Pausenhof auf Rädern
Zwischen Drängelei und Sachschaden: Immer mehr Probleme im Schulbusverkehr
Busfahrer, die einen Schulbus fahren, müssen sich immer öfter mit Drängeleien, Sachbeschädigungen und respektlosem Verhalten befassen. Mehrere Verkehrsunternehmen in Sachsen-Anhalt berichten von zunehmenden Problemen. Busbegleiter und Busschulen sollen helfen – doch die meisten Kinder und Jugendlichen verhalten sich nach Angaben der Unternehmen korrekt.
Das Verhalten einzelner Schülerinnen und Schüler im Schulbusverkehr stellt Verkehrsunternehmen im Saalekreis sowie in den Landkreisen Anhalt-Bitterfeld und Wittenberg zunehmend vor Herausforderungen. Das teilte der Omnibusbetrieb Saalekreis (OBS) auf Nachfrage von MDR SACHSEN-ANHALT mit.
Die PVG im Burgenlandkreis berichtet dagegen von einzelnen negativen Vorfällen. Von flächendeckendem Krawall in den Schulbussen könne keine Rede sein. Die Probleme reichen jedoch von Sachbeschädigungen und Drängeleien bis zu respektlosem Verhalten gegenüber dem Fahrpersonal und anderen Fahrgästen.
Busfahrer müssen immer wieder Fahrten unterbrechen
Nach Angaben von Maik Janak vom Busunternehmen Vetter, das im Linienverkehr den Saalekreis sowie die Landkreise Wittenberg und Anhalt-Bitterfeld bedient, mussten Fahrten wiederholt unterbrochen werden. Das Verhalten einzelner Schülerinnen und Schüler habe eine sichere Weiterfahrt nicht zugelassen.
Unsere Fahrerinnen und Fahrer sind in erster Linie dafür verantwortlich, die Fahrgäste sicher ans Ziel zu bringen. Sie sind keine Erzieher. Maik Janak, Busunternehmen Vetter
Dabei bereiten nicht nur Jugendliche den Verkehrsunternehmen Sorgen. Auch Grundschulkinder fallen im Schulbus mitunter durch ihr Verhalten auf. Entscheidend sei weniger das Alter als die Bereitschaft, Regeln einzuhalten und Rücksicht auf andere zu nehmen, berichten die Unternehmen.
In besonders schweren Fällen könnten Schülerinnen und Schüler zeitweise von der Beförderung ausgeschlossen werden. Dazu komme es jedoch erst nach Gesprächen mit Schulen und Eltern und bei wiederholten Vorfällen. "Unsere Fahrerinnen und Fahrer sind in erster Linie dafür verantwortlich, die Fahrgäste sicher ans Ziel zu bringen. Sie sind keine Erzieher", sagte Janak. Um die Situation nachhaltig zu verbessern, brauche es deshalb die Unterstützung von Eltern und Lehrkräften.
Genaue Zahlen werden nicht erfasst
Genaue Zahlen zu den Vorfällen erfasst das Unternehmen nach Janaks Angaben nicht. Er beobachte jedoch, dass Sachbeschädigungen und respektloses Verhalten in den vergangenen Jahren zugenommen hätten. Die Mehrheit der Kinder und Jugendlichen verhalte sich aber weiterhin korrekt.
Als einen möglichen Ansatz nennt Janak den Einsatz von Busbegleitern im Landkreis Anhalt-Bitterfeld. Dabei handelt es sich um ältere Schülerinnen und Schüler, die für diese Aufgabe speziell ausgebildet wurden. Auf begleiteten Fahrten würden deutlich weniger Auffälligkeiten registriert.
Busschulen sollen Verhalten der Kinder im Schulbus verbessern
Die PVG im Burgenlandkreis und die HAVAG in Halle setzen hingegen auf Busschulen. In den verkehrspädagogischen Projekten lernen Kinder und Jugendliche, sicher mit Bus und Bahn umzugehen. Im Burgenlandkreis wurden nach Angaben der PVG-Sprecherin Anke Lichtblau in 49 Veranstaltungen rund 4.000 Kinder geschult.
Die Busschule verbinde Theorie und Praxis: Dazu komme ein Bus vor Ort. Beteiligt seien auch Verkehrswachten, das Deutsche Rote Kreuz und die Polizei. "Die Kinder lernen vielfältige Gefahrenquellen im Busverkehr kennen. Auch das soziale und rücksichtsvolle Verhalten untereinander spielt eine große Rolle", sagte Lichtblau MDR SACHSEN-ANHALT.
Aus Sicht der Verkehrsunternehmen können solche Maßnahmen dazu beitragen, Konflikte im Schulbusverkehr zu verringern und das Miteinander zu verbessern.
MDR (Marc Weyrich, Thomas Tasler, Mario Köhne)