Der Sommer 2026 wird in Baden-Württemberg als Jahrhundertsommer ins kollektive Gedächtnis eingehen. Kurz vor Beginn des meteorologischen Herbstes liegt nicht nur die Zahl der Hitzetage mit mehr als 30 Grad weit über denen des bisherigen Rekordsommers 2003.
BW-Sommer 2026 übertrifft Rekordsommer 2003 mehrfach
"In Baden-Württemberg hat der Sommer 2026 den Sommer 2003 übertroffen", erklärt SWR-Wetterexperte Gernot Schütz. In diesem Sommer sei es bereits bis wenige Tage vor dem meteorologischen Herbstanfang im Mittel 3,1 Grad wärmer gewesen als in der Referenzperiode von 1991 bis 2020. Der bisherige Jahrhundertsommer 2003 lag seinerzeit in Baden-Württemberg im Mittel 2,9 Grad über dem Wert der Referenzperiode.
Besonders spannend, sagt der Diplom-Meteorologe, sei auch der Vergleich mit dem alten Temperaturmittel aus den Jahren 1961 bis 1990. Hier beträgt die Temperaturabweichung laut Deutschem Wetterdienst (DWD) sogar 4,9 Grad. "Daran sieht man schon, dass es eine Verschiebung hin zu viel höheren Temperaturen gibt."
Bilanz des DWD Zweitwärmster Sommer seit Aufzeichnungsbeginn
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Mehr Hitzetage im Sommer - und darüber hinaus
Rechnerisch gab es in Baden-Württemberg in diesem Sommer mehr als einen Monat lang Temperaturen von mehr als 30 Grad. 35 Hitzetage im Flächenmittel für einen Sommer sind der höchste Wert seit Messbeginn 1881. Im bisherigen Rekordsommer 2003 waren es nur 26,9. "Flächenmittel heißt wirklich über alle Stationen, also auch Feldberg oder Schauinsland, wo es natürlich kaum Hitzetage gibt", erklärt SWR-Wetterexperte Schütz.
"Aber in den in den Städten entlang des Rheins oder auch im Stuttgarter Raum und am Bodensee, da waren das verbreitet 35 bis teilweise 50 Hitzetage." Und das gelte nur für den meteorologischen Sommer. Nimmt man das ganze Jahr in den Blick, kommen noch weitere Hitzetage zum Beispiel aus dem Mai hinzu. Einen neuen Hitzerekord für Baden-Württemberg markierte laut DWD Waghäusel-Kirrlach (Kreis Karlsruhe) am 27. Juni mit 41,4 °C.
Wenn die Temperatur auch nachts nicht unter 20 Grad fällt, spricht man von Tropennächten. In Stuttgart gab es 17 solcher Tropennächte zwischen 1. Juni und 20. August - und damit deutschlandweit am meisten zusammen mit Frankfurt am Main (Hessen). Das geht aus einer Auswertung des Unternehmens Coway Europe auf Basis von Daten des Deutschen Wetterdienstes (DWD) hervor.
Mehr als jeder fünfte hitzebedingte Todesfall in BW
Die langen Hitzeperioden dieses Sommer machen sich auch in den Schätzungen des Robert Koch-Instituts (RKI) zu hitzebedingten Todesfällen bemerkbar: Demnach sind in Baden-Württemberg in diesem Jahr mehr als 3.600 Menschen an den Folgen von Hitze gestorben - mehr als in jedem anderen Bundesland. Besonders viele Fälle gab es zwischen Mitte Juli und Mitte August, als es noch einmal besonders heiß war. Der RKI-Bericht umfasst den Zeitraum vom 6. April bis zum 16. August.
Bundesweit schätzt das RKI die Zahl der Hitzetoten in diesem Jahr auf bislang rund 15.800, mehr als jeder Fünfte (22,8 Prozent) davon starb in Baden-Württemberg.
Trockenheit: Weniger als halb so viel Regen wie "normal"
Auch wenn ab Mitte August kühlere Temperaturen und immer wieder auch Regen nach Baden-Württemberg kamen, war es ein extrem trockener Sommer. Laut DWD fielen bis zum Sommerende im Flächenmittel 153 Liter pro Quadratmeter Regen in Baden-Württemberg. Das ist nur etwas mehr als die Hälfte dessen, was im Vergleich zum langjährigen Klimamittel "normal" wäre. Der Sommer 2026 war damit der fünfttrockenste seit 1881.
