LNG-Terminal Stade: Niedersachsen will Ende der Hängepartie
Wird das geplante LNG-Terminal in Stade jemals in Betrieb gehen? Niedersachsen warnt davor, weiter Zeit zu verlieren. Wirtschaftsminister Tonne fordert den Bund auf, das Problem zu lösen.
Niedersachsen erwartet, dass das geplante LNG-Terminal in Stade zügig den Betrieb aufnimmt. Wirtschaftsminister Grant Hendrik Tonne (SPD) hat die beteiligten Unternehmen und den Bund dazu aufgerufen, die bestehenden Probleme aus dem Weg zu räumen. "Es ist jetzt an der Zeit, voranzukommen", sagte Tonne im Gespräch mit dem NDR Niedersachsen. "Das werden wir als Bundesland und Wirtschaftsministerium nicht nur freundlich erbitten, sondern das erwarten wir auch." Das Terminal sei nicht gebaut worden, weil allen Beteiligten nichts Besseres eingefallen ist, so Tonne. "Es ist notwendig - und deswegen soll es auch betrieben werden."
Spezialschiff liegt nicht mehr in Stade
Der Flüssiggas-Anleger in Stade ist im Großen und Ganzen fertig - der Bau lag in den Händen des Landes Niedersachsen. Doch dann geriet das Projekt ins Stocken. Das Spezialschiff "Energos Force" sollte seit März 2024 als schwimmendes Terminal dienen. Darüber sollte das Gas ins Netz eingespeist werden - bis heute ist das nicht passiert. Weil das Schiff teuer ist, hat Deutschland die Energos Force nun quasi "untervermietet". Der Tanker ist vorerst im Mittelmeer im Einsatz.
Niedersachsen kann sich Vermittler-Rolle vorstellen
Die Hängepartie hat offenbar mit einem Streit zwischen den beteiligten Unternehmen zu tun. Der staatliche Terminalbetreiber Deutsche Energy Terminal (DET) und das Hamburger Konsortium Hanseatic Energy Hub (HEH) müssen dem Vernehmen nach noch verschiedene Fragen klären und Restarbeiten erledigen. Es geht um den sicheren Betrieb der Anlage. Für Niedersachsens Wirtschaftsminister Tonne ist es "zweitrangig", wer für die Verzögerungen verantwortlich ist. Entscheidend sei jetzt, dass sich Bund und Unternehmen einigen. Niedersachsen sei auch bereit, zu vermitteln.
Tonne warnt: "Nicht entspannt zurücklehnen"
Tonne kann die Verzögerungen nicht nachvollziehen. Er sieht Stade als wichtigen Baustein, um Deutschlands Energieversorgung auch im Krisenfall sicherzustellen. "Jetzt beziehen wir einen Großteil unseres Gases aus Norwegen. Wir wissen, wie fehler- und störungsanfällig es ist, wenn wir uns im Wesentlichen auf Einen konzentrieren", erklärte der SPD-Politiker. "Wir haben keine Veranlassung, jetzt in eine Laissez-faire-Haltung zu gehen. Also, all diejenigen, die sich jetzt zurücklehnen und sagen, 'es ist doch eigentlich alles ganz entspannt', denen kann ich nur sagen: ich warne davor, mit einer solchen Haltung da heranzugehen." Mit dieser Aussage reagiert Tonne auch auf Kritiker, die das LNG-Terminal in Stade für überflüssig bzw. klimaschädlich halten.
IHK Elbe-Weser verlangt mehr Tempo
Auch die Wirtschaft wartet darauf, dass in Stade endlich Flüssiggas ankommt. Dass es nicht voran geht, hält die IHK Elbe-Weser für problematisch. "Gerade bei einem Projekt, das unter großem Zeitdruck und hoher Dringlichkeit initiiert wurde", sagt Martin Bockler, Leiter Standortpolitik. "Jede Verzögerung schafft Unsicherheit bei den Unternehmen, die auf Planungssicherheit angewiesen sind." Wie es in Stade weitergeht und wann das Spezialschiff wieder Kurs auf Deutschland nimmt, ist offen. Laut Bundeswirtschaftsministerium laufen Gespräche mit den beteiligten Unternehmen - mit dem Ziel, die ausstehenden Arbeiten in Stade fertig zu stellen. "Einen Zeitraum kann ich Ihnen hier nicht benennen", teilte eine Ministeriumssprecherin dem NDR mit.