Einführung 2028 geplant
Wird E20 der neue Billigsprit?
Deutschland rüttelt am geplanten Verbrenner-Aus. Gemeinsam mit Frankreich will die Bundesregierung erreichen, dass auch nach 2035 in der EU noch Neuwagen mit Verbrennungsmotor zugelassen werden. Gleichzeitig soll der Kraftstoff klimafreundlicher werden: Bundesverkehrsminister Steffen Bilger will die Einführung von Benzin mit einem höheren Bioanteil vorantreiben. Konkret geht es um E20. Was hinter diesem Kraftstoff steckt und was die Einführung für Millionen Autofahrer bedeuten würde, hat sich Marius Rudolph angeschaut.
- E20 wird derzeit an wenigen Test-Tankstellen erprobt, der ADAC geht aber davon aus, dass fast alle Benziner E20 tanken könnten.
- E20 dürfte günstiger als E10 werden, da der höhere Bioethanol-Anteil nicht unter den CO₂-Preis fällt.
- Umweltschützer kritisieren den Flächenverbrauch, Forscher verweisen auf Abfälle als Alternative.
Aktuell gibt es in Deutschland nur vier Tankstellen, an denen bereits E20 getankt werden kann – allerdings nur für einen festen Kundenkreis, der an einer Testphase teilnimmt. Denn noch ist dieses Benzin in Deutschland nicht zugelassen. "Wir haben halt Vorschriften, die das noch nicht erlauben, dass E20 an den Verbraucher abgegeben wird", erklärt Stefan Walter, Geschäftsführer des Bundesverbands der deutschen Bioethanolwirtschaft. Deshalb dürften bisher nur geschlossene Gruppen E20 tanken, denn für solche Testzwecke sei das erlaubt. "Deshalb kann dann da nicht jeder dahinfahren und da mitmachen."
Getestet wird unter anderem, wie die Fahrzeuge auf den neuen Kraftstoff reagieren. Denn das E20-Benzin besteht bis zu 20 Prozent aus Bioethanol. Das kann bei älteren Autos zu Schäden an Dichtungen oder Tankleitungen führen. Florian Wagner vom ADAC Sachsen sagt aber, dass Benziner ab Baujahr 2012 mit E20 keine Probleme haben sollten. "Wenn wir wie bisher auch davon ausgehen, wer E10 tanken darf, darf auch E20 tanken, dann sind das, so können wir das in der Statistik ablesen, 90 bis 99 Prozent aller Benziner, die in Deutschland angemeldet sind."
E20 sollte an der Tankstelle günstiger sein als E10
Hergestellt wird das Bioethanol aus nachhaltigen Rohstoffen wie Zuckerrüben, Kartoffeln oder Getreide. Je mehr Bioethanol ins Benzin kommt, desto höher ist der nichtfossile Anteil des Kraftstoffs. Bei E20 lassen sich so bis zu 20 Prozent CO2 einsparen, erklärt Stefan Walter. Das zeige sich auch beim Literpreis. "In Deutschland gibt es ja den CO2-Preis seit einigen Jahren für Kraft- und Heizstoffe. Und die erneuerbare Komponente, also in dem Fall die 20 Prozent Ethanol, die werden von dem CO2-Preis nicht erfasst." Allein dieser Anteil liege beim Liter bei fünf bis sechs Cent, so Walter.
Wenn die Politik schnell die rechtlichen Rahmenbedingungen schafft, könnte E20-Benzin ab 2028 in Deutschland verkauft werden, sagt Walter. Er schätzt, dass der Literpreis dann knapp unter dem für E10 liegen könnte.
Eine Million Tonnen Weizen für Sprit-Produktion
Gegenwind für die Pläne gibt es von der Deutschen Umwelthilfe. Referentin Caroline Tiefenbach sagt, dass die Produktion der in Deutschland genutzten Bio-Kraftstoffe schon jetzt eine Fläche belegen, die fast so groß sei wie Schleswig-Holstein. In Zeiten hoher Lebensmittelpreise sei es nicht zu vertreten, noch mehr Nahrungsmittel für die Produktion von Benzin zu nutzen. "2024 wurden allein in Deutschland fast eine Million Tonnen Weizen zu Ethanol verarbeitet. Das sind umgerechnet fast drei Millionen Brote – und das jeden Tag. Also, drei Millionen Brote, die statt auf dem Teller dann eben im Tank landen."
... drei Millionen Brote, die statt auf dem Teller dann eben im Tank landen. Caroline Tiefenbach, Deutsche Umwelthilfe
Dieses Teller-Tank-Problem lässt aber relativ einfach lösen, sagt Frank Atzler, Professor für Verbrennungsmotoren und Antriebstechnik an der TU Dresden. Statt Lebensmittel könnten auch Reststoffe wie Abfälle oder Tierdung genutzt werden, um erneuerbares Benzin herzustellen. Atzler verweist auf eine neue Toyota-Studie, laut der in Europa genug dieser Ressourcen vorhanden sind. "Das heißt, die gesamte Benzinfahrzeugflotte könnten sie mit E50 betreiben. Und jetzt wollen wir nur E20. Also, die Versorgung mit E20 sehe ich überhaupt nicht gefährdet. Das kriegen wir auf jeden Fall hin."
Fraglich ist allerdings, ob Autofahrer das E20-Benzin überhaupt wollen. Denn bei der Einführung von E10 vor etwa 15 Jahren war die Nachfrage aufgrund der Sorge vor möglichen Schäden am Auto verhalten. Inzwischen tanken etwa ein Drittel der Benziner in Deutschland E10. Die große Mehrheit setzt aber weiter auf das altbekannte E5, das im Schnitt sogar einige Cent teurer ist.