Es wird Monate, vielleicht sogar Jahre dauern oder vielleicht werden wir es auch gar nicht mehr hinkriegen, die Grundwasserspeicher wiederaufzufüllen.
Das allein wäre für die Natur vielleicht nicht so schlimm gewesen, aber zum wenigen Regen sei die extreme Hitze und damit mehr Verdunstung gekommen, erklärt Schütz. Im Sommer 2026 habe damit eine sogenannte "heiße Dürre" geherrscht. Schütz äußert mit Blick auf den Klimawandel Zweifel, ob das Grundwasser den alten Stand wieder erreichen wird.
"Den Flüssen mehr Raum geben": Hilft Renaturierung gegen Niedrigwasser?
Auch das Niedrigwasser an Flüssen wie Rhein, Donau, Neckar oder am Bodensee steht für die extreme Trockenheit in diesem Jahrhundertsommer. Der Regen ab Mitte August hat an den Pegelständen nur wenig geändert. Noch immer zeigen fast alle Pegel im Land Niedrigwasser.
Dürre begünstigt Waldbrände und bringt Probleme für Landwirte
Weitere Auswirkungen der Trockenheit zeigten sich bei Waldbränden in Teilen Baden-Württembergs in diesem Sommer. In anderen Teilen Deutschlands und vor allem in anderen europäischen Ländern verbrannten in diesem Sommer noch weitaus größere Flächen Wald.
Auch die Landwirte traf die monatelange Trockenheit mit "voller Wucht", wie Bauernverbands-Präsident Joachim Rukwied Ende August berichtete. Bei verschiedenen Gemüsen und Getreiden zeichneten sich schlechte Ernten ab. Noch dramatischer sei die Situation bei Futterwiesen. "Für unsere tierhaltenden Betriebe geht es längst nicht mehr nur um eine schlechte Ernte. Es geht um die Frage, wie sie ihre Tiere durch den Winter bekommen", so Rukwied.
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Klimawandel: Jahrhundertsommer das neue Normal?
Auch wenn das Wetter im nächsten Sommer nicht vorhersagbar sei, an die große Abkühlung glaubt der Diplom-Meteorolge Schütz nicht: "Dass der nächste Sommer zu kühl wird im Vergleich mit dem aktuellen Klimamittel halte ich für ausgeschlossen. Ob er jetzt genauso heiß wird oder vielleicht noch heißer als 2026, das kann im Moment niemand sagen. Es ist nur klar, wo der Trend hingeht."
Ein "Ende der Fahnenstange" ist aus Schütz' Sicht aber nicht erreicht. "Das ist nicht das neue Normal, das wir jetzt haben, das ist sozusagen der Beginn einer immer weiter fortschreitenden Erhitzung." Natürlich gebe es Schwankungen und auch nicht jedes Jahr neue Rekorde, aber auch die Schwankungen fänden auf einem steigenden Temperaturniveau statt.
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"In einem stabilen Klima würden sich zu heiße und auch mal zu kühle Sommer abwechseln und so kommt dann ein Klimamittel zustande. Aber die ganzen Mittel, die steigen ja ständig." Und dieser Erwärmungstrend habe sich in den vergangenen fünf bis zehn Jahren beschleunigt, so Schütz.
Jahrhundertsommer? Warum Forschende neu denken müssen
Meteorologischer Herbstanfang - mit Herbstwetter?
Bringt der Herbst ab dem ersten September dann auch herbstliches Wetter oder eher eine Fortsetzung des Sommers? Für konkrete Vorhersagen ist es zu früh, aber SWR-Wetterexperte Gernot Schütz rechnet zumindest mit einem "überdurchschnittlich temperierten Herbst".
Und der Regen? "Wünschenswert wäre jetzt natürlich ein zu nasser Herbst nach diesem Dürresommer." Regnen werde es zwar nach der derzeitigen Wetterlage, so der Experte, aber wohl nicht genug, um die Trockenheit dieses Jahrhundertsommers auszugleichen.