Was ist schon "normal"? Linay Má ist TikTokerin mit Behinderung
Auf Instagram und TikTok teilt Linay Má Videos über Mode, Sport, Lifestyle und ihr Leben mit Behinderung. Mehr als 200.000 Menschen folgen der Frau aus Hannover. Für ihre Posts bekommt sie aber auch Hasskommentare.
Linay Má drückt auf den roten Record-Knopf ihres Handys. Ein Countdown zählt herunter, dann startet das Video. In ihrem Wohnzimmer in Hannover zeigt die 32-Jährige ihr Outfit: ein weißer Blazer, eine schwarze Stoffhose, braune Ballerinas. Während der Corona-Pandemie hat sie mit Social Media angefangen - zuerst aus Langeweile. "Ich habe bei den ersten Videos relativ schnell gemerkt, dass die ersten Fragen kommen: Was ist mit den Armen? Ist das ein Filter? Warum sieht das so komisch aus? Dann habe ich irgendwann angefangen, darüber zu sprechen."
Hasskommentare unter ihren Videos
Linay Má wurde mit dem TAR-Syndrom geboren - eine genetische Erkrankung, bei der die Speichenknochen in ihren Unterarmen fehlen. Eine Behinderung, die viele nicht kennen und die Aufmerksamkeit auf sich zieht. "Ich werde sehr oft angeguckt. Es gibt sehr viele positive Blicke, aber es gibt auch sehr negative Blicke. Das typische Glotzen bleibt nicht aus." Und Hasskommentare auf Social Media auch nicht. Vor allem, als sie ihre ersten Videos hochlädt, schicken zahlreiche Userinnen und User Beleidigungen - Worte wie "T-Rex" oder Dino-Emojis. Die 32-Jährige löscht keinen einzigen. Das sei Realität, sagt sie. "Ich habe trotzdem weitergemacht", erzählt Linay. Mittlerweile bekommt sie viele positive Nachrichten von Menschen, die sie inspirieren, Komplimente zu ihrem Aussehen.
Menschen mit Behinderung kaum sichtbar
Die 32-Jährige möchte auf Social Media nicht aufklären. Vielmehr zeigt sie ihren Alltag, ihre Interessen, ihre Beziehung, ihre Urlaube. Ihr Leben mit Behinderung. Trotzdem: Menschen mit Behinderung seien in Verbindung mit Beauty- und Lifestylethemen kaum sichtbar, findet sie. "Alles, was mit Schönheit zu tun hat: Werbung, Social Media, Fernsehen - Menschen mit Behinderung kommen da nicht so oft vor. Wenn ich an mich zurückdenke, ich hatte nie Vorbilder, was das angeht. Ich musste mein eigenes Vorbild werden."
Im Teenageralter: Zweifel an ihrem Körper
Gerade in ihrer Teenagerzeit verändert sich ihre Beziehung zum eigenen Körper. Sie fühlt sich unwohl, versteckt auf Fotos ihre Arme, sieht sich selbst nicht gern im Spiegel an. Das ändert sich, als sie älter wird, Männer kennenlernt und auf Dates geht. "Auf Internet-Plattformen habe ich zuerst immer nur Selfies von mir gemacht, auf denen man meine Arme nicht gesehen hat. Das hat dann die ein oder andere komische Situation ausgelöst, wenn ich die Männer dann im realen Leben getroffen habe", erzählt sie.
Selbstliebe: "Ich werde für immer so bleiben"
Schließlich entscheidet die Hannoveranerin: Sie will sich nicht mehr verstecken, sondern so sein, wie sie ist. "Wenn ich in den Spiegel gucke, sehe ich meine Arme gar nicht. Es ist nicht so, als würde ich das verdrängen, das absolut nicht. Aber es ist nichts, worauf ich mich fokussiere. Weil ich es nicht in der Hand habe, ich kann es nicht verändern und ich werde für immer so bleiben. Dementsprechend habe ich das komplett akzeptiert."