Deutsche Seemannsmission: Seelsorge gilt allen Seeleuten
Als offizielles Gründungsdatum der organisierten Deutschen Seemannsmission gilt der 29. September 1886. Seit 140 Jahren sind sie Anlauftstelle für Seeleute aus aller Welt und bieten ein Zuhause auf Zeit.
Nicht Hamburg, Kiel oder Rostock. Die Deutsche Seemannsmission erlebt ihren Stapellauf in Hannover. Am 29. September 1886 - also vor 140 Jahren - gründen hier evangelische Vereine das "Komitee für die kirchliche Versorgung der deutschen Seeleute im Ausland". So schildert es Kapitän zur See Johann Friedrich Meuß in seinem Artikel für die Marine-Rundschau:
"Vergegenwärtige man sich einmal die kirchliche Lage unserer Seeleute; [monatelang durchfahren sie das Meer,] kein Kirchthurm weist sie nach oben, sonntags ruft sie keine Glocke. Und nun kommen sie ans Land. Der Aufenthalt in den Hafenstädten ist ein für Leib und Seele gleichermaßen gefährlicher. Muß nicht die Kirche ihnen hier das Wort Gottes in ihrer Muttersprache nahe bringen?” Johann Friedrich Meuß aus "Die deutsche Seemannsmission" in der Marine-Rundschau
Seemannsmission bietet Schlafplätze und Gottesdienste
Die Seefahrt boomt um 1900. Als Kolonialmacht schickt das Kaiserreich seine Schiffe rund um den Globus, fast 50.000 Seeleute. In den Häusern der Seemannsmission gibt es preiswerte Schlafplätze, Leseräume, Gottesdienste. Und der Pastor kümmert sich - wenn gewollt, dass die Heuer an die Familien zuhause geht. Die Liegezeiten damals dauern oft Wochen, heute sind es manchmal bloß Stunden. Viele Seemannsmissionen sind nun Tageseinrichtungen, wie der Seemannsclub Bremerhaven. Geöffnet an 365 Tagen, 15 bis 22 Uhr. Uwe Baumhauer ist hier Seemannspastor:
"Kann man sich vorstellen wie ein riesengroßes Wohnzimmer, ein Basketballfeld, ein Außenbereich mit Grün, eine kleine Kapelle, ein Raum der Stille und es besteht die Möglichkeit zu Gesprächen oder Sachen einzukaufen." Uwe Baumhauer, Pastor in der Seemannsmission Bremerhaven
Und der Seemannspastor hat ein offenes Ohr für das, was den Seeleuten auf der Seele liegt:
Traurige Ereignisse, aber auch schöne und fröhliche Ereignisse, zum Beispiel die Geburt der eigenen Tochter. Und diese Leute das Bedürfnis haben, das mit jemandem zu teilen, der nicht an Bord mitfährt. Es können Dinge im Zusammenhang mit der Arbeit an Bord sein, Auseinandersetzungen." Uwe Baumhauer, Pastor in der Seemannsmission Bremerhaven
140 Jahre Anlaufstelle für Seeleute aus aller Welt
Die Deutsche Seemannsmission, 140 Jahre, weltweit da in 33 Häfen; Institution und Anlauflaufstelle. 30.000 Gäste waren es im vergangenen Jahr allein im Seemannsclub Bremerhaven. Seelsorge gilt hier allen Seeleuten. Egal welcher Nationalität oder welchen Glaubens.