"Hand in Hand": Alkohol in der Schwangerschaft - Noahs Leben mit FASD

Stand: 11.12.2025 21:11 Uhr

Der dreijährige Noah hatte mehrere Promille Alkohol im Blut, als er zur Welt kam. Er ist körperlich und geistig geschädigt, sein junges Leben stark beeinträchtigt. Zusammen mit seinen Pflegeeltern hilft ihm der Mirower Verein "Querleben".

von Heike Becker

In Deutschland werden jährlich etwa 10.000 Kinder mit Fetaler Alkoholspektrumstörung (FASD) geboren. Sie haben körperliche und geistige Schädigungen, die durch Alkoholkonsum in der Schwangerschaft verursacht werden. FASD ist die häufigste Ursache für nicht genetisch bedingte Fehlbildungen. Fachleute sagen, das dies die einzige Behinderung sei, die zu 100 Prozent vermeidbar wäre.

Pflegeeinrichtung für Kinder mit FASD

Kinder mit FASD haben unterschiedlich schwere Schäden, die Eltern sind oft nicht in der Lage sie zu versorgen. Nicht selten greift dann das Jugendamt ein, Pflegeeltern werden gesucht. Bis diese jedoch gefunden sind, werden die Kinder in Pflegeeinrichtungen untergebracht. Eine davon ist in Mirow (Landkreis Mecklenburgische Seenplatte) und wird vom Verein "Querleben" betrieben.

Mehrere Promille Alkohol im Blut von Baby Noah

Mit Hilfe des Vereins hat auch Noah seine Pflegeeltern gefunden. Noah ist drei Jahre alt. Für sein Alter ist er viel zu klein. Er kann noch nicht sprechen, ist intelligenzgemindert. Mutter Anja erzählt, wie sie ihn aus dem Krankenhaus als Baby abgeholt hat. Er hatte mehrere Promille Alkohol im Blut. Die leibliche Mutter hatte kein Interesse an dem Kind. Fast ein Jahr hat Mutter Anja mit Noah im Krankenhaus verbracht, hier bekamen sie auch endlich Noahs Diagnose: Fetale Alkoholspektrumsstörung. Die Diagnose war auch in Noahs Fall ein langwieriger Prozess. FASD-Symptome sind schwer erkennbar. Dabei ist die Diagnose so entscheidend, um Betroffenen angemessen helfen zu können.

Ambulante Hilfe für Eltern

Kinder mit FASD schlafen nachts nur in Etappen, Noah durfte zudem nur Spezialnahrung zu sich nehmen. Dennoch sagt Anita: "Wir lieben ihn, er ist unser Baby." Inzwischen haben Anja und ihr Mann auch das Sorgerecht. Für Familien wie die von Noah bietet der Verein "Querleben" Unterstützung an. Die betroffenen Eltern treffen sich hier, können sich austauschen. Inzwischen sind es 37 Familien, die durch den Verein betreut werden. "Allein ist das für Eltern nicht zu schaffen", sagt Christiane Thederan, die Leiterin der Einrichtung. Der Verein betreut aber auch noch eine vollstationäre Einrichtung in der Villa Kunterbunt. Derzeit sind sechs Kinder mit FASD hier untergebracht und warten darauf, dass sich Pflegefamilien finden. Unter ihnen ist auch ein Neugeborenes.

Deutschlandweit einmalig

Normalerweise nehmen Kurzzeitpflegeeinrichtungen Kinder erst ab dem sechsten Lebensjahr auf. In Mirow sind es auch Neugeborene. Ein deutschlandweites Alleinstellungsmerkmal, zumal gerade bei Neugeborenen auf den Mitarbeitern noch einmal eine deutlich größere Verantwortung liegt. "Wir erhalten beinahe täglich zwischen fünf und zehn Anfragen der Unterbringung", sagt Christiane Thederan. Und weil der Bedarf so groß ist, wollen sie ihre Einrichtung erweitern, beziehungsweise neu bauen. Dafür wird viel Geld benötigt. Die NDR Benefizaktion "Hand in Hand für Norddeutschland" will den Verein unterstützen.

Die Psychologin Lina Schwerg freut sich über einen Preis.

Lina Schwerg hat ein Screening entwickelt, um eine Fetale Alkoholspektrumstörung erkennen zu können. Dafür erhielt sie den FASD Award.

Mehrere Menschen halten ihre Hände zusammen.

Mit seiner Aktion unterstützt der NDR wohltätige Zwecke und das Ehrenamt im Norden. 3.000 Projekte wurden so schon gefördert.

Geldtransaktion am Laptop

Das Konto ist eröffnet. Mit Ihrer Spende unterstützen Sie Projekte für die mentale Gesundheit von Kindern und Jugendlichen.

Dieses Thema im Programm:

NDR Fernsehen | Nordmagazin | 11.12.2025 | 19:30 Uhr