Hilfe für Straßenkatzen

Regeln für Besitzer von Katzen? Warum Bingen durchgreift und Mainz zögert

Katzenhalter in Bingen am Rhein müssen künftig Regeln beachten. Eine neue Katzenschutzverordnung tritt in Kraft. In Mainz gibt es solche Regeln bisher nicht – das wird kritisiert.

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Von Autor/in Luca Sumfleth

Straßenkatzen gibt es nur im Ausland, oder? Falsch gedacht! Auch in Rheinhessen leben viele Katzen auf der Straße. Allein in Mainz, so schätzt es die Mainzer Katzenhilfe, könnten es bis zu 1.500 Tiere sein, die auf der Straße leben – oft in schlechtem Zustand.

Viele Straßenkatzen haben tödliche Krankheiten

"Viele haben Katzenkrankheiten: Katzenaids, Katzenschnupfen oder FeLV, ein tödliches Virus. Da werden die nicht sehr alt", sagt Maria Salgado. Sie kümmert sich seit vielen Jahren bei der Mainzer Katzenhilfe um die heimatlosen Tiere.

Eine Straßenkatze mit ihren Kitten.
Eine Streunerin aus Mainz mit ihren Babies. Maria Salgado

Entwicklung lässt sich schwer kontrollieren

Die ehrenamtlichen Helferinnen des Vereins sind inzwischen in der ganzen Region im Einsatz. Sie können den Katzen zwar helfen, organisieren tierärztliche Behandlungen und Kastrationen – doch die Entwicklung stoppen? Schwierig.

Maria Salgado hat den Eindruck, dass es in den letzten Jahren sogar mehr Tiere geworden sind: "Das liegt auch daran, dass Besitzerkatzen unkastriert im Freigang sind und sich mit den wildlebenden Katzen paaren."

Stadt Bingen will freilebenden Katzen helfen

Der Verein begrüßt daher Maßnahmen wie die neue Katzenschutzverordnung der Stadt Bingen. Sie gilt ab dem 1. September und beinhaltet strengere Regeln für Halterinnen und Halter von Freigängerkatzen.

Wer eine Katze hat, die draußen herumstreunert, muss sie künftig chippen, in ein Haustierregister eintragen und kastrieren lassen. Bei Verstoß drohen Bußgelder von bis zu 5.000 Euro. So soll die Zahl freilebender Katzen verringert und mögliches Tierleid verhindert werden.

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Straßenkatzen in ganz Bingen unterwegs

Denn auch in Bingen leben nach Angaben der Stadt Straßenkatzen. Wie viele es sind, weiß aber niemand. Belastbare Zahlen gibt es nicht. Die Tiere werden nicht zentral erfasst und ihre Anzahl entwickelt sich sehr dynamisch.

Wo es bereits Katzenschutzverordnungen gibt

Bingen ist nicht die erste Stadt in Rheinhessen, die Straßenkatzen aktiv schützt. Ähnliche Verordnungen gibt es beispielsweise bereits in Worms, Nieder-Olm und Budenheim.

Wiesbaden hat bereits 2017 strengere Regeln für Katzenhalter eingeführt und gibt an, damit positive Erfahrungen gemacht zu haben. Mehr als 90 Prozent der Halter würden sich an die Regeln halten.

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Warum Mainz bislang keine Verordnung erlässt

Vielerorts fehlen solche Regeln aber – denn Katzenschutz ist in Rheinland-Pfalz Kommunalsache. So hat sich die Stadt Mainz bislang gegen eine solche Verordnung entschieden.

Auf SWR-Anfrage teilt die Stadt mit, dass eine Katzenschutzverordnung ein Eingriff in das Eigentumsrecht von Katzenhaltern ist. Sie dürfe deshalb nur handeln, wenn es genug Erkenntnisse über freilebende Katzen gebe. Demnach müsse festgestellt werden, dass ihr Leid an der Anzahl der freilebenden Tiere liegt und sich verringern würde, wenn es weniger Tiere gäbe.

Mainzer Katzenhilfe fordert mehr Einsatz der Stadt

Maria Salgado von der Mainzer Katzenhilfe kennt die Argumente der Stadt. Doch für sie ist die Sache längst klar: "Wir haben Material geliefert. Der Zustand hat sich verschlimmert und die verschließen die Augen."

Die Stadt will das jüngste Material bald sichten. Sollten ausreichend Erkenntnisse vorliegen, sei sie bereit, zu handeln. Im Moment könne sie aber noch nicht sagen, ob die Kriterien dazu erfüllt sind.

Auch Mainzer und Mainzerinnen können helfen

Maria Salgado möchte derweil weiteres Beweismaterial sammeln und an die Stadt schicken – in der Hoffnung, dass diese einlenkt.

Auch alle Mainzer und Mainzerinnen bittet sie um Hilfe: Wer eine Katze in Not entdeckt, solle sich so schnell wie möglich bei dem Verein melden.

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