Eine junge Frau hat ein Maßband um ihren Bauch gebunden.
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Essstörung Bulimie: Eine junge Frau erzählt vom Kampf mit ihrem Körper

Stand: 04.12.2025 08:00 Uhr

"Alle sind dünn, alle haben den perfekten Körper" - dem Druck von Social Media hält Klara* nicht Stand. Sie entwickelt eine Essstörung, bekommt die Diagnose Bulimie und braucht eine Therapie. Hier berichtet sie von ihrem Kampf - erst gegen sich selbst und dann gegen die Krankheit.

In Mecklenburg-Vorpommern leben Schätzungen zufolge mehrere Zehntausend Menschen mit Essstörungen. Viele von ihnen sind sehr jung. Klara ist 21 Jahre alt und kommt aus Nordwestmecklenburg. Auch sie war sehr jung, als ihre Essstörung begann. Angefangen hat alles schon mit elf, zwölf Jahren: erst kaum Appetit, später unkontrollierte Essanfälle und schließlich Bulimie. Heute wiegt sie 67 Kilo bei einer Größe von 1,70 Meter. Doch auch nach einer Therapie hat sie noch mit der Krankheit zu tun. Wie sehr, erzählt sie selbst:

Social Media macht Klara Druck

Es ist sehr lange her, dass ich in den Spiegel geguckt habe und mir dachte: Ja, heute mag ich meinen Körper. Ich bin viel auf Social Media und da ist dieses Bild: Alle sind dünn und alle haben den perfekten Körper. Gerade auf TikTok ist das so bei diesem "SkinnyTok", dass seit einem Jahr hoch gehypt wird. Wenn man das so jeden Tag sieht, macht das einen gewissen Druck auf einen.

Alexander von Dömming und Eva-Maria Guhl

Der Psychologe Alexander von Dömming sieht in der Zunahme der Erkankungen auch den steigenden Gebrauch von Social Media.

Probleme mit dem Aussehen - zu einer Zeit sehr extrem

Mit 17 war es das erste Mal, als ich mich zu dick gefühlt hab. Zu der Zeit habe ich wahrscheinlich 60 Kilo gewogen, denke ich. Ich hatte schon das ganze Leben lang Probleme mit meinem Körper, mit meinem Gesicht, mit meinem Aussehen, aber zu der Zeit sehr extrem. Da war dann auch das erste Mal, wo ich dachte: Ja, ich muss jetzt abnehmen, weil ich sonst nicht glücklich werde. Da habe ich das erste Mal Kontakt gehabt mit dieser klassischen Bulimie.

Zum Erbrechen hinter den Hühnerstall

Ich weiß noch, damals habe ich mich nicht getraut, das auf Toilette zu machen. Da bin ich immer hinten auf den Hühnerhof gegangen und habe das heimlich gemacht. Ich habe mich damals dafür geschämt, dass ich das mache. Dann bin ich auch auf Arbeit, weil ich so wenig gegessen habe, das erste Mal ein bisschen zusammengebrochen. Ich habe dann damit weitergemacht, nur habe ich mehr gegessen und dementsprechend mehr ausgespuckt.

Endlich gesund werden

Dann so Anfang 2024 habe ich auf einmal einen Schub gehabt, ich wollte gesund werden. Ich habe versucht normal zu essen und bin das erste Mal in Therapie gekommen. Da habe ich dann die Diagnose Bulimie bekommen.

Kaum essen und Fressanfälle wechseln sich ab

Aktuell ist es immer so ein Hin und Her. Manchmal habe ich in den letzten Monaten sehr starke Fressanfälle gehabt - meist auch Chips und Süßigkeiten. Ich habe aber auch Tage, wo ich mich sehr schlecht fühle, weil ich soviel gegessen habe. Dann habe ich eine kurze Phase, in der ich fast gar nichts esse oder wo ich einfach mehr spazieren gehe als sonst und versuche, die Kalorien zu verbrennen.

Akzeptieren, wie ich bin

Natürlich wünsche ich mir auch endlich einen Körper zu haben, der für mich perfekt ist. Aber eigentlich würde ich mir wünschen, gesund zu sein, endlich normale Essgewohnheiten zu haben und mich so akzeptieren zu können, ja, wie ich bin.

"Hand in Hand" - Unterstützung für Beratungsangebote

Klara möchte mit der Unterstützung von KISS in Schwerin eine Selbsthilfegruppe für junge Menschen mit Essstörungen gründen. Damit solche Gruppen entstehen und sicher begleitet werden können, braucht der Verein Spenden - zum Beispiel für Beratungsangebote und digitale Infrastruktur. Die Spenden aus der NDR Benefizaktion "Hand in Hand für Norddeutschland" soll auch KISS zu Gute kommen.

*Name von der Redaktion geändert

Vier Personen sitzen im Stuhlkreis.

Manche Jugendliche rutschen früh in eine Sucht. Die Selbsthilfegruppe "Newcomer" in Schwerin setzt genau dort an.

Mehrere Menschen halten ihre Hände zusammen.

Mit seiner Aktion unterstützt der NDR wohltätige Zwecke und das Ehrenamt im Norden. 3.000 Projekte wurden so schon gefördert.

Geldtransaktion am Laptop

Das Konto ist eröffnet. Mit Ihrer Spende unterstützen Sie Projekte für die mentale Gesundheit von Kindern und Jugendlichen.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Nachrichten aus Mecklenburg-Vorpommern | 04.12.2025 | 05:50 Uhr