Judith mit dem Haupt des Holofernes, Öl auf Holz 1525

Warum werden die biblischen Frauen verschwiegen?

Stand: 24.09.2026 09:45 Uhr

Obwohl Sara, Eva oder Judit herausragende Rollen in der Bibel spielen, kommt nur rund ein Drittel dieser Frauengestalten in den Lesungen im Gottesdienst vor. Warum werden diese Mütter, Retterinnen und Prophetinnen ignoriert?

von Andreas Brauns

Die Bibel ist zwar ein Bestseller, viele Glaubende hören allerdings nur in Gottesdiensten Texte aus der Heiligen Schrift. Und was da vorgelesen wird, haben vor mehr als 60 Jahren allein Männer festgelegt. Ausgewählt wurden die Texte aus einem rein männlichen Blickwinkel. Von den Frauen in der Bibel wollte man nicht viel wissen. Ihre Geschichten werden verschwiegen, ignoriert oder ausradiert. Wenn Frauen heute lesen, was in den Büchern der Bibel von Frauen geschrieben steht, dann stellen sie den Kirchenmännern unbequeme Fragen.

Mehr als Eva und Maria: Frauen sind in der Bibel unsichtbar

Etwa: Warum geht es in den Texten so oft nur um die großen Männer der biblischen Bücher? Neben diesen "einsamen" Helden, gibt es auch Frauen, von denen viele allerdings fast unsichtbar sind. Dabei gibt es mehr als Eva, Sara und Maria.

Frauen werden in der Bibel in ein falsches Licht gerückt

Ein Drittel der in den Büchern der Bibel erwähnten Frauen kommt in den Lesungen in den Gottesdiensten gar nicht vor, bei anderen sind die Geschichten stark gekürzt. Dadurch werden Frauen in ein falsches Licht gerückt. Bei den Männern wurde beim Auswählen der Überlieferungen Wert daraufgelegt, welche Erfahrungen sie mit ihrem Gott machen, wie sie sich zu ihm bekennen. Bei Frauen fällt das schon mal unter den Tisch. Dass Abrahams und Saras ägyptische Sklavin Hagar bekennt: "Du bist ein Gott, der mich sieht!", wird im Gottesdienst verschwiegen. Dabei sagt dieser Gottesname so viel aus über den Menschen, der gesehen und geachtet werden möchte.

Wann weitet sich endlich der männliche Blick aus Frauen?

Es ist wohl noch ein langer Weg, bis in den Gottesdiensten die Geschichten der starken Frauen der Bibel ihren Platz finden - sich der Blick weitet von den Männern in den Geschichten hin zu den beeindruckenden Frauen und ihren Glaubenserfahrungen.

Eine goldene Marienfigur steht auf dem Marienplatz umgeben von Lichtpunkten.

Weltweit feiern am 15. August weltweit Mariä Aufnahme in den Himmel - und damit ihre Ankunft bei Gott.

Dieses Thema im Programm:

Kirche im NDR | 26.09.2026 | 09:15 Uhr

Info

Die Evangelische und Katholische "Kirche im NDR" ist verantwortlich für dieses Onlineangebot und für die kirchlichen Beiträge auf allen Wellen des NDR.