FIFA-Machtkampf Niederlandes Verband: "FIFA braucht fundamentale Änderungen"
Der niederländische Fußballverband KNVB hat eine umfassende Neuausrichtung der FIFA-Führung gefordert. Neben einem neuen Präsidenten schlug der KNVB Reformen in der Struktur vor.
Der KNVB entzog dem FIFA-Präsidenten Gianni Infantino in einem Brief offiziell das Vertrauen und auch die Unterstützung für die Wahl zum Präsidenten, die am 18. März in Rabat/Marokko stattfinden soll. Der KNVB schreibt darüber hinaus, dass es nicht ausreiche, einen Nachfolger für Infantino zu bestimmen und schlägt Reformen vor.
"Wir sind zunehmend besorgt über die Machtkonzentration im Umfeld des Präsidentenamtes", heißt es in dem Schreiben, das der Sportschau vorliegt. Die Gewaltenteilung sowie wirksame Kontrollmechanismen in der FIFA seien geschwächt. Die Konsequenz aus Sicht des niederländischen Verbands: "Eine Einzelperson auszutauschen, ohne das System anzugehen, wird sich als unzureichend erweisen." Die FIFA brauche "fundamentale Änderungen". Der KNVB bietet an, eine entsprechende internationale Reformkonferenz in Amsterdam auszurichten. "Danach suchen wir dann eine Führung aus, die dazu passt."
FIFA-Präsident Gianni Infantino
Viele Reformen von 2016 zurückgedreht
Nach dem großen FIFA-Skandal 2015 hatte es bereits Reformen gegeben, die nach Infantinos Amtsantritt 2016 eingeführt wurden. Darunter:
- Eine Art Gewaltenteilung sollte dem Generalsekretär und dem FIFA-Rat die Hauptverantwortung geben und den Präsidenten vor allem repräsentativ arbeiten lassen.
- Die Zahl der Gremien in der FIFA sollte drastisch reduziert werden, um ein angenommenes Belohnungssystem mit gut dotierten Posten für Funktionäre zu unterbinden.
- Die Vergabe von mehr als einer WM bei einem Kongresss wurde verboten, nachdem die von Korruption geprägte Doppelvergabe der Turnier 2018 an Russland und 2022 an Katar zum Ausgangspunkt der künftigen Krisen wurde.
Der FIFA-Rat, in dem auch DFB-Präsident Bernd Neuendorf Mitglied ist, schlug 2024 beim Kongress in Bangkok einstimmig die Abschaffung dieser Teile der Reform vor, der Antrag wurde mit großer Mehrheit angenommen. Seitdem befindet sich der Generalsekretär den Statuten zufolge "unter Aufsicht und Weisungsbefugnis" des Präsidenten, die Zahl der Gremien wurde auf etwa das Vierfache erhöht und eine zuvor verbotene Doppelvergabe brachte die WM 2034 nach Saudi-Arabien.
Die FIFA habe schon vor 2024 in vielerlei Hinsicht gegen den Geist der Reformen gehandelt, sagt Miguel Maduro, ehemaliger Governance-Chef der FIFA, im WDR-Podcast "Sport inside". "Was 2024 gezeigt hat: Man hat sich nicht einmal mehr dafür geschämt, diese Reformen offen rückgängig zu machen." Maduro sprach sich dafür aus, dass die EU zumindest für den europäischen Markt Grundregeln für Sportverbände ausgibt, die sich dann auch auf die FIFA auswirken könnten.
Miguel Maduro, der frühere Governance-Chef der FIFA
UEFA kündigt rechtliche Schritte gegen Infantino an
Infantino wollte die Vermarktung künftiger WM-Turniere in eine Tochtergesellschaft auslagern und private Investoren beteiligen. Die Rahmenbedingungen sahen vor, die Anteile auch an Investoren aus dem Umfeld von US-Präsident Donald Trump zu verkaufen. Einen transparenten Auswahlprozess zeigte die FIFA nicht auf. Die UEFA drohte zwischenzeitlich mit einem Boykott von FIFA-Turnieren und kündigte zuletzt rechtliche Schritte gegen Infantino an.
Infantino war kurz nach der WM geradezu unantastbar und blickte einer sicheren Wiederwahl entgegen. Nun will ihn vor allem die UEFA aus dem Amt drängen. Ein breite weltweite Front gegen Infantino gibt es aber nicht. Zudem fehlt bislang ein Gegenkandidat. Die Frist zur Meldung von Kandidaturen endet am 18. November, zurzeit liegt nur die von Infantino vor.