Cybersicherheit
AfD laut Experte durch Hackerangriff schwer getroffen
Nach einem Hackerangriff auf E-Mail-Konten der AfD sollen rund 421.000 Mails veröffentlicht worden sein. Die Partei spricht von wenigen, überwiegend alten Postfächern. Cybersicherheitsexperte Mirko Ross hält den Schaden für erheblich. Unter dem Material seien auch Mitgliederlisten, Finanzdaten, Ausweisdokumente und Daten aus dem Jahr 2026. Die Echtheit der Daten ist weiterhin unklar.
- Unter den mutmaßlich erbeuteten AfD-Daten befinden sich laut Cybersicherheitsexperte Ross zahlreiche sensible Informationen.
- Woher die mutmaßlichen AfD-E-Mails stammen und wer sie veröffentlicht hat, ist unklar.
- Cybersicherheitsexperte Ross schätzt den Schaden für die AfD als enorm ein.
Bei einem Hackerangriff sind nach Angaben der AfD Daten aus E-Mail-Konten der Partei erbeutet worden. Wie die Partei am Dienstag mitteilte, kam es zu dem Angriff bereits im September dieses Jahres.
Angeblich Hunderttausende AfD-Mails veröffentlicht
Am Montag hatten Unbekannte in sozialen Netzwerken Daten veröffentlicht, bei denen es sich um rund 421.000 AfD-E-Mails handeln soll. Nach Angaben der Veröffentlichenden stammen sie aus zehn Postfächern, darunter einem Account auf den Namen des früheren AfD-Parteichefs Alexander Gauland sowie einem Konto, das von der AfD früher als Kontakt für die Bundesgeschäftsstelle genannt wurde.
Ein Sprecher der AfD berichtete hingegen von Teilen "einiger weniger Mail-Postfächer", die widerrechtlich kopiert worden seien. Die meisten Postfächer seien seit Jahren nicht mehr genutzt worden. Aktuelle Postfächer seien nicht betroffen.
Man kann nicht davon sprechen, dass es sich hier nur um alte und wenige Daten handelt. Mirko Ross, Cybersicherheitsexperte
Der Cybersicherheitsexperte Mirko Ross hält das Ausmaß des Datenlecks dennoch für erheblich. Unter dem Material seien neben E-Mails auch Anhänge, Mitgliederlisten, Finanzdaten und Ausweisdokumente. Zudem seien Daten aus dem Jahr 2026 enthalten. "Man kann nicht davon sprechen, dass es sich hier nur um alte und wenige Daten handelt", sagte Ross, der früher selbst Hacker war, im Gespräch mit MDR AKTUELL.
Ein Großteil der Daten stamme Ross zufolge aus Nordrhein-Westfalen. Allerdings sei auch die Kommunikation mit anderen Landesverbänden betroffen. In dem Material finde sich zudem der Austausch mit aktuellen und früheren Spitzenpolitikern der AfD. Welche möglicherweise brisanten Informationen über einzelne Politiker darin enthalten seien, werde sich nach Einschätzung des Experten erst in den kommenden Tagen zeigen.
Herkunft der AfD-Daten unklar
Im Internet kursiert der Link zu einer Webseite, auf der eine Übersicht der angeblichen AfD-Mails dargestellt ist. Die anonyme Seite wurde nach Recherchen der Nachrichtenagentur dpa erst Mitte Oktober registriert. Sie gibt keine Auskunft über die Herkunft der Daten und veröffentlicht keine Mailinhalte. Diese sollen über ein separates Datenarchiv verfügbar sein.
Nach Angaben von Ross wurde die Webseite von Personen erstellt, die das Material aus dem Datenleck erhalten oder selbst ausgewertet hätten. "Woher die Daten stammen, wissen wir erstmal nicht", erklärte Ross im Gespräch mit MDR AKTUELL. Die Verantwortlichen hinter der Veröffentlichung seien weiterhin anonym.
Nach Einschätzung von Ross hätten sie sich bewusst vor einer Identifizierung geschützt, da ihnen die Strafbarkeit ihres Vorgehens bekannt sei. Das eigentliche Datenarchiv sei über das dezentrale BitTorrent-Netzwerk verbreitet worden und lasse sich deshalb nicht mehr ohne Weiteres löschen.
AfD will veröffentlichte Mails prüfen
Die AfD erklärte weiter, der Angriff sei rasch erkannt und beendet worden. Alle Nutzer seien entsprechend informiert worden. "Die jetzt erfolgte Onlineveröffentlichung vermutlich eines Teils dieser Daten wird geprüft", hieß es. Eine erste Einschätzung dazu könne erst nach Abschluss dieser Prüfung gegeben werden.
Der Schaden ist sehr groß für die Partei. Mirko Ross, Cybersicherheitsexperte
Cybersicherheitsexperte Ross hält den möglichen Schaden für die Partei für erheblich. Besonders kritisch sei die Veröffentlichung persönlicher Informationen. Zudem ermöglichten die internen Nachrichten nach Einschätzung des Experten Einblicke in mögliche Unterschiede zwischen der öffentlichen Darstellung der AfD und ihrer internen Kommunikation. "Der Schaden ist sehr groß für die Partei", sagte Ross.
Ross sieht außerdem erhebliche datenschutzrechtliche Fragen. Die AfD müsse den Vorfall bei den zuständigen Datenschutzbehörden melden und aufklären, wie die Daten in fremde Hände gelangt seien. Dabei sei noch offen, ob die Informationen durch einen Angriff von außen erbeutet oder von jemandem mit internem Zugang zu den IT-Systemen weitergegeben worden seien.
MDR/dpa (lde, jst)