LNG-Terminal Stade: Niedersachsen will Ende der Hängepartie

Stand: 22.07.2025 14:14 Uhr

Wird das geplante LNG-Terminal in Stade jemals in Betrieb gehen? Niedersachsen warnt davor, weiter Zeit zu verlieren. Wirtschaftsminister Tonne fordert den Bund auf, das Problem zu lösen.

von Torben Hildebrandt

Niedersachsen erwartet, dass das geplante LNG-Terminal in Stade zügig den Betrieb aufnimmt. Wirtschaftsminister Grant Hendrik Tonne (SPD) hat die beteiligten Unternehmen und den Bund dazu aufgerufen, die bestehenden Probleme aus dem Weg zu räumen. "Es ist jetzt an der Zeit, voranzukommen", sagte Tonne im Gespräch mit dem NDR Niedersachsen. "Das werden wir als Bundesland und Wirtschaftsministerium nicht nur freundlich erbitten, sondern das erwarten wir auch." Das Terminal sei nicht gebaut worden, weil allen Beteiligten nichts Besseres eingefallen ist, so Tonne. "Es ist notwendig - und deswegen soll es auch betrieben werden."

Spezialschiff liegt nicht mehr in Stade

Der Flüssiggas-Anleger in Stade ist im Großen und Ganzen fertig - der Bau lag in den Händen des Landes Niedersachsen. Doch dann geriet das Projekt ins Stocken. Das Spezialschiff "Energos Force" sollte seit März 2024 als schwimmendes Terminal dienen. Darüber sollte das Gas ins Netz eingespeist werden - bis heute ist das nicht passiert. Weil das Schiff teuer ist, hat Deutschland die Energos Force nun quasi "untervermietet". Der Tanker ist vorerst im Mittelmeer im Einsatz.

Schwimmendes LNG-Terminal (sieht aus wie ein Tanker) auf Rügen.

Mehr Unabhängigkeit vom russischen Gas? Die sollten schwimmende LNG-Terminals bringen. Ist der Plan aufgegangen?

Niedersachsen kann sich Vermittler-Rolle vorstellen

Die Hängepartie hat offenbar mit einem Streit zwischen den beteiligten Unternehmen zu tun. Der staatliche Terminalbetreiber Deutsche Energy Terminal (DET) und das Hamburger Konsortium Hanseatic Energy Hub (HEH) müssen dem Vernehmen nach noch verschiedene Fragen klären und Restarbeiten erledigen. Es geht um den sicheren Betrieb der Anlage. Für Niedersachsens Wirtschaftsminister Tonne ist es "zweitrangig", wer für die Verzögerungen verantwortlich ist. Entscheidend sei jetzt, dass sich Bund und Unternehmen einigen. Niedersachsen sei auch bereit, zu vermitteln.

Tonne warnt: "Nicht entspannt zurücklehnen"

Tonne kann die Verzögerungen nicht nachvollziehen. Er sieht Stade als wichtigen Baustein, um Deutschlands Energieversorgung auch im Krisenfall sicherzustellen. "Jetzt beziehen wir einen Großteil unseres Gases aus Norwegen. Wir wissen, wie fehler- und störungsanfällig es ist, wenn wir uns im Wesentlichen auf Einen konzentrieren", erklärte der SPD-Politiker. "Wir haben keine Veranlassung, jetzt in eine Laissez-faire-Haltung zu gehen. Also, all diejenigen, die sich jetzt zurücklehnen und sagen, 'es ist doch eigentlich alles ganz entspannt', denen kann ich nur sagen: ich warne davor, mit einer solchen Haltung da heranzugehen." Mit dieser Aussage reagiert Tonne auch auf Kritiker, die das LNG-Terminal in Stade für überflüssig bzw. klimaschädlich halten.

Das LNG-Schiff "Energos Forcevon" von hinten.

Kein Schiff ist in Sicht - offenbar gibt es Unstimmigkeiten zwischen den Beteiligten.

IHK Elbe-Weser verlangt mehr Tempo

Auch die Wirtschaft wartet darauf, dass in Stade endlich Flüssiggas ankommt. Dass es nicht voran geht, hält die IHK Elbe-Weser für problematisch. "Gerade bei einem Projekt, das unter großem Zeitdruck und hoher Dringlichkeit initiiert wurde", sagt Martin Bockler, Leiter Standortpolitik. "Jede Verzögerung schafft Unsicherheit bei den Unternehmen, die auf Planungssicherheit angewiesen sind." Wie es in Stade weitergeht und wann das Spezialschiff wieder Kurs auf Deutschland nimmt, ist offen. Laut Bundeswirtschaftsministerium laufen Gespräche mit den beteiligten Unternehmen - mit dem Ziel, die ausstehenden Arbeiten in Stade fertig zu stellen. "Einen Zeitraum kann ich Ihnen hier nicht benennen", teilte eine Ministeriumssprecherin dem NDR mit.

Der Industriehafen Stade wird für das geplante Import-Terminal für Flüssigerdgas an Land erweitert.

Das schwimmende LNG-Terminal lag fast ein Jahr lang im Stader Hafen, ohne dass Flüssigerdgas an Land transportiert wurde.

Umweltaktivisten vom BUND demonstrieren vor dem Bundesverwaltungsgericht in Leipzig.

Verstöße gegen den Naturschutz sah das Bundesverwaltungsgericht nicht. Die Umweltorganisation reagierte enttäuscht.

Das Spezialschiff Höegh Esperanza liegt fest am LNG-Terminal in Wilhelmshaven.

Die EU-Kommission genehmigte eine Fördermaßnahme für insgesamt vier schwimmende LNG-Terminals in Brunsbüttel, Stade und Wilhelmshaven.

Dieses Thema im Programm:

NDR Fernsehen | Hallo Niedersachsen | 21.07.2025 | 19:30 Uhr

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