Nach dem heißen Sommer ist der Brühlbach nur noch ein Rinnsal. Wer das Bächlein durch die Wiesen bei Hahn (Rhein-Hunsrück-Kreis) gluckern sieht, würde kaum glauben, dass von ihm eine Gefahr ausgeht. Doch Thorsten Obermaier vom Leyendeckerhof hat einen Zaun rund um das Gewässer aufgestellt, damit seine Pferde nicht herankommen.
Denn vor Jahren haben die Behörden sogenannte PFAS im Brühlbach nachgewiesen. Darunter sind krebserregende Chemikalien. "Der Ortsbürgermeister hat uns damals gewarnt, als die ersten Wasserproben entnommen wurden", erzählt der Pferdehalter: "Und wir wissen nicht, welche gesundheitlichen Folgen es für die Pferde hätte, wenn sie das Wasser trinken würden."
US-Militär hat Altlast auf dem Hahn hinterlassen
Die Schadstoffe stammen nach Angaben der Landesumweltbehörde SGD Nord vom Flughafen Hahn, der nur ein paar Hundert Meter von der Pferdeweide entfernt liegt. Laut der zuständigen Behörde sind sie eine Altlast aus der Zeit als der Hahn noch ein Militärflughafen der US-amerikanischen Luftwaffe war.
In einem Übungsbecken habe die Feuerwehr Löschschaum versprüht. Die Schadstoffe sickerten in die Erde und wurden durch den Regen über die Jahre in die umliegenden Bäche gespült. Die SGD Nord hat seitdem den Brühlbach, den Großbach, den Grundbach und den Hitzelbach sowie die darin lebenden Fische untersucht. Im Wasser des Brühlbachs wurden dabei Konzentrationen gemessen, die 3.500-mal höher waren als es die EU-Umweltqualitätsnorm für Gewässer vorschreibt.
Umweltbehörde: Bislang keine Sanierung
Doch wie eine Sprecherin der Umweltbehörde einräumt, ist bislang nichts passiert, um die Schadstoffe zu beseitigen. Die SGD Nord teilt mit: "Am Flughafen Frankfurt-Hahn wurden bislang keine PFAS-Sanierungsmaßnahmen durchgeführt."
Das fließt runter in die Mosel, das interessiert hier keinen.
Den Angaben zufolge stehen noch "Detailuntersuchungen" auf dem Hahn aus, um festzustellen, wo genau sich Schadstoffe im Boden verbreitet haben. Doch seit 2023 seien nicht mal mehr Proben aus den Bächen gezogen worden.
Die Behörde begründet das damit, dass sich die Werte seit zehn Jahren kaum verändert hätten: "Zusätzliche Gewässeruntersuchungen werden daher aktuell nicht als erforderlich angesehen." Pferdehalter Thorsten Obermaier ärgert das: "Wir haben seit Jahren keinen neuen Stand gehört. Das fließt runter in die Mosel, das interessiert hier keinen."
Trinkwasser laut Verbandsgemeinde nicht gefährdet
Obermaier ist nach Angaben der Verbandsgemeinde Kirchberg nicht der einzige, der sich Sorgen macht. "Man hat das Gefühl, dass diese wichtige Thematik eher niederschwellig behandelt wird", schreibt eine Sprecherin: "Es geht um die Gesundheit. Da würden wir uns mehr Anstrengung und Maßnahmen wünschen."
Zwar befinden sich laut Verbandsgemeinde keine Trinkwasserbrunnen in der Nähe der belasteten Gewässer: "Unsere Trinkwassereinzugsgebiete liegen im Idarwald und Soonwald. Eine PFAS-Belastung durch den Flughafen Hahn ist ausgeschlossen."
Das Ökosystem in den Bächen könne durch die Chemikalien aber Schaden nehmen, sagt Tobias Schütz, Hydrologe an der Universität Trier. Die Lebewesen im Wasser seien einem Risiko ausgesetzt. Die Stoffe könnten sich in den Tieren anreichern, sagt Schütz: "Und das ist in keinem Fall wünschenswert. Es wäre sinnvoll, eine Ausbreitung in der Umwelt zu verhindern."
