereine sind in dieser digitalen Welt die einzigen sozialen Begegnungsstätten jenseits von Schule und Beruf und Familie, in denen Menschen sich noch committen." Und auch der 18-jährige Louis aus Hamburg ist Fan: "Vereine sind eine gute Alternative, um ein Gemeinschaftsgefühl zu entflammen, und dadurch ein Ventil gegen die gesellschaftliche Spaltung."
Alle Ergebnisse der nicht repräsentativen, aber gewichteten #NDRfragt-Umfrage können Sie hier nachlesen. An der Umfrage haben 22.150 Menschen aus Norddeutschland teilgenommen.
Anlass zur Umfrage war die NDR Publikumsaktion "VEREINt im Norden", die zeigen möchte, wie bunt Vereine im Norden sind. Auch im Rahmen der #NDRfragt-Umfrage haben viele Menschen von ihren Vereinen berichtet. Es meldeten sich Taubenfreunde und Klinikclowns, Kegelbrüder und Landfrauen, Hobby-Wikinger und Tabletop-Spieler, Feuerwehrleute und Kickboxerinnen - und das ist nur ein kleiner Ausschnitt. 60 Prozent der Befragten sind in einem oder mehreren Vereinen - die mit Abstand meisten von diesen (57 Prozent) sind in einem Sportverein.
Der Spaß lockt
Auf Platz eins der Motive, bei einem Verein mitzumachen, steht im ganzen Norden der Spaß (58 Prozent). Ebenfalls beliebt waren die Motive "Ich mag die Gemeinschaft" (50 Prozent), "Ich tue etwas für mich" (39 Prozent) und "Ich möchte helfen und etwas für mein Umfeld tun" (36 Prozent). Auffallend ist, dass die Selbstfürsorge in Hamburg besonders beliebt ist: Dort gaben 49 Prozent der Vereinsmitglieder an, etwas für sich tun zu wollen. In Mecklenburg-Vorpommern war dies nur für 33 Prozent der Grund, in einen Verein einzutreten - und lag damit deutlich hinter den Wünschen nach Spaß, Gemeinschaft und zu helfen.
"Auf Dörfern geht es nicht ohne Vereine"
Marc (38) aus dem Landkreis Ludwigslust-Parchim ist so jemand, der gerne mittendrin ist und etwas auf die Beine stellt: "Wir sind ein Dorfverein, in dem fast das halbe Dorf Mitglied ist. Wir richten Feste aus und schaffen mit den Erlösen neue Dinge fürs Dorf an." Marc ist sich sicher: "Der Mensch braucht soziale Kontakte und die Gesellschaft. Auf Dörfern geht es nicht ohne Vereine."
Mehrheit sieht Nachwuchsproblem
Bei aller Begeisterung für Vereine unter den Teilnehmenden sieht aber mit 79 Prozent auch eine deutliche Mehrheit ein Nachwuchsproblem. Sylvia (58) aus dem Kreis Schleswig-Flensburg meint, das könne an der Trägheit mancher Vereine liegen: "Einige Vereine tun sich schwer, den Schritt in eine modernere Struktur zu gehen." Auch Matthias (43) aus dem Heidekreis sieht hier ein Problem: "Es liegt ja auch immer daran, wie der Verein geführt wird. Ein Vorstand muss das schon attraktiv machen, mitzuwirken und sich auch für junge Leute und zugezogene Menschen öffnen."
Ehrenamt stärken: Nicht alles für lau machen
Attraktivere Angebote für jüngere Menschen schaffen: Das sehen 56 Prozent der Befragten als Top-Lösung, um Vereine zu stärken. Auf Platz zwei der gewählten Maßnahmen: die Förderung von ehrenamtlichem Arbeiten. Das sieht zum Beispiel Solveig (56) aus Bad Doberan so: "Wir als Gesellschaft, aber vor allem auch die Politik müssen das Ehrenamt wieder stärken. Zeiten ändern sich, auch ehrenamtliche Arbeit ist im Wandel. Für stabile ehrenamtliche Strukturen, ohne die unsere Gesellschaft zusammenbrechen würde, brauchen wir heutzutage auch bessere Anreize und können nicht mehr erwarten, dass junge und alte Ehrenamtler immer alles für lau machen."
Entlastung für Engagierte
Auch Katja (32) aus Hildesheim sieht im Ehrenamt und in einer zeitlichen Entlastung dafür die Lösung, denn es sei für viele Menschen heute einfach schwer, sich neben Vollzeitjob, Haushalt und Familie auch noch ehrenamtlich zu engagieren. "Ich finde es schade, dass sich dieses Keine-Zeit-Haben so negativ auf Vereine und ehrenamtliches Engagement auswirkt und finde, die Politik und Wirtschaft müssen Vereine da mehr unterstützen." Wie? Katja hat einen Vorschlag: "Zum Beispiel durch Konzepte wie: Arbeitgeber spenden einen Arbeitstag im Monat für die jeweiligen Vereine ihrer Mitarbeitenden."
Über diese Befragung
Die Antworten stammen aus der Umfrage "#NDRfragt: Vereine im Norden - wichtiger denn je oder überholt?", an der sich 22.150 Menschen aus Norddeutschland beteiligt haben.
Für die Ergebnisse wurden Antworten ausgewertet, die vom 20. April bis zum 4. Mai 2026 um 6 Uhr abgegeben wurden. Unsere Analyse konzentriert sich auf das norddeutsche Stimmungsbild und wertet gezielt die Antworten aus Schleswig-Holstein, Hamburg, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Bremen aus. Die Umfragen werden online ausgefüllt.
Die Ergebnisse der Befragung sind nicht repräsentativ. Wir haben sie allerdings nach den statistischen Merkmalen Alter, Geschlecht, Bundesland, Schulabschluss und Familienstand gewichtet. Das heißt: Antworten von Bevölkerungsgruppen, die unter den Befragten seltener vertreten sind als in der norddeutschen Bevölkerung, fließen stärker gewichtet in die Umfrage-Ergebnisse ein. Und die Antworten von in der Befragung überrepräsentierten Gruppen werden schwächer gewichtet. Insgesamt verteilen sich die Antworten dann am Ende eher so, wie es der tatsächlichen Verteilung der Bevölkerungsgruppen in Norddeutschland entspricht.
Abweichungen von 100 Prozentpunkten in Grafiken sind rundungsbedingt oder ergeben sich aus der Antwortoption "keine Angabe".
Mitarbeit
Umfrageerstellung: Kathrin Bädermann und Nora Köhler
Datenanalyse: Lisa Richter
Was ist #NDRfragt?
#NDRfragt ist das Meinungsbarometer für den Norden. Über 68.000 Menschen haben sich bereits für die Community angemeldet. Registrierte Mitglieder erhalten regelmäßig Einladungen zu neuen Umfragen per E-Mail. Das #NDRfragt-Team wertet die Ergebnisse aus und der NDR berichtet in seinen Programmen darüber. So wird das, was Sie denken und meinen, Teil der politischen und gesellschaftlichen Debatte.