Nach Rizin-Vorfall in Gera
Gift-Expertin: Schlucken von Rizin kann tödlich sein
In Gera war ein Mann nach der Einnahme von Rizin ins Krankenhaus eingeliefert worden. Unklar ist, wie er an die Substanz gelangt war. Die Leiterin des Gift-Informationszentrums in Erfurt, Dagmar Prasa, sagte MDR AKTUELL, durch eine einfache Berührung könne man sich nicht vergiften. Wenn man aber Rizin verschluckt, könne das zu Multiorganversagen und zum Tod führen.
MDR AKTUELL: Was genau ist Rizin?
Dagmar Prasa: Rizin ist eigentlich ein Eiweiß, das in der Pflanze Ricinus communis, also dem Wunderbaum, vorkommt. Es ist eine Substanz, die sehr stark giftig ist. Diese ist hauptsächlich in den Samen der Pflanze zu finden. Sie kann die Eiweißproduktion in der Zelle hemmen, wenn die Substanz vom Körper aufgenommen wird – und dadurch zum Zelltod führen.
Reicht eine einfache Berührung mit diesem Stoff, um sich zu vergiften?
Durch eine einfache Berührung kann man sich nicht vergiften. Wenn man intensiven Kontakt hat, kann das mehr oder weniger Hautreizerscheinungen verursachen. Wenn man Wunden auf der Haut hat, kann es über die Wunden aufgenommen werden, reicht aber in der Regel nicht für eine schwere Vergiftung. Aber wenn man es zum Beispiel schluckt oder ein Aerosol einatmet, dann kann das schon zur schweren Vergiftung führen.
Was löst Rizin im Körper aus, mit welchen Folgen?
Wenn man Rizin verschlucken würde, dann kann das in erster Linie erst einmal heftige Magen-Darm-Beschwerden verursachen. Die Symptome treten in der Regel innerhalb weniger Stunden auf. Das kann aber je nach Dosis und Menge auch mal bis zu drei Tage dauern. Es können Durchfälle auftreten, sowohl das Erbrechen als auch der Durchfall können blutig sein. Und wenn es dann zu einer schweren Vergiftung kommt, dann kann auch mal eine Pulsbeschleunigung auftreten. Es kann zu Krampfanfällen kommen, es kann zu Bewusstlosigkeit führen und letztendlich, bei einer schweren Vergiftung, durch Multiorganversagen zum Tod.
Kann ich die Ricinus communis in jedem Gartenladen kaufen, und wo kommt diese Pflanze überhaupt vor?
Eigentlich stammt sie aus den Tropen, wird aber bei uns als Zierpflanze verwendet. Man kann sowohl die Samen als auch die Pflanzen kaufen. Man findet sie in bestimmten Gärten, weil sie eben auch sehr attraktiv ist. Die Pflanzen sind relativ groß, sie können bis zwei Meter hoch werden und haben sehr große, meistens rötlich gefärbte Blätter. Sie sehen sehr schön aus.
Gerade kleine Kinder fassen Pflanzen gern an und kosten vielleicht auch mal, wenn die Blätter besonders schön aussehen. Muss man da aufpassen?
Wenn man kleine Kinder im Haushalt hat, sollte man so etwas vielleicht im Garten vermeiden. Und man muss eben prinzipiell aufpassen, dass die Kinder da nicht rangehen. Am meisten verlocken eigentlich die Samen, wenn die reif sind. Die sind ja so ein bisschen wie Bohnensamen in der Größe und sehen sehr schön aus. Wir haben auch schon Fälle gehabt, wo sie mit Nüssen verwechselt wurden. Da muss man schon ein bisschen aufpassen.
Giftnotrufnummer
Gemeinsames Giftinformationszentrum der Länder (GGIZ) Sachsen, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen in Erfurt: Telefon: 0361 730 730.Dieses Interview führte Uta Georgi.
MDR (mze)