In Bitburg wird belastete Erde abgebaggert
Auf dem Flugplatz Bitburg, wo die US-Luftwaffe eine ähnliche Altlast hinterlassen hat, wird das derzeit versucht. Im Auftrag der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) soll die belastete Erde abgebaggert und in einer Art Halde unter riesigen Folie gesichert werden.
Die Bauarbeiten haben laut einem Sprecher der BImA begonnen: "Aktuell werden befestigte Flächen zurückgebaut, Leitungsgräben vorbereitet und Rohre verlegt, um nach Herstellung der Abdichtung das Regenwasser aus den gesicherten Bereichen gezielt ableiten zu können." Der Bau des Sicherungsbauwerks mit der Kunststoffdichtungsbahn selbst sei im Winter geplant.
Umweltschützer: Am Hahn fehlt der öffentliche Druck
Auch in der Eifel hat es lange gedauert, bis die Sanierung losging. Über zehn Jahre lang hatten Umweltschützer, unter anderem des Bundes für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND), vor den PFAS gewarnt. Dass es für den Hahn nicht einmal einen Sanierungsplan gibt, habe auch damit zu tun, dass der öffentliche Druck fehle, glaubt Wolfgang Adelfang vom BUND: "Am Hahn haben wir keine Gruppe, die das Thema angegangen ist."
Der Umweltschützer Adelfang kann das allerdings nachvollziehen, sagt er. Denn der Kampf gegen die Belastung sei mühsam. Adelfang hat sich viel mit der PFAS-Belastung rund um den Flugplatz Zweibrücken befasst. Seine Erfahrung: "Es ist unheimlich schwierig, bei dem Thema etwas zu erreichen." Und auch am Hahn ist das US-Militär, das die Belastung verursacht hat, nicht mehr vor Ort. Wer also soll die womöglich teure Sanierung bezahlen?
Die TRIWO AG, die den Flughafen Hahn betreibt, sieht sich nach Auskunft einer Sprecherin nicht in der Verantwortung und verweist auf das Land Rheinland-Pfalz. Das habe vertraglich zugesichert, sich zu kümmern. Ähnlich sieht es eine Sprecherin der Verbandsgemeinde Kirchberg: "Die damaligen Verursacher sind nicht mehr greifbar, da bleibt dann nur das Land. Die Kommunen können und werden die Aufgabe nicht stemmen."
Kein perfektes Verfahren für die Sanierung
Doch neben der Frage nach der Verantwortung gibt es noch ein weiteres Problem, sagt Umweltschützer Adelfang: "Es gibt für die Sanierung von PFAS keine perfekte Lösung." Es sei zwar möglich, das belastete Wasser mit Aktivkohlefiltern zu reinigen - aber das sei teuer und aufwändig.
Das geplante Sicherungsbauwerk in Bitburg nennt Adelfang "nicht optimal", weil sich die Schadstoffe, die derzeit im Boden eingeschlossen sind, durch die Baggerarbeiten in der Erde verteilen könnten: "Aber immerhin passiert überhaupt etwas."
Schadstoffe bleiben erstmal auf Übungsplatz
Für den Hahn hat die SGD Nord ohnehin eine andere Idee. Die belastete Erde könnte im Löschbecken der Feuerwehr bleiben und dort eingekapselt werden, teilt eine Sprecherin mit. Es wäre ein Schutz vor dem Regen, der die Schadstoffe in die Bäche spült. Konkret in Arbeit ist ein solcher Sanierungsplan aber nicht. Wie lange es dauern könnte: unklar.
Thorsten Obermaier glaubt, dass die Anwohnerinnen und Anwohner hingehalten werden. Der Pferdehalter findet es schade, dass in Bitburg etwas gegen das PFAS-Problem unternommen wird: "Und bei uns plätschert das jetzt so vor sich hin." So wie der belastete Brühlbach durch seine Pferdeweide.