Eine junge Frau reckt voller Freude ihren Arm in die Höhe.

Manchmal bin ich mutig, manchmal bin ich vorsichtig

Stand: 22.09.2026 12:02 Uhr

Pippi Langstrumpf gilt als mutig, stark und selbständig. Sie hebt ihr Pferd mit einer Hand hoch und besiegt sogar starke Zirkusartisten. Aber nicht jedes Mädchen oder jede Frau kann so cool wie Pippi sein.

von Christina Hitscher-Kleszcz

"Sei Pippi, nicht Annika." Diesen Spruch habe ich auf einer Damentoilette gelesen. Ich finde ihn ziemlich doof. Ich war nämlich immer Annika. Meine große Schwester war Pippi Langstrumpf, die Heldin aus den Büchern unserer Kindheit. Das hatte sie so entschieden.

Cool und unangepasst: Jede soll wie Pippi sein

Pippi und Annika. Die eine mutig und immer für ein Abenteuer zu haben. Die andere vorsichtig und eher darauf bedacht, dass niemand zu Schaden kommt. Und natürlich soll man Pippi sein, cool und unangepasst. Aber warum eigentlich? Im echten Leben bin ich ja auch nicht ständig nur die eine. Manchmal bin ich mutig. Manchmal bin ich vorsichtig. Manchmal gehe ich voran und manchmal denke ich erst mal: Muss das jetzt wirklich sein?

Frauen sollen alles sein und alles können

Und ich glaube, genau da wird es interessant. Frauen bekommen ziemlich viele Vorstellungen davon vermittelt, wie sie sein sollen: selbstbewusst, aber bitte nicht zu laut. Stark, aber nicht anstrengend. Unabhängig, aber auch nicht zu unabhängig. Und am besten noch entspannt dabei.

"Ich war Annika - und bin ganz gern die, die ich bin"

Ich brauche keinen weiteren Spruch, der mir sagt, welcher Typ ich sein soll. Vielleicht reicht: sei du. Nicht, weil jede Eigenschaft an mir großartig ist. Sondern weil ich nicht ständig versuchen muss, jemand anderes zu werden. Meine Schwester durfte Pippi sein. Ich war Annika. Und inzwischen denke ich: Ich bin ganz gern die, die ich bin.

Pippi Langstrumpf mit dem Affen Herr Nilson auf der Schulter.

Gerechtigkeit und Mitgefühl leiten Pippis Handeln - ein unangepasstes Vorbild bis heute. Vor 80 Jahren erschien das Buch in Schweden.

Eine Frau mit blonden Haaren sitzt an einem Schreibtisch und schreibt in ein Buch.

In ihren zwischen 1939 und 1945 entstandenen Tagebüchern schildert die Autorin den Zweiten Weltkrieg aus der Perspektive einer Mutter und Humanistin.

Dieses Thema im Programm:

Kirche im NDR | Radiokirche bei N-JOY | 22.09.2026 | 19:40 Uhr

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