Fußball-Bundesliga Das Torhüterkarussell - die spannendsten Gesichter im Kasten
Noah Atubolu, Mio Backhaus, Maarten Vandevoordt oder Karl Hein haben als neue Nummer eins ihrer Klubs debütiert. Und Jürgen Klopp freut sich über die große Auswahl deutscher Keeper.
Am Ende gab es nur Komplimente für Noah Atubolu. Erst am vergangenen Donnerstag zum Medizincheck eingetroffen, war der Wechsel zu Eintracht Frankfurt am Freitag vermeldet worden - und dann gab der 24-Jährige gleich am Samstag beim 1. FC Union Berlin (3:3) seinen Einstand für die Hessen. Die Hektik der vergangenen Tage war ihm nicht anzumerken.
Mit mehreren Glanzparaden verhinderte die neue Nummer eins weitere Gegentreffer. Von einer "sensationell guten Leistung" sprach Trainer Adi Hütter. Sportvorstand Markus Krösche sagte: "Er kam aus der kalten Hose direkt ins Tor. strahlte Sicherheit und Souveränität aus." Das Torwartproblem der Eintracht scheint gelöst. Nächsten Sommer greift für Atubolu eine Kaufoption von angeblich 12,5 Millionen Euro, nachdem der gebürtige Freiburger sein Arbeitspapier beim Sport-Club kürzlich verlängert hatte - und damit die Grundlage für den Deal legte.
Auch ein Kandidat für die Nationalelf
Über kurz oder lang will der neue Eintracht-Keeper wieder ans Tor der Nationalmannschaft klopfen, auch wenn ihm ein internationales Betätigungsfeld mit den Hessen fehlt. Seine Planstelle im Breisgau hat längst Mio Backhaus eingenommen.
Der 22-Jährige kam für zwölf Millionen Ablöse vom SV Werder. Der U21-Nationalkeeper patzte zwar im Playoff-Rückspiel zur Conference League gegen den FC Motherwell (4:1) und sah auch beim Gegentreffer gegen seinen Ex-Verein Werder Bremen (4:1) nicht so gut aus, doch viele halten den Deutsch-Japaner für einen logischen Kandidaten beim Neuaufbau der Nationalelf unter Jürgen Klopp. Der Bundestrainer hat die T-Frage noch offen gelassen.
Die Vorzüge von Mio Backhaus
"Mein Geheimfavorit ist Mio Backhaus, den ich das erste Mal schon als U16-Spieler bei Werder gesehen habe", sagte der ehemalige Bundesligatorwart Richard Golz im Fachmagazin "Kicker". Ihn beeindruckt auch die Persönlichkeit von Backhaus. Nach dem endgültigen Rücktritt von Manuel Neuer braucht es mit Blickrichtung auf die EM 2028 eine zukunftsfähige Lösung.
Der neue DFB-Trainerstab und Torwarttrainer Andreas Kronenberg werden sich mutmaßlich auf drei bis fünf Kandidaten fokussieren. Einer könnte Finn Dahmen (FC Augsburg) sein, den sich Klopp persönlich am Sonntag beim Heimsieg gegen den FC Schalke 04 (3:0) anschaute. Der 28-Jährige überzeugte vergangene Saison mit konstanten Leistungen, hielt auch die "Königsblauen" wieder stark und war schon unter Julian Nagelsmann häufiger im Kader.
Ärgert sich über seinen Fehler: Mio Backhaus vom SC Freiburg
Gehört auch Oliver Baumann noch zum Kandidatenkreis, der bereits 36 Jahre alt ist? Kommt Marc-André ter Stegen mit 34 nach seinem Wechsel zu Ajax Amsterdam wieder ins Spiel? Auf Jonas Urbig zu setzen, birgt ein gewisses Risiko, da der 23-Jährige beim FC Bayern weiter nur Neuer-Ersatz sein, indes mehr Einsätze bekommen soll. Vorteil: Er kennt den Druck in München und lernt vom einst weltbesten Torwart.
Dennis Seimen ist ein spannendes Talent
Spannend auch die Entwicklung von Dennis Seimen, den die Ausbilder beim DFB seit Jahren in den höchsten Tönen loben. Der VfB Stuttgart hat den 20-Jährigen als Nachfolger für Alexander Nübel (Besiktas) zurückgeholt, dessen Gehalt beim FC Bayern von angeblich zwölf Millionen Euro für die Schwaben nicht zu stemmen war.
VfB-Eigengewächs Seimen hat viel zum Bundesliga-Aufstieg des SC Paderborn beigetragen, sich jedoch in der Vorbereitung eine schwere Sehnenverletzung im Oberschenkel zugezogen, die ihn bis Ende September außer Gefecht setzt. Bei der Auftaktniederlage beim Eröffnungsspiel gegen den FC Bayern (1:5) stand Fabian Bredlow zwischen den Pfosten.
Generationenwechsel bei RB Leipzig
Andere neue Gesichter unter der Latte haben sich am ersten Spieltag zeigen können Maarten Vandevoordt trat bei RB Leipzig das Erbe der Identifikationsfigur Peter Gulacsi an, der elf Jahre für den Brauseklub spielte. Der 24-Jährige erwies sich gegen Borussia Mönchengladbach (3:0) als reaktionsschneller Rückhalt.
Der 1,92-Meter-Mann hat enorme Stärken mit dem Fuß, wurde als Kind vom GRC Genk noch als Feldspieler gescoutet - und will sich nun dauerhaft in der Bundesliga behaupten. Genau wie Karl Hein bei Werder Bremen und Matheo Raab bei Union Berlin, die ebenfalls als neue Nummer eins starteten.
Vermutlich sind 14 Torhüter wieder Deutsche
14 der 18 Erstligisten setzten zum ersten Spieltag auf eine deutsche Nummer eins, was eine klare Trendwende bedeutet. In der Saison 2019/20 setzten zehn der 18 Bundesligisten auf einen internationalen Keeper. Offenbar hat wieder ein Umdenken eingesetzt, weil die neue Generation mehr Qualität einbringt.
Aktuell kommen neben Vandevoordt (Belgien) und Hein (Estland) nur noch Dortmunds Leistungsträger Gregor Kobel (Schweiz) und Leverkusens Schlussmann Mark Flekken (Niederlande) aus dem Ausland. Auf keiner Position hat Bundestrainer Klopp eine so breite Auswahl deutscher Spieler.