Wohnen in der Zukunft

KI, Sturzsensoren und Bewegungsmelder: Durch diese Smart-Home-Technik können Senioren länger zu Hause leben

Länger sicher zu Hause leben: Dabei können Smart-Home-Anwendungen helfen. Technische Helfer wie die automatische Herdabschaltung oder die Sturzmatte können Leben retten.

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Von Autor/in Silas Schwab

Viele Senioren möchten möglichst lange in den eigenen vier Wänden bleiben. Intelligente Helfer - von Sturzsensoren bis zur smarten Küche - können dabei unterstützen. In Musterwohnungen wie in Villingen-Schwenningen (Schwarzwald-Baar-Kreis) zeigt sich, was heute schon möglich ist, wie die Technik funktioniert und welche Rolle Künstliche Intelligenz künftig für altersgerechtes Wohnen spielt.

"Das ist aber gut!" Georg Seiler staunt. Er sitzt mit einem Stuhl am Spülbecken - ganz bequem. Den Küchentresen hat er per Knopfdruck auf die für ihn ideale Höhe gefahren. Neben ihm hat sich der Herd automatisch abgeschaltet. Die Jalousien fahren selbstständig herunter, um Seiler vor der Hitze zu schützen.

Seiler lässt sich in der Musterwohnung des Schwarzwald-Baar-Kreis in Schwenningen beraten. Der Pensionär baut zu Hause um. Noch brauche er selbst keine besonderen Hilfsmittel, "aber man weiß ja nie, was passiert", sagt er. Deshalb schaut er sich in Villingen-Schwenningen an, was heute schon möglich ist.

Pensionär Georg Seiler sitzt an einer höhenverstellbaren Küchenzeile.
Die höhenverstellbare Küchenzeile hat Georg Seiler überzeugt. Ben Hoffmann

Fast neun von zehn Pflegebedürftigen leben zu Hause

Seilers Überlegungen betreffen viele Menschen. Die aktuellsten Zahlen zu Pflegebedürftigen in Deutschland stammen von Ende 2023. Schon damals benötigten knapp 5,7 Millionen Menschen Pflege. Das Statistische Bundesamt prognostiziert steigende Zahlen. Fast jeder Neunte davon wurde zu Hause versorgt.

Technische Assistenzsysteme sollen dabei helfen, möglichst lange selbstständig zu bleiben. Fachleute sprechen auch von "Ambient Assisted Living" (AAL). Gemeint sind technische Systeme, die den Alltag insbesondere von älteren Menschen oder Menschen mit Einschränkungen sicherer und einfacher machen sollen.

Dazu gehören vergleichsweise einfache Geräte ebenso wie vernetzte Smart-Home-Systeme: Bewegungsmelder können nachts automatisch das Licht einschalten, Sensoren erkennen Stürze und Herdabschaltungen verhindern Brände. Viele Systeme lassen sich auch per Sprache bedienen oder verständigen im Notfall Angehörige oder direkt die Rettungsdienste.

In Musterwohnungen können Menschen die Technik testen

Um Senioren über die Möglichkeiten aufzuklären, hat der Schwarzwald-Baar-Kreis bereits 2014 die Musterwohnung BEATE (Beratungsstelle für Alter und Technik) eröffnet. Heute werden dort mehr als 200 Geräte und Gegenstände rund um Barrierefreiheit, Alltagshelfer und Smart Home gezeigt. Ines Adamietz vom Landkreis führt jedes Jahr mehr als 600 Beratungsgespräche. Darin zeigt sie Senioren, welche Hilfsmittel ihr Zuhause sicherer und den Alltag einfacher machen. Die Beratung ist kostenlos und neutral. Adamietz muss nichts verkaufen.

Sie zeigt Seiler etwa eine Sturzmatte. Als Seiler auf die Matte tritt, ertönt ein Signal. "Aha. Ja, es piepst", stellt er fest - und will wissen, wo der Alarm im Ernstfall ankommt. Die Matte soll helfen, wenn jemand aus dem Bett fällt oder demente Personen es verlassen. Das Signal kann auch direkt an Angehörige gehen. Kostenpunkt: knapp 150 Euro.

