Kita-Einsturz in Wolfsburg: Suche nach Ursache und Antworten
Vier Tage nach dem teilweisen Einsturz der Martin-Luther-Kindertagesstätte kommen weiter Menschen zum Schachtweg. Während Ermittler auf schweres Gerät warten, sucht der Träger Betreuungsplätze für die 88 Kinder, die ihren Kindergarten verloren haben.
Sausthab Talukdar und Tonmoyee Rani Neog stehen am Bauzaun und versuchen, einen Blick auf die zerstörte Martin-Luther-Kita am Schachtweg zu erhaschen. Noch immer kommen Wolfsburger auf den großen Parkplatz vor dem Gelände. Talukdar erinnert sich genau an den Sonntagmorgen: Kurz nach neun Uhr habe er in der Küche Frühstück vorbereitet, als plötzlich alles in seiner Wohnung vibrierte. Jetzt will er mit eigenen Augen sehen, was passiert ist. Seine Wohnung liege nur 300 Meter entfernt, erzählt er. "Auch wenn ich noch keine Kinder habe", sagt er, "fühle ich mit den Eltern mit."
"Zum Glück war es ein Sonntag"
Auch Christian Berndt, Superintendent des evangelisch-lutherischen Kirchenkreises Wolfsburg-Wittingen, steht noch unter dem Eindruck der Zerstörung. Seine erste Reaktion, als er die Nachricht hörte: "Gott sei Dank, es ist Sonntag." Denn an einem Werktag wären viele Kinder und Mitarbeiter in dem Gebäude gewesen. Vermutlich nur deshalb wurde bei dem Unglück niemand verletzt. Am Dienstag traf Berndt Eltern, Erzieherinnen und Erzieher sowie einige Kinder. Neben der Erleichterung sei dabei vor allem eine Frage zu hören gewesen: Wie geht es jetzt weiter? Und wo werden meine Kinder künftig betreut? Und wie weit ist der Weg dorthin?
Betreuungsplätze für 88 Kinder gesucht
Vorerst sind die 88 Kinder aus fünf Gruppen zu Hause bei ihren Eltern. Der Kirchenkreis möchte die Kinder in anderen Einrichtungen unterbringen. Dabei sollen die Gruppen möglichst zusammenbleiben und weiterhin von ihren vertrauten Erzieherinnen und Erziehern betreut werden. Für die Familien bedeutet das dennoch einen völlig neuer Alltag. "Manche müssen ihr Kind künftig quer durch die Stadt bringen", sagt Berndt. Auch persönliche Dinge lägen noch in der Kita - darunter Kuscheltiere, Mappen und Erinnerungsstücke der Kinder. "Ob wir sie bergen können, wissen wir nicht."
500 Essen müssen anderswo gekocht werden
Der Einsturz trifft nicht nur die Betreuung der Kinder. In der Küche der Kita wurden täglich rund 500 Essen zubereitet - auch für andere Kitas und Schulen. Die Produktion wurde inzwischen auf drei andere Küchen verteilt, und auch die meisten Mitarbeiter sind nun dorthin gewechselt. Auch bei der Auslieferung musste der Kirchenkreis improvisieren: Das bisherige Fahrzeug kann nicht genutzt werden, weil die Schlüssel in den Trümmern liegen. Stattdessen kommen zwei Kleinbusse aus der Jugendarbeit zum Einsatz. Berndt sagt, die Beschäftigten hätten die Versorgung in Rekordzeit neu organisiert.
Unfallstelle soll am Mittwoch freigeräumt werden
Warum Teile der Kita am Sonntagvormittag einstürzten, ist weiterhin unklar. Nach Angaben der Polizei war der von der Staatsanwaltschaft beauftragte Gutachter am Montag erstmals vor Ort. Eine vollständige Untersuchung war aber nicht möglich. "In den Räumen liegen zu viele Trümmer", sagt Melanie aus dem Bruch von der Polizeiinspektion Wolfsburg. "Einige Bereiche sind dadurch nicht zugänglich." Am kommenden Mittwoch soll nun zunächst ein Baufahrzeug die Trümmerteile zur Seite räumen.
Erkenntnisse zur Unglücksursache frühestens nächste Woche
Erste Erkenntnisse zur Unfallursache erwartet die Polizei deshalb frühestens kommende Woche. Sowohl ein technischer Defekt als auch Fremdverschulden sollen untersucht werden. Hinweise auf einen Anschlag gebe es bislang nicht. Der Schaden liegt nach erster Schätzung im hohen sechsstelligen Bereich. Das Gelände bleibt abgesperrt.