Maria und Heinz Kasik sind in Albstadt-Ebingen (Zollernalbkreis) längst Legenden. Seit über 60 Jahren führen sie das Gasthaus "Apfelbaum", das für seine schwäbische Hausmannskost, Livemusik und eine besondere Atmosphäre bekannt ist. Maria ist mittlerweile 80 Jahre alt, Heinz 85. Ans Aufhören denken die beiden aber nur zögerlich. Grund seien die netten Gäste.
Bodenständige Küche und schwäbische Originale
Maria Kasik setzt in der Küche auf Tradition: Ihre Spätzle sind handgeschabt, das Schnitzel kommt in die Pfanne, nicht in die Fritteuse. Seit 60 Jahren steht sie in ihrer Gaststätte selbst am Herd. Heinz kümmert sich währendessen um die Gäste und den Zapfhahn. Wenn der Gastraum voll ist, muss es schnell gehen. Zwischen Bestellungen und Küchenarbeit ruft Maria auch schon mal Richtung Theke: "Habt ihrs Essen schon aufgenommen?" Der Apfelbaum ist ein eingespielter Familienbetrieb - mit deutlich älteren Chefs als üblich in der Gastronomie.
Wie oft haben wir schon gesagt: Jetzt hören wir auf.
85-jähriger Wirt mit spirituellen Wurzeln
Dazu kommt: Heinz Kasik hat noch eine zweite Leidenschaft. Er ist auch ausgebildeter Heilpraktiker. Seine Neugier führte ihn vor Jahren bis nach Thailand. Dort besuchte er Schamanen und Heiler, um alternative Heilmethoden kennenzulernen. Er sieht sich nicht als jemand, der in eine Schublade passt, sagt er. Er sei eben nicht nur Gastwirt, sondern habe viele Interessen. Er schreibt auch gern. Ein Stammgast habe einmal im Spaß gesagt: "Erst mach ich mir die Leber bei dir kaputt und dann geh ich hoch und lass mich wieder heilen." Oben, direkt über dem "Apfelbaum", hatte Heinz Kasik früher seine Praxis.
Wirtshaussingen in Albstadt: Therapie für die Seele
Eine besondere 'Medizin' wird im "Apfelbaum" auch heute noch unten in der Gaststube serviert: das Ebinger Wirtshaussingen. Einmal im Monat gibt es Volksmusik - nicht vom Band, sondern live. Musiker und Gäste singen und tanzen zusammen. Dann brennt die Hütte. Für die Gäste bietet das eine Auszeit vom Alltag. Sorgen werden vergessen - zumindest für ein paar Stunden. Deshalb ist für viele der "Apfelbaum" deshalb mehr als nur ein Gasthaus. Er ist ein Ort der Gemeinschaft und der Lebensfreude.
Wenn ich 20 Jahre jünger wäre, würde ich es nochmal 20 Jahre machen.
Aufhören? Daran hat das Paar schon oft gedacht
Für die Kasiks ist das Gasthaus neben der Familie ihr Leben - mit vollem Engagement. Allmählich spüren die beiden aber, dass ihnen die Kraft ausgeht - langsam. "Wie oft haben wir schon gesagt: Jetzt hören wir auf. Aber dann hast du wieder Anmeldungen, und zumal ist das Jahr wieder vorbei", sagt Maria Kasik.
Was wird aus ihrem Lebenswerk, dem "Apfelbaum"?
Ein Nachfolger für ihr Lebenswerk ist nicht in Sicht. Entsprechend sieht Heinz der Zukunft mit gemischten Gefühlen entgegen: "Wenn ich 20 Jahre jünger wäre, würde ich es nochmal 20 Jahre machen. Aber es wird Zeit. Ist halt so." Bis es soweit ist, bleibt der "Apfelbaum" ein Ort, an dem Gäste nicht nur gut essen, sondern auch die Seele baumeln lassen können.
"Wenn man sieht, wie die Leute kommen, ihre Sorgen vergessen und dann zufrieden nach Hause gehen, dann ist das viel Wert", sagt Heinz Kasik. Ihre Gäste hoffen, dass es auch nach den beiden Legenden im "Apfelbaum" weitergeht.