Pflegekasse kann Umbauten mit bis zu 4.180 Euro fördern

Die Kosten müssen Pflegebedürftige und Angehörige aber nicht zwangsläufig selbst tragen. Bei den Pflegegraden eins bis fünf kann die Pflegekasse auf Antrag bis zu 4.180 Euro für Maßnahmen zahlen, die häusliche Pflege erleichtern. Beispiele sind Türverbreiterungen, fest installierte Rampen, Treppenlifte, aber eben auch technische Hilfsmittel wie Sturzmatten oder eine Herdabsicherung.

Welche Unterstützung im konkreten Fall möglich ist, sollte vor dem Kauf geklärt werden. Ines Adamietz von der Beratungsstelle Alter und Technik weist darauf hin, dass nur bestimmte technische Geräte als Hilfsmittel anerkannt sind.

Smart Home ist auch bei Älteren angekommen

Von diesen Möglichkeiten machen deshalb auch immer mehr Senioren Gebrauch. In einer Befragung von Bitkom, dem Branchenverband der deutschen Informations- und Telekommunikationsbranche, gaben 30 Prozent der Menschen zwischen 65 und 74 Jahren in Deutschland an, mindestens eine Smart-Home-Technologie zu nutzen. Ab 75 Jahren fällt die Nutzung allerdings deutlich ab: In dieser Altersgruppe waren es demnach nur sechs Prozent.

Smart-Home-Experte Christoph Rathfelder beobachtet, dass die Technik nicht mehr nur etwas für "technisch interessierte jüngere Leute" sei, die ein "buntes blinkendes Smart Home" wollten. Die Technik erreiche zunehmend den normalen Nutzer und damit auch ältere Menschen.

Rathfelder ist Ingenieur und vernetzt in dem Verein "Smart Home & Living Baden-Württemberg" Sozialverbände, Universitäten, Institute und Elektrohersteller. In einem umgebauten Wohnwagen in Villingen-Schwenningen testet er mit den Akteuren aus dem Verein die Smart-Home-Technik von morgen. Ihr Ziel: Nicht viel Schnickschnack, sondern praktische Helfer, die das Leben einfacher machen.

Wohnwagen mit Smart Home Technik
In diesem Wohnwagen in Villingen-Schwenningen wird moderne Smart-Home-Technik getestet. Ben Hoffmann

KI macht Smart-Home-Umbau leichter

Ein Trend ist nach Einschätzung Rathfelders die stärkere Vernetzung der technischen Helfer. Ein Fenstersensor erkennt, wann gelüftet wird. Dadurch wird die Heizung ausgeschaltet. Gleichzeitig warnt der Sensor aber auch bei einem Einbruch. Künstliche Intelligenz mache es zudem einfacher, Regeln für solche Systeme einzurichten, ohne selbst programmieren zu können, sagt Rathfelder. Inzwischen klappt das schon über wenige Sprachbefehle.

Mehr Vernetzung bedeutet allerdings auch mehr Daten. Viele Smart-Home-Systeme benötigen eine Internetverbindung und können Informationen an Angehörige, Pflegedienste oder andere Anbieter übertragen. Gleichzeitig kommen so aber auch die Anbieter der Systeme an die geteilten Daten. Rathfelder rät deshalb, wo möglich, lokale Systeme zu verbauen, die nicht an das Internet angeschlossen sind.

Musterwohnungen auch in Schramberg, Ulm und Stuttgart

Der Schwarzwald-Baar-Kreis ist mit seinem Konzept nicht allein. Im benachbarten Landkreis Rottweil gibt es in Schramberg ebenfalls eine solche Musterwohnung. In Ulm können Interessierte die sogenannte AAL-Musterwohnung "Daheim Dank Digital" in der Bethesda Klinik besuchen. Eine weitere barrierefreie Musterwohnung betreibt der Kommunalverband für Jugend und Soziales Baden-Württemberg in Stuttgart. Eine bundesweite Übersicht solcher Musterwohnungen bietet die Seite des "DigitalPakts Alter".

Georg Seiler hat nach seinem Rundgang jedenfalls eine klarere Vorstellung. Er müsse nicht alles haben, sagt er. Die Sprachsteuerung über Alexa hat ihn zum Beispiel mehr genervt als dass sie ihm nützlich war. Vieles sei aber "wirklich eine Erleichterung fürs Leben". Welche Technik bei ihm einzieht, will er beim Umbau nach und nach entscheiden. Die Voraussetzungen fürs spätere Nachrüsten will er schon jetzt schaffen.

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