Stromausfall: Diese Schäden melden die Gemeinden in SH
Tage nach dem Stromausfall an der Westküste kämpfen viele Menschen noch mit den Folgen. Besonders beschädigte Heizungen bereiten Probleme. Das zeigen Rückmeldungen aus mehreren Gemeinden.
Von kaputten Ladekabeln und WLAN-Routern bis hin zu beschädigten Heizungen und durchgeschmorten Schaltschränken: Durch die Überspannung im Stromnetz sind in zahlreichen Haushalten in Schleswig-Holstein Schäden entstanden. Wie groß das Ausmaß ist, wird nach dem Stromausfall am Sonntag in vielen Gemeinden erst nach und nach sichtbar.
Viele Haushalte melden Schäden
"Alle Bereiche sind kunterbunt betroffen - bei einem ist es die Heizung, bei anderen der Geschirrspüler", berichtet Albersdorf (Kreis Dithmarschen) Bürgermeister Günther Abraham (SPD) dem NDR Schleswig-Holstein.
Geschätzt könnten in 100 bis 150 Haushalten im westlichen Teil der Gemeinde Schäden entstanden sein. In Bokhorst (Kreis Steinburg) geht Bürgermeister Daniel Schreiber (GWB) davon aus, dass fast jeder Haushalt betroffen ist - also etwa 50 bis 60 Haushalte.
Heizungen in drei Seniorenwohnanlagen ausgefallen
Eine kaputte Heizung könnte gerade bei den kalten Temperaturen besonders problematisch werden - und das nicht nur in Privathaushalten: In Schafstedt (Kreis Dithmarschen) sind laut Bürgermeister Harald Mahn (KWG) die Heizungen in allen drei Seniorenwohnanlagen mit insgesamt 20 Wohnungen ausgefallen. Übergangsweise seien mobile Heizlüfter aufgestellt worden.
"Das größte Problem sind die Heizanlagen, gerade bei dem Wetter", sagt auch Friedrichstadts (Kreis Nordfriesland) Bürgermeister Uwe Eisenmann (CDU). Auch die Heizung im Rathaus sei kaputt. Teilweise könne es bis zu zwei Wochen dauern, bis neue Platinen geliefert werden. In allen vier Gemeinden hat es dazu noch in Privathaushalten Wärmepumpen, teilweise mit Photovoltaikanlagen, erwischt.
450 Geflüchtete müssen umziehen
Auch in der Landesunterkunft in Seeth (Kreis Nordfriesland) sind durch den Blackout erhebliche Schäden entstanden. 450 Geflüchtete, die meisten von ihnen aus der Ukraine, müssen noch in dieser Woche umziehen, weil die Heizungen und das Abwassersystem nicht mehr richtig funktionieren. Das teilte das Sozialministerium am Mittwoch mit. Als Ausweichstandorte sind die Landesunterkünfte in Rendsburg und Bad Segeberg vorgesehen.
Viele Betroffene wissen nicht, wer für die Schäden aufkommt
Laut den Bürgermeistern verunsichert die Betroffenen vor allem die Frage nach der Kostenübernahme. In Bokhorst hätten sich viele Bürgerinnen und Bürger gefragt, an wen sie sich wenden müssen, ob ihre Versicherung einspringe und ob sie sofort Ersatzgeräte beschaffen könnten, berichtet Bürgermeister Schreiber.
Ähnliche Sorgen hört Schafstedts Bürgermeister Mahn. Gerade für ältere Menschen sei die Schadensabwicklung eine Herausforderung. SH Netz hat inzwischen auf seiner Website ein zentrales Schadensformular eingerichtet, über das Kundinnen und Kunden Schäden melden können. Laut Angaben des Betreibers haben sich bereits rund 2.000 Geschädigte gemeldet. Alle Anliegen sollen individuell geprüft werden, heißt es in einer Mitteilung von SH Netz. Aufgrund der Vielzahl der Anfragen werde es bis zu einer Antwort eine gewisse Zeit dauern.
Folgen des Stromausfalls: Auch Unternehmen betroffen
In Erfde (Kreis Schleswig-Flensburg) betreibt Paul Braun einen Waschpark für Autos. Erst Montagmittag konnte er nach eigenen Angaben einen Teil seiner Waschboxen provisorisch in den Betrieb nehmen. Er geht von Reparaturkosten von bis zu 8.000 Euro aus, die er für die Elektrik ausgeben muss. Dazu komme der Ausfall mehrerer Waschboxen.
Handwerksbetriebe ausgelastet
Außerdem sind Handwerksbetriebe nach Angaben der Bürgermeister derzeit stark ausgelastet. Viele Betroffene warteten auf Reparaturtermine und auch die Ersatzteile müssten erstmal besorgt werden. Laut Hanerau-Hademarschens (Kreis Rendsburg-Eckernförde) Bürgermeister Thomas Deckner (CDU) sind die Techniker im Dauereinsatz. Er gehe trotzdem davon aus, dass es noch Wochen dauern werde, bis alle Schäden behoben sind.
Bokhorsts Bürgermeister Schreiber appelliert daher an den Netzbetreiber SH Netz, den Bürgerinnen und Bürgern unbürokratisch zu helfen.
Heizungen kosten unter Umständen mehrere Tausend Euro, das kann sich nicht jeder einfach so mal leisten. Bokhorsts Bürgermeister Daniel Schreiber (GWB)
Kläranlage in Bokhorst ausgefallen
Auch öffentliche Einrichtungen und Infrastruktur sind von den Schäden durch den Stromausfall betroffen. In Friedrichstadt fielen auf dem Bauhof Bewegungsmelder aus, in Schafstedt teilweise die Straßenbeleuchtung. In Bokhorst musste die Gemeinde am Sonntag dafür sorgen, dass die Kläranlage nach dem Stromausfall wieder funktionierte.
Laut Dithmarschens Landrat Torben Schütt (CDU) kam es auch zu Problemen im Wasserwerk in Linden. "Dieses Wasserwerk war und ist noch in einem Notbetrieb. Durch die Überspannung sind dort Geräte kaputtgegangen," so Schütt.
Weitere Schäden könnten erst später auffallen
Wie hoch der Gesamtschaden ist, lässt sich noch nicht in den einzelnen Gemeinden beziffern. Wenn man sich auf dem Wochenmarkt in Friedrichstadt umhört, könnte fast jeder betroffen sein. Bürgermeister Eisenmann schätzt nach Gesprächen mit Bürgerinnen und Bürgern, dass mindestens die Hälfte der Haushalte irgendeinen Schaden erlitten haben könnte.
Außerdem würden manche Defekte erst nach und nach bemerkt. In Friedrichstadt sei beispielsweise eine Wallbox des örtlichen Dörpsmobils durchgebrannt. Der Schaden fiel erst beim nächsten Ladeversuch auf. Trotz der zahlreichen Schäden lobt Eisenmann die schnelle Wiederherstellung der Stromversorgung durch SH Netz.