"Hand in Hand": Ein "Käffchen" in Neubrandenburg als Türöffner

Stand: 07.12.2025 20:48 Uhr

Das spendenfinanzierte Projekt "Käffchen" in Neubrandenburg will Menschen helfen, die oft alles verloren haben - um zurückzukehren in ein "Leben ohne Sucht".

von Ricarda Zunk

Die Kaffeemaschine surrt, wohlig und warm strömt der Duft durch die Küche. Ronny Völkert-Zoschke und drei seiner Kolleginnen und Kollegen bereiten gemeinsam ein Frühstück vor. Sie backen Brötchen auf, richten Wurst, Käse und Obst an. Und natürlich gehört der Kaffee dazu. Der hat schon fast Symbolbedeutung in der Fachstelle zur Überwindung sozialer Schwierigkeiten beim Arbeiter-Samariter-Bund in Neubrandenburg. "Es ist vielleicht erst mal nur eine Tasse Kaffee, aber die Tasse Kaffee öffnet meistens viele andere Türen, durch die wir gemeinsam mit den Leuten gehen können", sagt der Diplomsozialarbeiter.

Angebot für Obdachlose

"Käffchen", so heißt das spendenfinanzierte Projekt, das seit Sommer 2024 läuft. Jeden Freitagmorgen können wohnungslose Menschen kommen und frühstücken. Wer möchte, kann duschen, seine Sachen waschen und sich in der Kleiderkammer neu einkleiden. Die Menschen, die das Angebot nutzen, hätten oft alles verloren, auch den Glauben an sich selbst, erzählt Ronny Völkert-Zoschke. Für die Betroffenen sei es schwierig, herkömmliche Hilfsangebote zu nutzen. Bei ihnen hätten sich oft über Jahre innere Hürden entwickelt.

Probleme der Klienten herausfinden

"Der Auslöser war, als dass wir gemerkt haben, dass wir zu einigen Klientengruppen gar keinen oder nur schwer Zugang bekommen", erzählt Ralf Preußentanz, der das Projekt "Käffchen" leitet. Außerdem sei immer mehr Bedarf nach einem Ort da, wo sie mit Menschen reden können, die die gleichen Problemlagen haben. "Man könnte zu einem Alkoholiker sagen: Geh' doch zu einer Suchtberatung oder geh' doch zur Schuldnerberatung, wenn du Schulden hast", so Preußentanz. Das Problem sei aber oft, dass sich bei den meisten Klienten erst im Laufe der Zeit herausstellen würde, welche Probleme dahinterstecken.

Auf die Menschen zugehen, wenige Fragen stellen

Vor allem für Menschen mit komplexen Problemlagen haben die Mitarbeitenden des Arbeiter-Samariter-Bundes das "Käffchen" ins Leben gerufen. Das Besondere ist, dass das Angebot niederschwellig ist, dass es keinerlei Beschränkungen gibt und jeder kommen kann. "Wir versuchen, dass der Mensch einfach bei uns ankommen und sich wohlfühlen kann", erklärt Ronny Völkert-Zoschke. Er und sein Team stellen nur wenige Fragen. Wer bereit sei für mehr, der könne Hilfe und Beratung bekommen. "Manchmal kommen aber auch Leute, die trinken ihren Kaffee, essen ihr Brötchen und gehen wieder los. Die reden gar nicht mit uns, das ist auch okay", so Ralf Preußentanz.

Behutsamer Anfang für Veränderungen

Für andere dagegen ist das "Käffchen" ein erster behutsamer Anfang, sich selbst zu hinterfragen und etwas zu ändern im Leben. Auch Karsten hat das "Käffchen" einige Male besucht. Er hatte eine schwierige Kindheit und Jugend. Im Alter von 13 Jahren nahm er das erste Mal Drogen. Er litt unter Mobbing, brach eine Ausbildung ab. "Dann ging es erst richtig los. Ich war 19, 20 Jahre habe keine Perspektive gehabt und dann eigentlich jeden Tag konsumiert", erzählt er. Auch Alkohol wurde für ihn zur Sucht. Hinzu kamen massive psychische Probleme.

"Hier wird jedem geholfen"

Heute ist er regelmäßiger Gast im "Käffchen". Er schätze die Atmosphäre. "Als Mensch angenommen zu werden, ist hier relativ einfach, weil jeder jeden unterstützt. Hier wird eigentlich jedem geholfen, der Hilfe sucht", so Karsten. Vom Alkohol und den Drogen ist er weg und arbeitet inzwischen in der Holzwerkstatt der Einrichtung. "Hier sägen wir gemeinsam, werkeln und basteln eigentlich sinnbildlich an dem Leben und an dem eigenen Vorankommen", sagt Ronny Völkert-Zoschke mit einem Schmunzeln.

Karstens Leben hat wieder Struktur bekommen. "Ich hab mich fast schon um 180 Grad gedreht", erzählt er mit Stolz. Für die Zukunft wünscht er sich, wieder selbstständig zu werden und in Vollzeit zu arbeiten

Mehrere Menschen halten ihre Hände zusammen.

Mit seiner Aktion unterstützt der NDR wohltätige Zwecke und das Ehrenamt im Norden. 3.000 Projekte wurden so schon gefördert.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Fernsehen | Nordmagazin | 07.12.2025 | 19:30 Uhr

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